5. September 2017

Kurioses: “whatsapp”

Milieu-Studie über whatsapp

Nachrichten schreiben ist eines meiner liebsten Hobbys. Vorrangig über whatsapp. Mr. Zuckerberg muss einen ganz guten Einblick in mein alltägliches Chaos haben. Manchmal stelle ich mir vor, wie er gerade meine Nachrichten mitverfolgt und sich wieder denkt: Mensch, Mensch, Mensch, was ist denn bei dieser Dame schon wieder los?! Dieser Trubel reicht ja für drei weitere Leben.

Seit meine Eltern nun auch whatsapp haben, betreibe ich nebenbei noch eine Milieu-Studie, mein Soziologie-Studium ging eben doch nicht ganz spurlos an mir vorbei. Meine Erkenntnis: Was es bei whatsapp zwischen den Generationen für Unterschiede gibt – ich bin beeindruckt.

On fire!

Alles begann an Weihnachten: „Mama, Papa, ihr müsst euch whatsapp zulegen“, teilte ich meinen Eltern mit, als wir über die Weihnachtsfeiertage beim Italiener saßen. Kurz zuvor war ich im Urlaub gewesen, hatte allen Freunden und Bekannten Bilder über diese App geschickt, nur bei meinen Eltern ging das nicht, da musste es immer eine Email sein – mit Anrede und Verabschiedung. Eine leere Nachricht nur mit Foto-Anhang, nicht vorstellbar, die Irritation wäre unendlich.

„Ich könnte euch schneller und mehr Bilder mit whatsapp schicken“, erklärte ich ihnen. Sie nickten. Wenige Wochen später piepste mein Handy. Eine Nachricht von Mama. Sie habe hiermit whatsapp, schrieb sie mir. „Super“, antwortete ich ihr. Wie versprochen schickte ich ihr von nun an Bilder, vom Kurztrip nach Hamburg oder Pullis, die ich mir zu Geburtstag wünschte.

Es dauerte nur wenige Wochen und meine Mutter hatte sich mit der App hervorragend arrangiert, nein stopp, das ist untertrieben, sie war komplett begeistert. Sie schickte mir nun selbst Fotos und nutzte die Smileys in sehr ausgiebiger Weise. Ich staunte. „Wow“, dachte ich. „Mama ist voll dabei.“

Endlich Gefühle!

Ich erzählte meinen Freunden davon, sie begannen schallend zu lachen, nickten mitfühlend und begannen zu erzählen – und mir ihre whatsapp-Verläufe zu zeigen. Eine Freundin präsentierte mir beispielsweise die Nachrichten von ihrem Vater, ein sehr wortkarger Mann, der nun plötzlich durch whatsapp einen Weg gefunden hat, seine Gefühle ihr gegenüber zu transportieren – mittels Smileys mit Herzaugen und welchen, die Küsschen geben.

Eine andere Freundin zeigte mir den Favorit ihrer Mutter: lachende Pferde mit riesigem Maul. Zu sehen auf Fotos und sogar in einem Video. Kurios.

Ich hörte mich weiter um, stieß auf immer verrücktere Sachen. Ein Freund zeigte mir Bilder, die von seinem Vater kamen. Ich blickte staunend auf das Handy. Wow, wow, wow. Bei dem Schwiegervater einer Freundin hatte sich auf einem Röntgenbild ein Vogel im Kopf verirrt. Was ist denn da los?

Das Flirten verpasst

Aber nicht nur bei der Generation Ü60 bin ich raus. Auch bei den U25-Jährigen überfordert mich die Kommunikation via whatsapp an der ein oder anderen Stelle.

Da sind zum einen die vielen Abkürzungen. Was „kk“ bedeutet, hatte ich schnell herausgefunden. Bei „XOXO“ hatte ich nicht die Muße, mich darum zu kümmern – und war dann sehr überrascht, als ich es irgendwann zufällig mitbekam und in Verbindung zu dem Herrn setzte, der mir das ständig geschickt hatte. Seine Flirtversuche hatte ich dadurch schlichtweg nicht mitbekommen.

Woher kommt das “i”?

Auffallend außerdem: Die „i“-Endungen. Von Männern über 30 Jahren bekam ich noch nie ein: „Guti“ oder „Nachti“ geschickt. Eher ein “N8”. Von Jüngeren sehr wohl. Woher kommt diese „i“-Affinität in den Zwanzigern? Kann mir das vielleicht noch jemand beantworten, diese Erklärung fehlt mir bislang vollkommen.

Morgendliche Erheiterung

Am interessantesten finde ich aber diese Sprachnachrichten, die ich – zumindest in beabsichtigter Form – nur von Menschen u28 bekomme. Der absolute Sprachnachrichten-Gewinner ist ein 23-jähriger Herr, der in der tiefsten Nacht an mich hatte denken müssen. Wie ich mir da so sicher sein kann? Nun ja, als ich vor geraumer Zeit morgens aufwachte, hatte ich eine Sprachnachricht von ihm. Zwei Minuten lang. Aufgenommen um 4.38 Uhr.

Ich war zunächst irritiert. Was will der denn von mir? Ich drückte auf Play. Was dann folgte, rettete mir den Tag – und den meiner Freundinnen, denen ich diese Nachricht weiterleitete (sorry, lieber 23-Jähriger, ich konnte nicht anders). „Hallo Miriam, mit meiner Freundin ist nun Schluss“, flöte er vor sich hin. Nun wolle er sein Studium schmeißen, Psychologie studieren, ein Buch schreiben – und sich unbedingt mit mir treffen…. „Guti“, hörte ich zum Schluss, bevor seine Stimme erlosch. Ich lachte erst, antwortete dann höflich, nur mit Text, ohne Stimme.

Nachrichten schreiben ist eines meiner liebsten Hobbys. Vorrangig über whatsapp. Mr. Zuckerberg muss einen ganz guten Einblick in mein alltägliches Chaos haben. Manchmal stelle ich mir vor, wie er gerade meine Nachrichten mitverfolgt und sich wieder denkt: Mensch, Mensch, Mensch, was ist denn bei dieser Dame schon wieder los?! Dieser Trubel reicht ja für drei weitere Leben.

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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