24. Juli 2017

Melodien: “Das Fest 2017 in Karlsruhe”

Das Fest 2017: Kein Feuerwerk für mich!

Ausgewählt statt das volle Programm: Dieses Jahr wollte ich mir eigentlich nur Amy MacDonald bei „Das Fest“ anschauen. Ihr erstes Album „This is the Life“ hatte mich 2008 durch meine letzten Uni-Monate getragen, die Texte von „Poison Prince“ oder „This is the Life“ sind noch immer Zeile für Zeile fest in meinem Kopf. Ihr Auftritt deshalb am Sonntagabend: Pflicht.

Ansonsten wollte ich „Das Fest“ meiden. Mir ist es inzwischen viel zu voll, zu hektisch, zu anstrengend. Nur dann hatte eine Freundin noch eine Karte für Samstag übrig. Okay, also dann doch noch Feine Sahne Fischfilet und Sido. Eine illustre Mischung an Musik. Wirklich mitgerissen hat mich am Ende aber nichts. Hier nun drei Kurz-Kritiken.

Feine Sahne Fischfilet

„Danke AfD und CDU für die kostenlose Promo“, hallt es von Sänger Jan „Monchi“ Gorkow gleich zu Beginn von der Bühne hoch zum Hügel. Schließlich hatte deren Forderung, die linke Punk-Band aus Mecklenburg-Vorpommern vom „Fest“-Programm auszuschließen, für rege Diskussionen gesorgt – und Feine Sahne Fischfilet letztlich viel Aufmerksamkeit gebracht.

Die “Fest”-Veranstalter ließen sich glücklicherweise davon nicht beeinflussen; und so steht die Band am Samstag um 19 Uhr auf der Hauptbühne, beginnt friedlich, singt händereichend „Mit dir“ und musiziert die nächsten 75 Minuten vor sich hin.

Während Frontmann Monchi bereits nach dem ersten Song völlig verschwitzt ist und die Fans in den ersten Reihen zu den Trompeten- und Gitarrenklängen mit Freude tanzen, kommt bei uns oben auf dem Hügel nicht viel Stimmung an. Die Energie verpufft von Reihe zu Reihe. Ein Lied folgt dem nächsten, das ist alles okay, klingt melodiös, aber irgendwie bleibt nichts hängen – außer „Komplett im Arsch“, was ich aber auch schon oft gehört habe. Ein Auftritt, der nicht wehtut und nett ist, aber irgendwie auch nicht mehr.

Sido

Maske, plakativer Puma-Pulli, schwarz-weiß gemusterte Hose: Sido kommt als Hop-Hop-Künstler und verwandelt sich dann mittels Sonnenbrille und grau-melliertem Hipster-Bart nicht nur musikalisch zum Pop-Sternchen.

Seit Jahren habe ich mich nicht mehr mit Sido auseinandergesetzt, in meinem Kopf schwirrten tatsächlich noch Songs wie “Mein Block” oder “Carmen” – schlichtweg hatte ich bis zu diesem Abend verdrängt, dass es ja auch schräge Hits wie “Augen auf” von ihm gibt oder “Der Himmel muss warten”.

Puuh.

Nun kenne ich auch “Gürtel am Arm”. Ein Lied über einen Drogenabhängigen mit ausgefeilten Textstellen wie: “Er ist süchtig und er drückt sich glücklich.”

Puh. Puh. Puh.

Und warum muss auch dieser armer Kerl Kevin heißen? Mehr Klischee geht nicht.

Aber es hätte mich nicht überraschen dürfen. Sido macht seit Jahren Songs mit Adel Tawil und Andreas Bourani und räumt selbst ein, kein Gangster, Killer oder Dieb zu sein, sondern „ein Junge von der Straße” – von einer sehr vornehmen inzwischen. Verheiratet mit einem blonden TV-Sternchen, mehrere Kinder, taucht er bei Christian Ulmen in TV-Serien auf und lebt in einer fancy Villa. Roter Teppich statt grauer Asphalt: Nix mehr mit deepen Geschichten, die er selbst erlebt – stattdessen erzählt er in seinen Songs oberflächliche und platte Erlebnisse von Prostituierten und dem Untergang der Welt. Das ist Pop vom Feinsten. Da wirkten Joint und Wodka auf der Bühne wie ein großes Theater.

Dennoch, bei aller Kritik: Sidos Show ist durchdacht. Das Gesamtkonzept stimmt, die Übergänge sind kreativ, Sido bezieht das Publikum mit ein und ganz schön viele Menschen haben Spaß. Am Ende funkelt der “Fest”-Hügel. Sido, der Showstar.

Amy MacDonald

Groß war die Vorfreude, die Enttäuschung ebenfalls: Bei Amy springt an diesem Wochenende der Funke nicht mehr so richtig übrig – trotz Glitzerregen und farbigen Papierstreifen, die sich während ihres Auftritts auf dem Fest-Publikum verteilen. Ich hatte es befürchtet. Viel zu sehr liebe ich ihre ersten beiden Alben, bin vom dritten schon enttäuscht gewesen, konnte das vierte nun nicht mal mehr zu Ende hören. Zu seicht, zu banal, zu trivial. So schwankt auch meine Stimmung während des Konzerts.

Stimmt Amy ihre alten Hits wie “Don’t tell me that is over”, “Let’s start a Band” oder “Youth of today” an, bin ich voll da. Klimpert sie dagegen Lieder von ihrem neuen Album, schwebt meine Aufmerksamkeit weg, weit weg. Amy, inzwischen selbst fast 30 Jahre alt, erwachsener, mit zahlreichen Tattoos versehen und rockig-chic erst mit schwarz-weißem Jackett, dann mit blinkendem T-Shirt, hat konträr zu ihrem Aussehen musikalisch ihre Kanten verloren. Ihre neuen Popsongs sind ohne Tiefe und Individualität, das ist Bubblegum-Sound fürs Radio. Schade.

2 thoughts on “Melodien: “Das Fest 2017 in Karlsruhe”

  1. Julian sagt:

    Wenn ich gehässig wäre würde ich sagen, dass das die Melodien einer Stadt ist, die selbst außerstande ist sich ein unverwechselbares Profil zu geben und eine Welle des Mainstream nach der anderen reitet.
    Reifer, erwachsener ist es jedoch sich selbst zu fragen was man zum Leben seiner Stadt beiträgt. Hierzu bedarf es Mut, Ausdauer und eine paar Gleichgesinnte, die die selbe Leidenschaft teilen.
    Ich finde dein Blog gehört zur letzteren Rubrik.

    Einen schönen Restsommer noch!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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