1. Dezember 2017

Heimat: “Spätjahresputz”

Tschüss!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. 2017 war ein besonderes Jahr: Ich habe mal gründlich ausgemistet. Nicht etwa meine Wohnung und meinen Kleiderschrank. Nein, meinen Freundeskreis, es war dringend notwendig.

Wird alles anders

Dass ich mich in den vergangenen Monaten aktiv von Menschen gelöst und sie ziehen gelassen habe, war keine spontane Entscheidung, sondern ist nur das Ende eines Prozesses, der bereits vor vier Jahren begann.

Anfang 2013 änderte sich mein Leben schlagartig. Ich wurde ernsthaft krank. Innerhalb weniger Wochen war mein Leben komplett auf den Kopf gestellt – den Alltag überhaupt noch irgendwie bewältigen zu können, war eine Herausforderung, an der ich an vielen Tagen nahezu verzweifelte. Auch das Partyleben war schlagartig vorbei, alles Unbekümmerte futsch, das einzig Gute war, mein Vorsatz endlich mit dem Rauchen aufzuhören: kein Problem mehr.

Als mir meine Ärztin sagte, dass es lange dauern wird, bis ich wieder gesund bin, es viel Geduld und Zuversicht braucht, brach für mich selbst eine Welt zusammen. Ich war damals Single, wohnte alleine und war plötzlich auf andere angewiesen. Meine Freunde ständig um Hilfe bitten zu müssen, ein Zustand, der mich selbst unglaublich belastete.

Es war eine harte Bestandsprobe – auch für meine Freundinnen. Sie mussten ständig Rücksicht auf mich nehmen und wenn sie mich fragten, wie es mir geht, kamen lange Zeit nur Hiobsbotschaften, Schnell war klar, wer mit mir diesen Weg geht und wer sich einfach ausklinkt,

Es ist eine Chance!

Vor einigen Tagen bin ich in einem Magazin über folgenden Satz gestoßen: “Manchmal ist ein schwerer Zusammenbruch nötig, damit ein unbestreitbarer Durchbruch gelingen kann.” Die bejahenden Ausrufezeichen, die in meinem Kopf aufblitzten, waren unendlich.

Denn die Zeit, in der ich gezwungen war, mich auszuruhen und mich zu schonen, bot mir auch Gelegenheit, gründlich nachzudenken. Was möchte ich überhaupt von diesem Leben? Was ist mir wichtig? Wer tut mir gut?

2017 ist meine Energie zurückgekehrt, nur mein Rücken hat noch nicht zu alter Stärke gefunden. Irritiert erzählte ich meiner Ärztin im Frühjahr davon, dass er sich immer verzieht, wenn ich mich in bestimmten Situationen befinde. Das dann so unangenehm ist, dass ich oft einfach nur nach Hause möchte. Meine Ärztin lachte und meinte: “Sehen Sie das doch als Chance und nicht als Belastung, Ihr Rücken zeigt Ihnen, was Ihnen gut tut und mit wem sie tatsächlich gerne Zeit verbringen.”

Ein Hoch auf den Tiefgang

So beschloss ich, das tatsächlich als Bereicherung zu sehen. Bis zum Herbst spürte ich bei jedem Treffen und bei Telefonaten genau hin. Wann ist mein Rücken gut, wann nicht? Dann setzte ich mich an einem Wochenende hin und schrieb all die Menschen auf, die Teil meines Lebens sind. Ich mag Kontinuität, ehrliche Gespräche und Tiefgang. Mit wem ist das möglich? Ich fragte mich bei jedem Einzelnen: Warum bin ich mit ihm befreundet, mag ich diesen Menschen tatsächlich oder verbinden mich mit ihm lediglich Sentimentalitäten. Außerdem: Wer ist in der Not da? Wer knipst mich nur an, wenn er Single ist, wird dann aber wieder unsichtbar, wenn er in einer Beziehung landet?

Ohne Groll und Gram

Ich begann so nach und auszumisten – und es tat unglaublich gut. Es ging alles ohne Groll und Gram vonstatten. Ich ließ einfach los. Und es blieben einige Menschen übrig. Als mir klar wurde, wie viele tolle Freundinnen ich an meiner Seite habe, entstand eine so große Dankbarkeit in mir, dass ich schier platzte – denn mit ihnen an meiner Seite kann kaum etwas schief gehen, mit ihnen kann ich selbst den chaotischten Stürmen im Leben trotzen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. 2017 war ein besonderes Jahr: Ich habe mal gründlich ausgemistet. Nicht etwa meine Wohnung und meinen Kleiderschrank. Nein, meinen Freundeskreis, es war dringend notwendig

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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