30. Oktober 2017

Fernweh: “Grey Glasgow”

Wo bist du?

Kurze Aufregung. Der Start in Glasgow verläuft ein wenig turbulent. Während ich mit dem Zug am Bahnhof „Queen Street“ ankomme, landet meine Freundin, die von London anreist, am Hauptbahnhof – irrtümlicherweise gingen wir fest davon aus, dass wir am gleichen Bahnhof sein werden. So stehen wir aber in unterschiedlichen Empfangshallen und suchen einander. Vergeblich.

Nicht mal unsere Smartphones können helfen. Der Handy-Akku meiner Freundin ist leer. Meine Anrufversuche enden so im Nirvana. Und nun? Wir greifen zurück zu konservativen Kommunikationsmitteln. Das heißt: auf das direkte Gespräch mit Bahnhofsangestellten. So erfahren wir, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, um mit Fernzügen nach Glasgow zu kommen. Und während sie intuitiv am Hauptbahnhof bleibt, ziehe ich mein Gepäck einmal quer durch die Fußgängerzone und finde sie endlich.

Juhu, geschafft, nun können wir weiter zusammen nach Dennistoun fahren – in dem Stadtteil im Eastend von Glasgow werden wir die nächsten 2,5 Tage wohnen.

Prachtbauten vs. Leerstand

Glasgow hat viele verschiedene Phasen hinter sich: Während im 18. Jahrhundert dort der Tabakhandel blühte und der Stadt Wohlstand brachte, gab es Anfang der 1970er-Jahre eine große wirtschaftliche Krise. Die Arbeitslosigkeit wuchs immens an – die Stadt hat sich inzwischen zwar wieder ein wenig davon erholt, aber die Hoffnungslosigkeit des 20. Jahrhunderts und der Wohlstand zuvor spiegeln sich im Stadtbild wider.

Regen statt Sonne!

Auch die Unterschiede zu Edinburgh werden sichtbar, als wir nur wenige Hundert Meter durch Dennistoun laufen. War Edinburgh nahezu durchgehend klassisch schön, voller edler Häuser und Geschäfte, stehen hier viele Gebäude leer oder trostlos nebeneinander. Vielleicht liegt es daran, dass in Edinburgh fast die ganze Zeit die Sonne schien, und es in Glasgow dagegen sehr verregnet ist, die Stimmung ist auf jeden Fall eine komplett andere – besonders im Eastend.

Jedoch, wie sich in den nächsten Tagen zeigen wird: Glasgow glänzt auf dem zweiten Blick. Schottlands Hauptstadt hat unfassbar viel Charme, Kultur und spannende Ecken. Sie begeistert mich letztlich noch mehr als Edinburgh.

Hallo Gentrifizierung!

In unserem Viertel Dennistoun wohnen viele Menschen, die mit dem Leben kämpfen. Wir sehen mitten am Tag zahlreiche Frauen und Männer, die mit Hunden durch die Straßen laufen – sie sehen müde, kaputt und blass aus. Aber die Gentrifizierung hat bereits begonnen. Es ist deshalb eine bunte Mischung, die uns rund um unsere tolle Airbnb-Unterkunft erwartet: Heruntergekommene Pubs und schräge Sozialläden, neben kleinen Bäckereien, in denen junge Frauen selbstgebackene Köstlichkeiten und leckere Salate verkaufen. Außerdem gibt es einen gehypten Inder, der völlig überlaufen ist – aber zurecht, das Essen ist sehr lecker: nakodargrill.com

Tolle Airbnb-Unterkunft!

Mit unserer Airbnb-Unterkunft haben wir großes Glück. Es ist eine hübsche Altbau-Wohnung, die ein wenig wie eine Mini-WG konzipiert ist. Außer unserem Zimmer gibt es noch zwei weitere, in denen Reisende wohnen – während wir da sind, sind es zwei Frauen aus Hamburg und ein Paar aus Spanien. Küche, Bad und Wohnzimmer nutzen wir gemeinsam. Der Preis für die sehr saubere Unterkunft ist perfekt. Wir bezahlen 23 Euro pro Person und pro Nacht. Je nach Monat ist es sogar noch günstiger: Airbnb Glasgwo

 

Nekropole – Kathedrale – Merchant Square

An unserem ersten Tag entscheiden wir uns für einen Spaziergang: Wir laufen vom Eastend ins Zentrum. Unter anderem kommen wir an einer Brauerei vorbei, erkunden die Nekropole und sehen die große gotische Kathedrale von weit weg sowie von ganz nah. Dann geht es weiter Richtung Stadtmitte. Wir schauen unter anderem in den Merchant Square, einen überdachten Hof, in dem sich Cafés und Restaurants befinden. Dort ist es aber unpersönlich und die Atmosphäre erinnert eher an eine Mall.

“The future is now”

Spannend ist es, in Glasgow einfach mit offenen Augen durch die Straßen zu laufen. Es gibt wunderbare Streetart und entlang des Clyde-Ufers stehen futuristische Gebäude.

Auf den Spuren von Charles Rennie Mackintosh

Einen kompletten Tag widmen wir Charles Rennie Mackintosh. Der Künstler und Architekt hat zahlreiche Gebäude in Glasgow entworfen. Gemeinsam mit seiner Frau, Margaret Macdonald, prägt er so das Stadtbild der schottischen Hauptstadt sehr. Unter anderem besuchen wir das Mackintosh-Haus, in dem das Ehepaar zusammen gelebt hat. Es befindet sich bei der Universität und direkt neben der Hunterian Art Gallery. Fotos dürfen wir keine machen. Es ist aber sehr schick dort, wobei der Eintritt mit fünf Pfund für die wenigen Zimmer ein wenig übertrieben ist. Danach laufen wir zur Glasgow Art of School, dem bedeutendsten Werk des Architekten. Es wurde jedoch 2014 durch ein Feuer zerstört und soll erst 2018 wiedereröffnet werden. Wir trinken in der offenen Kantine aber einen Gin Tonic.

Über den Dächern Glasgows

Sehr sehenswert ist auch die Ausstellung im Lighthouse über das Schaffen von Mackintosh. Der Eintritt ist dort frei. Außerdem lohnt es sich, die zahlreichen Stufen des ehemaligen Turmes hochzusteigen. Die Aussicht auf Glasgow ist beeindruckend.

Schmucker Secondhandladen

Vintage, Vintage, Vintage. Was uns an Glasgow besonders gut gefallen hat, sind die zahlreichen Secondladen. Sehr empfehlenswert ist Mr. Ben in der 101 King Street. Wir stehen keine zwei Minuten im Laden und haben schon unzählige Schmuckstücke entdeckt. Es ist ein Traum, dort einzukaufen.

Letztlich bleiben in Glasgow noch soviele Dinge, die wir gerne gemacht hätten, aber die Zeit reichte letztlich nicht für die zahlreichen Museen und weiteren interessanten Gebäude. Dennistoun war auf jeden Fall die perfekte Wahl zum Wohnen. Allein wegen der kleinen Bäckerei gegenüber unserer Unterkunft und der spannenden Einblicke, die wir auf der Straße hatten. Nun hieß es aber wieder: Koffer packen. Der Highland Express und die Isle of Skye warteten.

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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