27. Juni 2017

Heimat: “Ein Abend in der Pop-up-Bar am Wasserturm”

4x Pop-up-Bar am Wasserturm

Pils, Crafter, Radler. Leere Bierflaschen reihen sich auf der Theke aneinander. Daneben stehen zahlreiche Gläser, ineinander gestapelt, noch mit Strohhalmen versehen, kleine Pfützen haben sich ganz unten an ihrem Bodenrand gebildet. „Oh, hier sieht es aus, als ob jemand eine Party gefeiert hätte“, kommentiert Marcel Böttner lachend, als er die massive Tür des Wasserturms öffnet und wir in das Innere eintreten. Es ist das erste Mal, dass der Organisator selbst nach der Eröffnung der Pop-up-Bar am vergangenen Freitagabend wieder auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof ist.

„Ich bin überglücklich, wie gut alles angelaufen ist“, sagt Marcel dann zu mir und strahlt. Punkt 1 Uhr waren alle alkoholischen Getränke weg. Ausverkauft. „Aber es gibt nun noch ein paar Dinge, die wir unbedingt an der Bar bis zum zweiten Abend verbessern möchten“, fügt er hinzu – und meint damit vor allem die langen Schlangen, die sich bei der Premiere bereits am frühen Abend vor der Theke bildeten.

Das sind Marcel und Saskia.

Gemeinsames Projekt von Stadtwerke-Kollegen

Hinter der Pop-up-Bar am Wasserturm steht eine Gruppe von etwa 15 jungen Menschen aus Karlsruhe, die sich alle über ihren Arbeitgeber, die Stadtwerke, kennengelernt haben. „Uns kam Anfang des Jahres die Idee, ein gemeinsames ehrenamtliches Projekt zu starten – unabhängig von den Stadtwerken“, erzählt Marcel, der auch Kopf des Teams ist.

Gemeinsam überlegten sie, was das sein könnte. „Einer aus unserem Team hatte Kontakte zu Friedrich Georg Hoepfner – dem Eigentümer des Geländes rund um den Wasserturm“, sagt dann Saskia, die nun noch zu unserem Gespräch gestoßen ist.

Hilfe für krebskranke Kinder

Seit 30 Jahren ist der 40 Meter hohe Turm außer Betrieb. Einst diente er dazu, Dampflokomotiven am Hauptbahnhof mit Wasser zu versorgen. Nun liegt das Gelände brach. „Wir bekamen die Genehmigung, es temporär zu nutzen und überlegten dann, was wir genau machen möchten“, sagt Saskia. Ein Festival? Ein Rave? Oder eine Pop-up-Bar? Die Entscheidung fiel auf Letztere. Konkret: vier Abende entspanntes Abhängen mit DJs in den Wochen zwischen dem Hoepfner Burgfest und Das Fest. Außerdem stand für das Team von Anfang an fest: Für den guten Zweck soll alles sein. „Der Gewinn fließt nun komplett an den Förderverein zur Unterstützung der onkologischen Abteilung der Kinderklinik am Städtischen Klinikum“, berichtet Saskia.

Vieles ist handgemacht

Sägen, bohren, schleifen: In den vergangenen Wochen hatte das Team am Feierabend und Wochenende viel zu tun. Die Sitzmöbel aus Paletten kreierten sie selbst, die gesamte Beleuchtung im Turm sowie drumherum mussten sie anbringen und außerdem eine Bar im Inneren bauen – zwischen Pumpen, Röhren und dem Wasserbehälter. „Das war ganz schön anstrengend, aber es hat uns als Team sehr eng zusammengebracht“, resümiert Marcel.

Learning by doing

Die Vorbereitungen liefen reibungslos, am vergangenen Freitag war alles fertig, die Sonne strahlte. „Dass der Andrang dann aber gleich am ersten Abend so groß sein wird, kam für uns ein wenig überraschend“, sagt Marcel. Die Konsequenz: Ein langer Rückstau an der Bar, der dann dadurch gemildert wurde, dass Friedrich Georg Hopefner und Stadtwerke-Chef Michael Homann mit einem Bierkasten durch die Menge liefen und Getränke verkauften.

Um so lange Schlangen am zweiten Abend zu vermeiden, möchte das Team nun die Arbeitsabläufe an der Theke besser verteilen und auch noch draußen mehr verkaufen. „Wir sind leider keine Gastronomie-Profis und hoffen, dass die Leute gerne wiederkommen und Verständnis haben, dass es am ersten Abend ein wenig holperte“, meint der Organisator.

Bevor nun am kommenden Freitag der Zaun am Gelände erneut geöffnet ist, heißt es aber erstmal, neue Getränke zu organisieren. „Und natürlich aufräumen“, sagt Marcel, lässt seinen Blick über das Chaos im Turm schweifen und beginnt, zu den leeren Bierflaschen zu greifen.

Info:

Die weiteren Termine der Pop-up-Bar am Wasserturm sind nun am kommenden Freitag, 30. Juni, und dann am 7. und 8. Juli. Immer von 19 bis 1 Uhr. Weitere Infos:
https://www.facebook.com/bar.wasserturm/

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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