22. August 2017

Heimat: “The Great Graphic Boom” in der Staatsgalerie Stuttgart

Schimmelkäse und Olive

Lachs, Marmelade, Diät-Drinks: Ed Ruscha hat eine ganz besondere Vorliebe. Der Künstler aus den USA experimentiert bei seinen Arbeiten gerne mit Lebensmitteln. Bei seinem Siebdruck „Green Cheese Mold Standard with Olive“ dominieren die pastellgrünen und ins Türkis gehenden Töne, hinterlassen einen leicht bedrohlichen, fahlen Eindruck, besonders in Kombination mit den Tankschläuchen, die wie Henkerschlingen von den Zapfsäulen baumeln. Die Tankstelle wirkt verlassen, droht die Apokalypse, ein Atom-Krieg?

„Green Cheese Mold Standard with Olive“ ist eine von etwa 200 Graphiken, die noch bis 5. November in der Sonderausstellung „The Great Graphic Boom“ in der Sterling-Halle der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen sind. Sie vereinen unterschiedliche Stilrichtungen der amerikanischen Druckgraphik von 1960 bis 1990 von 22 verschiedenen Künstlern. Darunter sind unter anderem Pop-Art-Arbeiten von Andy Warhol, Roy Lichtenstein sowie Abstrakter Expressionismus von Jackson Pollock. Dank der Veranstaltung #museumsbande, einer gemeinsamen Aktion von elf Karlsruher und Stuttgarter Museen, bekam ich einen Einblick in die bunte und sehr interessante Ausstellung.

Eingangsbereich der Sterling-Halle der Staatsgalerie Stuttgart.

Protest und Politik

In „The Great Graphic Boom“ spielen die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle. Der Kalte Krieg, die Angst vor der Atombombe, aber auch die glamouröse Welt der Hollywoodstars und die Hippie-Bewegung prägten das Leben der Menschen in den USA – und auch das Denken und Schaffen der Künstler. Die Druckgraphik eignete sich für sie perfekt, politische, religiöse und soziale Umwälzungen in der Gesellschaft aufzugreifen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich die deutschen Expressionisten dieser Technik gewidmet – sowie Paul Gauguin, Edvard Munch und Pablo Picasso.

Ein vermeintlicher Pollock

Ein Werk sorgte für besondere Verwirrung in der Staatsgalerie Stuttgart. Kuratorin Nathalie Frensch zeigt es uns als eines der ersten. „Ohne Titel. Anonymer Künstler nach Jackson Pollock. Number 17“ steht auf dem kleinen Quadrat neben der Lithografie. „Wir haben es eigentlich als Pollock angekauft“, erzählt sie. Dann stellte sich in Rücksprache mit der Pollock Foundation jedoch heraus, dass es sich bei dem Werk mit den schwarzen Tropfen gar nicht um einen Pollock handelt – unter anderem sei der silberne Rand singulär, hieß es. Von wem es dann ist? Bislang gibt es darauf keine Antwort.

Und natürlich: Warhol und Lichtenstein

Selbstverständlich auch noch bis 5. November in der Sterling-Halle der Staatsgalerie vertreten: Werke von Andy Warhol, der in seinen frühen Schaffensjahren gerne Hollywood-Stars wie Marilyn Monroe und Menschen des öffentlichen Lebens in seinen Arbeiten zeigte. Darunter: Jackie Kennedy. Kuratorin Nathalie Frensch erzählt uns, dass Andy Warhol nach dem Attentat auf den Präsidenten Fotografien von der Witwe sammelte, die in Zeitungen und Magazinen erschienen – und diese dann als Vorlage für seine Werke nahm. Außerdem in der Ausstellung zu sehen: die Dosen aus der Campell’s-Soup-Serie.

Einer der ersten Pop-Art-Künstlern war Roy Lichtenstein. Er begann 1961, Motive aus Comics und Zeitungsannocen zu entnehmen, erzählt uns Nathalie Frensch. Charakteristisch für Roy Lichtensteins Arbeiten: regelmäßig gesetzte Punkte, die den Effekt von überdimensionierten Rasterpunkten haben. In der Ausstellung in Stuttgart zu sehen, sind unter anderem „The Melody Haunts my Reverie“ und „Sweet Dreams, Baby!“. Aber auch die Landschaftsdarstellung „Sunrise“.

„The Great Graphic Boom“ ist eine Ausstellung, die facettenreich, interessant und sehr kurzweilig ist. Ein Ausflug nach Stuttgart lohnt sich sehr.

 

One thought on “Heimat: “The Great Graphic Boom” in der Staatsgalerie Stuttgart

  1. Simone sagt:

    …die Ausstellung wurde übrigens bis zum 19.11. verlängert. Ich war heute da und bin froh, sie nicht verpasst zu haben. :)
    Liebe Grüße aus Stuttgart

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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