19. Juli 2017

Kurioses: “Achterbahn”

Gestatten: Sad Saturday

Hereinspaziert: Sad Saturday

Vor einigen Wochen hatte ich einen Sad Saturday, völlig unvorhergesehen kam er vorbei, durchkreuzte meinen Alltag und brachte mich gehörig durcheinander.

Der Grund: Eine Freundin hatte mir kurzfristig abgesagt. Sie war krank geworden, das hieß für sie: wunderschöner Sommertag ade, hallo Bett. Für mich: Abendplanung futsch. Aber sowas passiert. Manche Pläne gelingen, manche scheitern. Manchmal kann man da einfach nix machen. Und eigentlich macht mir das Alleinsein auch gar nichts aus. 

Noch alle Tassen im Schrank? Sicher!

An gewöhnlichen Tagen kann ich mich stundenlang mit Schreiben und Lesen beschäftigen und liebe es, mich kreuz und quer durch Netflix zu klicken, erst qualifizierte Dokus zu schauen, dann einfach zu „Fuller House“ zu wechseln – ohne mich bei jemandem rechtfertigen oder erklären zu müssen.

Nur an diesem einen Samstag knallten irgendwelche Synapsen durch. Ich mutierte zu Bridget Jones. Nie hätte ich das für möglich gehalten. Aber es war fast genauso wie in diesem Blockbuster. Ich saß da auf meiner Couch, Schokolade auf dem Bauch, den Rotwein daneben, schaute „Harry und Sally“ zu, wie sie sich nach vielen Jahren der Irrungen und Wirrungen finden. Natürlich mit Happy End und ganz schön viel Kitsch.

Nur bei mir kam an diesem Abend keine Romantik auf. Ich blies im Halbdunkel Trübsal wie Bridget und haderte – lediglich die qualmenden Zigarettenkippen fehlten. Ich fluchte, sah nur noch, was in meinem Leben fehlt und gar nicht mehr, wie viel ich eigentlich habe. Meine Stimmung wechselte zwischen tiefem Selbstmitleid und ganz schön viel Wut – auf alles.

Der nächste Sonntagmorgen machte es nicht besser. Die Sonne knallte wunderschön auf meinen Balkon, ich saß dort mit meinem Kaffee in der Hand und dachte nur in Dauerschleife: man man man man. Was ist das für ein verrücktes Leben?

Limo und Leviten

Wahrscheinlich wäre aus diesem Sonntag auch ein Sad Sunday geworden, hätte ich nicht so eine wunderbar weise Freundin, die mich abends auf den Werderplatz schleppte und mir bei Limonade die Leviten las.

Mensch, Miriam

Sie sagte: „Mensch, Miriam. Erstens: Ich mache immer gerne was mit dir. Zweitens: Unternimm doch an solchen Tagen einfach alleine was, geh raus, hänge nicht den ganzen Tag in der Wohnung ab. Im Urlaub machst du auch Dinge ohne Freunde, warum nicht in Karlsruhe?!“

Wie ein MOF

Ich kam ins Überlegen. Ja, warum eigentlich nicht? Hmmm, die Gedanken purzelten durcheinander, sortierten sich: In anderen Städten ist man anonym, in Karlsruhe bestünde die Gefahr, dass man mich als  „Mensch ohne Freunde” wahrnimmt. Ein MOF. Herrje. Diese Beschreibung würde mir noch fehlen.

Aber schon während ich redete, merkte ich, dass die Gedanken Unsinn sind. Dass sich wohl kein Mensch dafür interessiert, ob ich alleine oder mit Begleitung im Kino bin. Und wenn doch, es vielmehr eine Frage der Haltung ist. Liefe ich gebückt und unsicher in das Foyer, am besten noch mit Trenchcoat und Nasenbrille, ja, dann könnte man denken, irgendwas stimmt mit dieser Dame nicht. Aber ansonsten: nein. Keine MOF-Gefahr.

Ein Date mit mir

Je länger ich darüber nachdachte und wir darüber redeten, desto mehr verschwand die Traurigkeit Ja, warum nicht auch hier alleine ins Museum, ins Café, in die Kneipe oder aufs Konzert. Ohne Blabla. Ohne Smalltalk. Und immer nur solange, wie ich tatsächlich Lust habe. Nicht nur als Reaktion auf fehlende Begleitung, sondern einfach auch so. Ein Date nur mit mir.

Vor einigen Wochen hatte ich einen Sad Saturday, völlig unvorhergesehen kam er vorbei, durchkreuzte meinen Alltag und brachte mich gehörig durcheinander. Ich bin froh, dass er da war, nun ist mir wieder klar, dass ich ja immer mich habe und von niemandem abhängig bin, um irgendwas zu unternehmen. Ein tolles Gefühl der Freiheit. Bye-bye, Sad Saturday.

One thought on “Kurioses: “Achterbahn”

  1. Julian sagt:

    … und wenn Dich das nächste mal der Bridget-Jones-Effekt überkommt – hier mein persönlicher Musikvideo-Tipp:

    https://youtu.be/n5qJHtGScts

    Melancholische Grüße

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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