3. Dezember 2016

Heimat: “Flow”

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Schöner Moment, bitte bleib!

An schöne Dinge würde ich mich gerne ketten. So fest, dass kein Millimeter Platz mehr ist, der Zustand bleibt, Stillstand herrscht. Da wünsche ich mir: Schöner Moment, bitte bleib.

Ein Sommer ohne Männer

Es gab einen Sommer, da rutschte ich in eine neue Mädchenclique. Wir waren alle zeitgleich ohne Beziehung, hatten frische und alte Narben, trösteten uns gegenseitig. Picknickten in der Sonne, erkundeten mit dem Fahrrad die Stadt, tanzten nächtelang durch Clubs. Wir hörten uns zu, waren für einander da, füllten unsere freie Zeit miteinander. Es war unser Sommer ohne Männer.

Als die Sonne aber ihre Intensitiät verlor, die ersten Blätter an den Bäumen in leuchtendem Gelb und tiefem Rot von den Ästen purzelten, kamen auch die Männer zurück. Drei von uns hatten neue Beziehungen, zwei blieben Singles. Die Mädelsabende unter der Woche wurden weniger, am Wochenende saßen plötzlich Herren dabei, die Gespräche veränderten sich. Aber die Freundschaft hielt. Karlsruhe war unsere Basis, der gleiche Stadtteil, nur wenige Hundert Meter Distanz voneinander. Und eine emotionale Verbundenheit, die nun Jahre überdauerte.

Bleibt alles anders

Doch das Leben fließt. In diesem Sommer schleppten wir Umzugskisten in einen Transporter. Wir nahmen Abschied, voller Wehmut, aber auch Freude. Karlsruhe war einer von uns zu eng geworden, zu vertraut, Neuanfang, Veränderung. Sie ist glücklicher nun.

Nun steht der zweite Abschied bevor – noch eine von uns wird die Stadt verlassen. Es ist eine Reise ins Ausland, ohne Rückflugschein. Es gibt Momente, da wird mir schwer ums Herz, wenn ich daran denke, dass sie bald nicht mehr hier sein wird. Dass wir nicht mehr am Wochenende nach Partys gemeinsam an der Straßenecke stehen, es bitterkalt ist und wir uns trotzdem noch Dinge erzählen müssen. Sie nicht mehr in der Wohnung bei mir um die Ecke lebt, sondern ich in ein Flugzeug steigen muss, um sie zu sehen.

Aber jedes Mal, wenn wir uns treffen, sie von ihren Plänen erzählt, sie strahlt und ich merke, dass es für sie keine Alternative gibt, sie es ausprobieren muss, dann weicht die Wehmut gegen Zuversicht. Eine Freundschaft lässt sich durch Kilometer nicht trennen. Ich bin mir sicher.

Geht eine Tür zu, geht eine andere auf

Und: Wenn bekannte Gesichter gehen, ist plötzlich Raum für neue. Das Leben gleicht sich aus, von alleine. Ein kleiner Erdenbürger kommt in den nächsten Wochen im Freundeskreis hinzu und es stolperten in den vergangenen Monaten neue, nette Menschen in mein Leben. Mit denen ich Abende durchquatschen, einen Wein zuviel trinken und denen ich von fröhlichen und traurigen Dingen erzählen kann. Die plötzlich da sind, mein Leben bereichern. Mit ihnen bin ich versöhnt und weiß: Es ist okay, dass das Leben ständig in Bewegung ist.

An schöne Dinge würde ich mich gerne ketten. So fest, dass kein Millimeter Platz mehr ist, der Zustand bleibt, Stillstand herrscht. Da wünsche ich mir: Schöner Moment, bitte bleib. Dann aber hole ich tief Luft, halte kurz inne und warte gespannt, was die Zukunft bringt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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