13. Januar 2018

Flimmerkasten: “La Mélodie – Der Klang von Paris”

Sozialprojekt mit Geigen

Der Ton untereinander ist rau, die Stimmung explosiv. Als Musiker Simon Daoud an eine Pariser Brennpunktschule kommt, um einer Klasse Geigenunterricht zu geben, stößt er schnell an seine Grenzen. Anstatt zuzuhören, kommentieren die Schüler alles mit wenig Interesse, beleidigen sich gegenseitig – und auch Simon Daoud bekommt die Häme ab, so sehr, dass er sich bereits nach wenigen Schulstunden verliert. Das Ziel, an der Philharmonie in Paris ein Konzert zu geben, scheint unerreichbar.

„La Mélodie – Der Klang von Paris“ erzählt auf sehr realistische und einfühlsame Weise von einem Projekt an einer Schule in einem Banlieue in der französischen Hauptstadt. Die Geschichte, hinter der der Regisseur Rachid Hami steht, ist fiktiv, wirkt aber wohl deshalb so authentisch, weil es tatsächlich solch ein Projekt in Paris gibt. Und: Die Schüler, zwischen 12 und 13 Jahre alt, sind keine Schauspieler, sondern wurden extra für den Film in Pariser Schulen ausgesucht.

Besonders Alfred Renely, der den begabten und sensiblen Arnold spielt, sticht hervor. Allein ihm dabei zuzusehen, wie er über den Dächern von Paris mit Geduld, Konzentration und Hartnäckigkeit das Geigenspielen lernt, ist es wert, in diesen Film zu gehen.

Es braucht Ziele!

Regisseur Rachid Hami kam selbst als Schüler aus Algerien nach Frankreich und musste sich durch seine Jugendzeit kämpfen. Mit „La Mélodie – Der Klang von Paris“ zeigt er nun auf ganz unkitschige Art, wie schwer es Kinder mit Migrationshintergrund nach wie vor haben – wieviel Hoffnung aber besteht, wenn man sie nicht aufgibt, sie motiviert, ihnen Inspirationen und Ziele gibt.

Ohne Drama, aber trotzdem nicht trivial

Ganz langsam baut sich die Geschichte um Simon Daoud und seine Schülern auf, zeigt von den Kämpfen, die der Lehrer mit sich hat, mit den Schülern, den Eltern, ohne dabei zu dramatisieren oder zu vereinfachen, sondern es geschieht leise, aber gleichwohl eindringlich. So entsteht ein wunderschöner Film, der auch durch die Geigenklänge immer wieder berührt.

„La Mélodie – Der Klang von Paris“ ist ganz nah dran am Leben. Außerdem macht er Hoffnung, denn er zeigt, wie ein Happy End gelingen kann, wenn man trotz Komplikationen nicht gleich aufgibt, sondern für Integration kämpft – und den Jugendlichen eine Perspektive bietet. Ein rundum gelungener Film.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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