27. Dezember 2017

Heimat” Ein Nachmittag mit Johanna Wohlgemuth”


Aus Gedanken werden Worte

Selbst nachts hat Johanna Wohlgemuth ihr Notizbuch immer griffbereit. Wenn im Halbschlaf ihre Gedanken kreisen, plötzlich eine neue Idee für ihren Roman entsteht, schaltet sie schnell die Nachttischlampe an, greift zum kleinen Buch mit farbigem Einband – und zum Kugelschreiber. Aus Gedanken werden Worte. “Ich muss einfach schreiben, ich habe gar keine andere Wahl”, erzählt mir die 29-Jährige, als wir uns an einem kalten Vorweihnachtstag in einem Café in Karlsruhe treffen. “Mein Kopf würde sonst platzen.”

Johanna und ich sind uns zum ersten Mal begegnet, als ich im vergangenen Jahr für den Blog über “beschriftet” schrieb. Die 29-Jährige ist Gründungsmitglied dieser Literatengruppe, die regelmäßig in Karlsruhe Lesungen hält. 2017 hat Johanna nun auch einige Veranstaltungen alleine bestritten. Der Anlass: Die Veröffentlichung ihres ersten Romans “Frau Schnieder kehrt heim”, der beim Gorilla Verlag erschienen ist.  

Sachlich und ohne Kitsch

Ohne Kitsch, ganz nüchtern und aufs Wesentliche konzentriert: Der Roman ist im Stil der Neuen Sachlichkeit verfasst, erzählt sie mir. Die Idee zur Geschichte um eine Frau, die zwischen den beiden Weltkriegen aus der Psychiatrie entlassen wird und ihren Weg zurück in den Alltag sucht, kam ihr während ihres Studiums am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – dort machte Johanna Wohlgemuth zunächst ihren Bachelor in Germanistik, dann ihren Master in Europäische Ideen- und Kulturgeschichte. “Vor allem Werke von Hans Fallada haben mich für den Roman inspiriert”, sagt sie.

Dass “Frau Schnieder kehrt heim” beim Gorilla Verlag erschienen ist, passt perfekt, sagt die Autorin. Denn dort steht “Auf die Fresse”-Literatur im Mittelpunkt, also Geschichten aus dem wahren Leben, die auch mal ohne Happy End sind.

Der Traum vom eigenen Buch: check!

Bereits seit ihrer Kindheit schreibt Johanna Wohlgemuth, die im Ruhrgebiet aufgewachsen ist. Zunächst Gedichte, dann Kurzgeschichten. “Als ich in der Oberstufe war, wollte ich dann etwas Längeres ausprobieren”, erinnert sie sich. Der Wunsch, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, kam auf. Mit “Frau Schnieder kehrt heim” ist er nun in Erfüllung gegangen. Damit historisch alles korrekt ist, verbrachte sie viel Zeit in der Bibliothek, wälzte alte Zeitungen und Bücher.

Ein gutes Jahr

2017 war ein gutes Jahr. Für ihre Kurzgeschichte “Der Mädchenbeißer” bekam Johanna Wohlgemuth den Fränkischen Krimipreis, beim Kurzgeschichten-Wettbewerb des Corona-Magazins landete sie auf Platz drei. “Ich sitze außerdem bereits am nächsten Roman”, sagt Johanna Wohlgemuth dann. Dieses Mal spielt die Handlung in der Gegenwart, es geht um Freundschaft, Liebe und die Beziehung zu den Eltern. “Das ist nun mein Projekt für die nächsten Monate”, sagt sie und lacht.

Zwei Kurzgeschichten von ihr sind außerdem gerade in einer Anthologie erschienen, die das Resultat eines Workshops mit der Bestseller-Autorin Katharina Hagena (“Der Geschmack von Apfelkernen”) sind. Gemeinsam mit anderen beschriftet-Mitgliedern bekam sie von der Schriftstellerin vier Tage lang konstruktive Tipps zu ihren Texten zum Thema “Fallen”. Das Ergebnis ist in der Anthologie nachzulesen.

Obwohl sie mit ihrem Studium am KIT fertig ist, blieb Johanna Wohlgemuth Karlsruhe treu. “Ich wohne gerne hier”, sagt sie. Vor allem wegen der zahlreichen Grünflächen, der kurzen Wege und der Architektur in der Weststadt. Im Freien schreibt sie auch gerne ihre Geschichten, oft spontan, immer dann, wenn ihr ein Gedanke in den Kopf schießt. Dann nimmt sie ihr Notizbuch aus der Tasche, zückt ihren Kugelschreiber – und hält die Idee fest. Aus Gedanken werden Worte.

Infos:

Die nächste Lesung mit Johanna Wohlgemuth ist am 2. Februar im Foyer des Badischen Konservatoriums um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos zu Johanna Wohlgemuth: johannamuth.jimdo.com/

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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