17. April 2017

Heimat: “Wehmut”

So viele Erinnerungen

Meine Mutter feierte vor kurzem einen runden Geburtstag. Mein Vater hatte ihr deshalb eine zehnminütige Bildershow zusammengestellt, bei der Fotos aus zahlreichen Jahrzehnten auf einem Bildschirm aufblitzten. Erinnerungen aus ihrer Kindheit, von meinem Bruder und mir als wir klein waren und aktuelle Aufnahmen. Es kam völlig unerwartet, aber eine riesige Wehmut überfiel mich, packte mich, ließ mich nicht mehr los. Die Zeit rast. Es wurde mir wieder so klar, dass alles im ständigen Wandel und vergänglich ist – und ich die Zeit, in denen es uns allen in der Familie gut geht, so sehr schätzen muss.

Puhh!

Es war nicht das erste Mal, dass sich in mir solche Verlustängste auftaten – obwohl es gerade überhaupt keinen Grund zur Sorge gibt. Aber dieses leicht panische Gefühl klopfte vor wenigen Monaten zum ersten Mal an, als meine Mutter meinte, dass wir generell einmal über Patientenverfügungen sprechen müssen. Allein die Vorstellung, dass sich der Ist-Zustand verschlechtert, es meinen Eltern nicht mehr gut geht, machte mich schon da ganz kirre.

Immer da!

Meine Eltern und ich sehen uns gar nicht so oft, aber sie sind trotzdem ziemlich feste Säulen in meinem Leben. Ich kann ihnen alles erzählen, sie fiebern und leiden mit mir, außerdem sind sie auch heute immer noch da, wenn ich praktische Hilfe im Alltag brauche oder in Not bin. Als ich vor wenigen Jahren einen schlimmen Abszess mit hohem Fieber hatte und völlig zerstört in meinem Bett lag, kamen sie in den sehr frühen Morgenstunden sofort und brachten mich zum Arzt. Es ist das Bedingungslose, das ich so sehr schätze.

Freiheit in so vielen Dingen

Das Schöne an unserer Beziehung ist auch, dass wir uns Freiheiten lassen. Dass wir uns nicht gegenseitig erdrücken. Ich bin sehr dankbar, dass ich nie Vorgaben beim Denken bekam. Meine Eltern erzählten mir früher beispielsweise nie, welcher Partei sie ihre Stimme geben. Obwohl wir morgens immer zeitungslesend zusammen frühstückten. Sie wollten stets, dass ich mir selbst eine Meinung bilde. Das hat funktioniert. Erst seit einigen Jahren reden wir offen darüber – und stellten fest, manchmal machen wir an der selben Stelle ein Kreuz, manchmal nicht.

Auch mal Diskussionen

Vor allem während der Flüchtlingskrise hatte ich viele Diskussionen mit meinem Vater. Aber dadurch habe ich auch wieder gelernt, dass es überhaupt nicht schlimm ist, anderer Meinung zu sein, es muss nur immer fair bleiben. Und als mir meine Mutter erzählte, dass mein Vater nach unserem verbalen Hin und Her in Gesprächen mit Freunden plötzlich auch meine Argumente anbrachte, platzte ich fast vor Stolz. Ich hatte ihn also doch in manchen Punkten überzeugt.

Karma!

Mein Mutter engagiert sich ehrenamtlich, mein Vater sagt, die höchste Maxime sei für ihn im Leben: Behandle jeden so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest. Ihre Art zu leben, finde ich toll und ich versuche, ähnlich durch den Alltag zu kommen, ehrlich und fair zu sein. Manchmal kracht es trotzdem oder gerade deshalb, aber ich versuche dann, nicht daran zu verzweifeln, sondern weiterzugehen und darauf zu vertrauen, dass das Karma schon alles regelt.

Die Zeit rast so schnell, in diesen Tagen ist mir wieder so sehr klar geworden, dass alles im ständigen Wandel, vergänglich ist – und ich die Zeit, in denen es uns allen in der Familie gut geht, so sehr schätzen muss. Jeden einzelnen Tag.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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