23. Januar 2017

Flimmerkasten: “La La Land”

Kein Fan von Musicals

Nach etwa 30 Minuten „La La Land“ hatte ich wenig Hoffnung, dass ich diesen Film bis zum Ende sehen kann. Dieser überdrehte und knallbunte Bilder- und Soundmix machte mich in der ersten Hälfte fix und fertig.

Aber: Als Jazzpianist Seb (Ryan Gosling) Mia (Emma Stone) dann mit in eine Bar nimmt, ihr seine Lieblingsmusik näher bringt und ihr von seinem Traum erzählt, selbst einen Jazz-Club eröffnen zu wollen, fängt sich die Hollywood-Romanze einigermaßen. Auch dank John Legend, der auftaucht. So blieb ich sitzen. Nur: Musicals sind einfach nicht meins, daran ändert nun auch „La La Land“ nichts – trotz zahlreicher positiver Kritiken und einer großen Preisflut.

Zu perfekt!

Insgesamt ist das Werk von Damien Chazelle aber perfekt in Szene gesetzt. Jedes Detail ist auf den Punkt getroffen. Die Kulisse ist eine Mischung aus den 1950er-Jahren und der heutigen Zeit, in der die Handlung spielt. So startet der Film mit einer fulminanten Stau-Szene auf dem Highway, bei der die Autofahrer den Stillstand nutzen, um zu tanzen – auf der Straße, auf den Autodächern, in Anhängern, die sich plötzlich öffnen und Musiker zum Vorschein bringen. Bei einer Abendveranstaltungen fliegt später außerdem Konfetti durch die Luft, die Kleider der Schauspieler haben knallige Farben und nach einer Party tanzen Seb und Mia vor der romantischen L.A.-Silhouette in schwarz-weißen Schuhen – der Himmel schimmert purpurfarben dazu. Das ist alles stimmig, unterhaltsam, ästhetisch hübsch, nur eben cheesy hoch zehn.

Diese überdrehte Kulisse verändert sich dann mit der Zeit. Gegen Ende trägt Mia schlichte Wollpullis, schwarze Kleider, die Farben sind generell dezenter, alles ist gemäßigter, ruhiger, echter. Trotzdem berührte mich „La la Land“ selbst da nicht. Die Gefühle bleiben an der Oberfläche, es ist alles zu perfekt inszeniert, es entsteht keine Tiefe.

Große Träume, harte Realität

Dabei bietet die Handlung genügend Spielraum für viele Emotionen: Seb träumt davon, seinen Lebensunterhalt als Jazzmusiker bestreiten zu können. Doch es läuft zunächst holprig. An Heiligabend muss er sich in einem Restaurant am Klavier durch klassische Weihnachtslieder quälen – und wird entlassen, als er aus dem starren Schema ausbricht, frei improvisiert. Mia ist von der Kleinstadt in L.A. gestrandet, um Schauspielerin zu werden. Sie kämpft sich von Casting zu Casting – bekommt eine Absage nach der anderen und hadert. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Barista in einem Café. Als sich die Wege von Seb und Mia an Heiligabend treffen, läuft es zunächst keineswegs gradlinig, doch nach und nach kommen sie sich näher. Ihre Träume verbinden sie – jedoch nur zunächst.

Ryan Gosling: besser ein kantiger Kerl als ein verträumter Tanzer

Dass ich „La La Land“ nicht so richtig annehmen kann, liegt unter anderem auch an der Besetzung der Hauptrollen. Ich mag sowohl Ryan Gosling als auch Emma Stone prinzipiell gerne. Aber genau hier liegt vielleicht auch das Problem. Sie sind für mich keineswegs die passenden Schauspieler für diesen Musical-Film. Ryan Gosling überzeugt mich deutlich mehr, wenn er in schwierigen Rollen wie in „Drive“ oder “The Play beyond the Pins” zu sehen ist. Emma Stone gefiel mir besser in Woody Allens „Magic in the Moonlight“ oder in „Birdmann“.

Das Ende ist okay

„La La Land“ zugute zu halten ist das Ende. Das hat mich dann tatsächlich positiv überrascht. Außerdem ist auch der Soundtrack nett anzuhören. Aber nochmals kann ich mir diesen Film nicht anschauen. Seb und Mia, die gemeinsam in den Sternenhimmel fliegen und dort tanzen, nein danke, das ist mir einfach zuviel.

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3 thoughts on “Flimmerkasten: “La La Land”

  1. Jule sagt:

    Ich habe ihn von vorne bis hinten geliebt – aber ich mag auch Musicals. Die Musik geht mir seither nicht mehr aus dem Ohr :)

    Geschmäcker sind halt verschieden!

    1. Oli sagt:

      Da sind ein paar witzige Fehler in den Filmtiteln, die du im Laufe deines Essays erwähnst.
      Der Film an sich ist definitiv ein reiner Genrefilm. Er zitiert SO VIELE Klassiker aus der bisherigen Filmgeschichte, dass er dadurch schon selbst zu einem Lexikon wird.
      Das zu erkennen und die Nostalgie mitzunehmen, die zu geben versucht wird, klappt natürlich nicht bei jedem Zuschauer. Schade finde ich, dass du eine fehlende Tiefe erwähnst, die du nicht weiter ausführst. Tiefe ist drin, nur ist es eine subtile, sehr künstlerische, die in der Machart und nicht im Dialog steckt. Filmsprache eben.

      1. Miriam Steinbach sagt:

        Ja, ich weiß, dass der Film viele Anspielungen enthält und sich auf einige Klassiker bezieht – trotzdem: Mich hat der Film einfach nicht mitgenommen, ich fand ihn besonders am Anfang sehr langatmig und viel zu aufgesetzt, Musicals sind einfach nicht meins. Und er hat mich nicht berührt, weil die Konflikte, die zwischen Mia und Seb ab der zweiten Hälfte auftreten, dann so oberflächlich und für mein Gefühl schnell abgehandelt werden. Plötzlich geht es Schlag auf Schlag. Für mich bleibt da bei den Charakteren vieles an der Oberfläche. Da hilft es auch nichts, dass es filmische Metaebenen, viel Gesang und kluge Details gibt. La La Land hat mich einfach nicht begeistert.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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