29. Dezember 2016

Kurioses: “Silvester”

Ach, Silvester!

Raclette, Raketen, Radau: Zu Silvester habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis. Wenn mich Menschen schon im November fragen: „Was machst du am 31. Dezember?“, beginne ich innerlich zu schreien. Äußerlich wahre ich meist noch die Fassung, lächele freundlich und äußere mich unentschlossen. „Mal schauen“, „entscheide ich spontan“ oder „keine Ahnung“ – das sind meine drei Standard-Antworten.

Ich finde, Silvester wird einfach maßlos überschätzt und überbewertet. Und es passiert überproportional viel Mist an diesem Tag. Also ich will damit sagen: Dass mich Silvester nervt, kommt nicht von ungefähr. Beispiele? Hier.

Hurra, ein neues Jahr. Ach nee, Irrtum.

Vor ganz schön vielen Jahren hatte ich mal einen Freund, in den ich sehr verliebt war. Wir wollten das Silvester-Essen noch getrennt verbringen, er bei seinen Jungs, ich bei meinen Mädels. Dann wollten wir uns auf einer Party treffen. Kurz nach 24 Uhr stieg ich mit meinen Freundinnen in ein Taxi, um uns herum explodierten die Raketen, warfen ein buntes Farbenspiel an den dunklen Himmel, verschönerten die Nacht. Hurra, ein neues Jahr. Party.

Moment, doch nicht. Denn als wir die Eingangstür zu der Location passierten, entdeckte ich meinen Freund in der hinteren Ecke des Raums – knutschend mit einer Anderen. Der Jahreswechsel, Zeit der Veränderung. In der Tat. Ich machte eine 180-Grad-Kehrtwendung, raus.

Dieses Trauma habe ich inzwischen überwunden, aber seither weiß ich: Rechne immer mit dem Schlimmsten, dann bist du in der Realität.

Dorfparty statt hippe Hauptstadt

Wenige Jahre später hatten wir Mädels geplant, an Silvester zu unserer gemeinsamen Freundin nach Berlin zu fahren. Die Vorfreude war groß. Party in der hippen Hauptstadt. Alles war von langer Hand geplant, am 30. Dezember sollte die Reise mit dem Auto losgehen. Der Schnee kam uns dazwischen. Dieser Wettergott übertrieb mit den weißen Flocken einfach maßlos. Die Straßen waren spiegelglatt, die Staus endlos, die Deutsche Bahn versagte. Die Enttäuschung war riesig.

Was nun? Wir entschieden uns für das absolute Kontrastprogramm und landeten in meinem winzigen Heimatdorf bei einer Party im Rathauskeller. Die Situation eskalierte. Wir tranken mit den Herren mit, verloren jegliches Gefühl für Alkoholmengen, kreischten zu Partyhits. “It’s my life.” Das Ergebnis dieser Sause ins neue Jahr: Ich hatte danach zwei Tage eine komplette Magenverstimmung, hörte erstmal auf zu rauchen. Meine Freundin legte sich morgens um halb neun vor meinem Vater auf den Boden. Also sie fiel mit mehr als zwei Promille einfach um. Und meine andere Freundin verpasste bei der Heimfahrt gleich zweimal die richtige Haltestelle, sie schlief so tief und fest – und fuhr stundenlang Stadtbahn. Seither stehen wir im Handy einer der Freundinnen auch als “Teen Wolf”, “Kurt” und “Hase” im Verzeichnis, wie das zustande kam, können wir bis heute nicht mehr rekonstruieren.

Ausflug auf den Bauernhof

Es gab dann einige Silvester, die waren unspektakulär, da waren wir in überfüllten Clubs oder auf Veranstaltungen, die viel Eintritt kosteten und einfach nix taugten. Außerdem waren wir mal noch in Bonlanden. Das ist in der Nähe von Stuttgart. Bei einem Sommerurlaub hatten wir Mädels eine Jungsclique kennengelernt. Romantische Funken sprangen bei dem ein oder anderen umher. Als eine Einladung zu einer Silvesterparty kam, überlegten wir nicht lange, studierten die Straßenkarte und fuhren dorthin.

Die Loacation entpuppte sich als Bauernhof, auf dem auch einer der Jungs wohnte. Das war eine äußerst rustikale und interessante Veranstaltung. Wir schliefen dann bei seinen Geschwistern im Bett und frühstückten mit seinen Eltern. Eigentlich war das alles nicht verkehrt. Leider war dieser Funke, der bei dem ein oder anderen im Sommerurlaub erglüht war, einseitig erloschen. Auf der Heimfahrt herrschte gedrückte Katerstimmung im Auto. Das war auch nicht der beste Start ins neue Jahr.

Zuversicht!

Raclette, Raketen, Radau: Zu Silvester habe ich so ein sehr gespaltenes Verhältnis. Wenn mich Menschen schon im November fragen: „Was machst du am 31. Dezember“, beginne ich eigentlich innerlich zu schreien. Dieses Jahr bin ich nun aber zuversichtlich. Ich bekomme Besuch – aus dem Ausland. Wir haben keine großen Pläne, möchten einfach nur Zeit miteinander verbringen, was Nettes essen und ein bisschen tanzen. Ausnahmsweise bin ich mir mal sicher, das wird schön.

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2 thoughts on “Kurioses: “Silvester”

  1. Prinz William sagt:

    Liebe Autorin, gerne komme ich aus dem Ausland extra zu Ihnen nach Karlsruhe. Kate und Harry sind ebenfalls schon sehr gespannt, wie der Abend im Agostea verlaufen wird. Ich hoffe es gibt dort auch guten englischen Tee und Gebäck?

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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