11. Juni 2017

Fernweh: “Traumhaftes Tel Aviv – ein Tag in Jaffa”

Kontraste in Jaffa

Es ist wie eine Reise in eine andere Welt: Als wir an unserem dritten Tag einen Spaziergang nach Jaffa starten, fallen uns schnell die Unterschiede an der Standpromenade auf. Je weiter wir vom Norden in den Süden Tel Avivs kommen, desto mehr Frauen tragen Kopftücher und liegen in langen Gewändern auf dem feinen Sand – während spärlich bekleidete Herren daneben auf dem Skateboard ihre Tricks üben. Ein Multi-Kulti-Strand sozusagen.

Turbulente Geschichte

Tel Aviv und Jaffa gehören inzwischen zusammen. Ursprünglich war Tel Aviv, das ja erst 1909 gegründet wurde, ein Vorort von Jaffa. Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass das Gebiet von Jaffa schon 3.500 vor Christus besiedelt war. 1945 setzte sich die Bevölkerung in Jaffa noch sehr bunt zusammen – von etwa 100.000 Menschen waren etwa 30.000 Juden, gut 53.000 Moslems und knapp 17.000 Christen. 1948 nahmen israelische Milizen Jaffa ein und vertrieben den größten Teil der Araber. 1950 wurden beide Städte zum heutigen Tel Aviv Jaffa vereinigt. Heute leben nur noch 46.000 Menschen dort, darunter 16.000 Araber.

Viele Mythen rund um die Hafenstadt

Es gibt unterschiedliche Annahmen, wie es zum Namen “Jaffa” kam. Eine davon geht so: Laut einer jüdischen Überlieferung gründete Jafet, Noahs dritter Sohn, die Stadt. Demnach wäre Jaffa sogar die älteste Hafenstadt der Welt.

Die Geschichte von Noahs Sohn ist nicht der einzige biblische Bezug: Auch Jona (der mit dem Wal) soll in Jaffa an Bord des Schiffs gestiegen sein, das kurz darauf in einen heftigen Sturm geriet und kenterte. Jona landete dadurch im Bauch des riesigen Tiers. Drei Tage und Nächte harrte er dort aus, bis ihn der Wal wieder ausspuckte.

Auch die griechische Mythologie bezieht sich auf die antike Hafenstadt. Am Kai ist nämlich der sogenannte Andromeda-Felsen zu sehen. Dort soll der Meeresgott Poseidon Andromeda gefangen und gefesselt haben. Ihr Geliebter Perseus konnte sie aber noch rechtzeitig retten, bevor sie geopfert wurde. Happy End.

All diese Geschichten erzählt uns unsere freundliche Reiseführerin gleich zu Beginn unserer Führung, für die wir uns nach unserem halbstündigen Strand-Spaziergang entschieden haben. Diese Free-Tour findet jeden Tag um 11 und 14 Uhr statt, eine Anmeldung ist nicht notwendig. Treffpunkt ist immer am Clock Tower.  

Kreuz und quer durch Jaffa

Mit unserer kleinen Reisegruppe sind wir insgesamt 2,5 Stunden unterwegs. Wir laufen an der Promenade entlang, über den Kdumim Platz und zum Hafen. Außerdem kommen wir am Haus des Gerbers Simon vorbei, einer antiken Ausgrabungsstätte, dem Park Gan HaPisgah und dem Franziskanerkloster St. Peter aus dem 17. Jahrhundert.

Super Shakshuka

In Jaffa pulsiert insgesamt das Leben. Es gibt samstags einen riesigen Flohmarkt, der jedoch ein wenig hektisch und sehr wuselig ist. Wir liefen so nur im Eiltempo vorbei und suchten uns ein Café, von denen es in Jaffa viele gibt. Dort tranken die Kellner bereits um 13 Uhr mit immens großen Plastik-Sonnenbrillen, die nahezu das gesamte Gesicht bedeckten, Schnaps mit den Gästen – die Stimmung war dementsprechend ausgelassen und verrückt.

Außerdem entdeckten wir zahlreiche Bars, Streetart, Boutiquen und Straßenmusik. Außerdem: Das Restaurant “Dr. Shakshuka”, das mir eine Freundin noch vor der Reise ans Herz legte. Dort probierten wir das gleichnamige israelische Gericht mit Paprika, Harissa-Paste und Ei. Das schmeckte okay, aber lässt sich wohl auch woanders gut essen. Insgesamt war mir Jaffa ein wenig zu hektisch und laut.

Shabbat Shalom

Als wir dann bei Sonnenuntergang langsam wieder Richtung Norden zurücklaufen, beginnt der Shabbat. Überall sind nun an der Strandpromenade Menschen beim Grillen zu sehen, vor allem arabische Menschen machen es sich gemütlich. Die Stimmung ist entspannt, Familien und Freunde sitzen zusammen, lassen den Tag ausklingen, während die Sonne im Meer versinkt. Ein wunderbarer Anblick.

Mehr zu Tel Aviv gibt es hier im ersten Teil nachzulesen: https://dieschreibmaschine.net/2017/05/15/fernweh-traumhaftes-tel-aviv/

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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