28. Februar 2017

Heimat: “Schwanger”

Freude, überall!

Wenn man den 30. Geburtstag überschritten hat, kommen die Einschläge näher: Wir heiraten, wir sind schwanger. Hurra, ein Baby. Es vergeht inzwischen kaum mehr ein Monat, ohne dass mir Freunde mit solch netten Botschaften gegenüberstehen. Ich freue mich dann mit, umarme und spreche Glückwünsche aus – ehrlich und von tiefstem Herzen. Nur bei meiner besten Freundin, da musste ich ganz kurz Luft holen.

Zwischen Zigarettenrauch und “Schmiede spezial”

Wir kennen uns seit 18 Jahren, das ist ganz schön lange. Es war Zuneigung auf den ersten Blick. Wir lernten uns wenige Tage nach Weihnachten in einer schummrigen Kneipe kennen – eigentlich hätten wir dort gar nicht sein dürfen, wir waren unter 16 Jahren und naja, 22 Uhr war auch schon durch. Aber da saßen wir plötzlich mehr oder weniger zufällig an einem gemeinsamen Tisch, tranken einen experimentellen Cocktail für fünf Deutsche Mark und fingen an zu plaudern. Es passte sofort.

Es gab zwischen uns nie das Gefühl von Fremdheit, das Vertraute war von Anfang an da. Wir tauschten noch an diesem Winterabend Festnetz-Nummern aus, telefonierten am folgenden Tag drei Stunden am Stück – und es war einfach klar, wir mögen uns, der andere soll bleiben.

Plaudern bis zum Umfallen

Es gibt nur wenige Tage in den vergangenen 18 Jahren, an denen wir keinen Kontakt hatten. Wir schafften es, in der elften Klasse eine komplette Nacht durchzutelefonieren, redeten neun Stunden lang und gingen dann zur Schule, völlig übermüdet, aber erfüllt. Wir waren in unseren 20er-Jahren mehr als vier Jahre gemeinsam Single, wir quatschten uns damals nahezu bewusstlos, tanzten uns nächtelang durch Clubs, lagen am Abend danach verkatert mit Pizza auf dem Sofa und schauten Trash-TV.

Natürlich hatten wir in den 18 Jahren auch mal Phasen, in denen es kurz krachte, wir fluchten und böse aufeinander waren. Aber es kratzte nie am Fundament und wir hielten es nie lange ohne einander aus. Und besonders in Zeiten, in denen es mir nicht gut ging, war sie immer da, ging auch nachts um 4 Uhr ans Telefon, half mir immer, wenn ich sie brauchte. Meine Dankbarkeit dafür ist unendlich.


Zack, alles anders

Als sie dann vor einem Jahr an meiner Haustür stand, strahlend zu mir sagte: Ich bin schwanger, zog es mir für einen kurzen Moment den Boden unter den Füßen weg. Schwanger. Das heißt: Alles wird sich verändern. Da wird bald ein kleiner Mensch sein, der Fürsorge, Aufmerksamkeit und ganz viel Liebe braucht. Gemeinsame Urlaube und weinselige Abende: zunächst vorbei. All das ratterte in diesem Moment durch meinen Kopf.

Aber ich fasste mich schnell. Schon am nächsten Tag wuchs auch in mir die große Vorfreude auf diesen kleinen, besonderen Erdenbürger. Mit ihm würde zwar vieles anders, doch auch keineswegs schlechter werden. Im Gegenteil. Da wird ein kleiner Mensch sein, dem ich beim Großwerden zuschauen und mit dem ich Zeit verbringen kann.


Vieles ist anders, aber alles gut

Nun ist dieser kleine Mensch seit geraumer Zeit da. Und unsere Freundschaft hat sich tatsächlich kaum verändert. Wir haben nach wie vor jeden Tag Kontakt und sehen uns oft – nur eben zu anderen Zeiten: In Mittagspausen oder an Wochenenden, an denen viel Zeit zum Spazieren da ist. Auch unsere Gespräche haben nicht an Intensität verloren, wir haben uns immernoch so viel zu erzählen – zwar nicht mehr von den gleichen Dingen, aber sie interessiert sich für mein Leben, ich für mich ihres. Und das ist doch das Wichtigste in einer Freundschaft, das, was wirklich zählt.

Wenn man die 30 Jahre überschritten hat, kommen die Einschläge näher. Wir heiraten, wir sind schwanger. Hurra, ein Baby. Es vergeht inzwischen kaum mehr ein Monat, ohne dass mir Freunde mit solch netten Botschaften gegenüberstehen. Ich freue mich dann mit, umarme und spreche Glückwünsche aus – ehrlich und von tiefstem Herzen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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