21. Februar 2018

Heimat: Ein Nachmittag mit Constanze Zacharias im Franz-Rohde-Haus”

Ein Kunstabend im leerstehenden Altenheim

Das Licht im Flur flackert unaufhörlich, der Fahrstuhl setzt sich von alleine in Bewegung und fährt unaufgefordert seine Touren nach oben und unten. Als ich am Wochenende zum ersten Mal das Franz-Rohde-Haus in der Dragonerstraße 4-6 betrete, fühle ich mich wie in einer skurrilen Filmkulisse: Ein Piano steht einsam mitten in einem Zimmer. Sonnenschein fällt an diesem Nachmittag durch die Fenster, erhellt die Räume, schmückt die Leere mit Licht. Chorale Klänge erfüllen außerdem das Erdgeschoss.

Am 2. März findet im Franz-Rohde-Haus eine Vernissage mit Jazz und elektronischer Musik statt. “Reanimation” lautet der Titel des Abends, für den die Karlsruher Künstlerin Constanze Zacharias gerade alles vorbereitet und organisiert. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Neues Leben für die Räume

Seit Anfang Februar hat Constanze die Schlüssel für das ehemalige Alten- und Pflegeheim, um das es in der Vergangenheit viel Trubel gab: Zur Diskussion stand zeitweise, das denkmalgeschützte Haus mit Parkanlage von Architekt Otto Bartning komplett abzureißen und nur drei alte Eichen in dem Park davor stehen zu lassen. Eine Bürgerinitiative bildete sich und kämpfte lautstark für den Erhalt. Letztlich wurde das Franz-Rohde-Haus an einen Freiburger Investor verkauft, der es in seiner Grundstruktur erhalten, “sanft sanieren” und Eigentumswohnungen einrichten möchte.

Dieser neue Eigentümer kam im Oktober 2017 auch auf Constanze Zacharias zu. “Er fragte mich, ob ich den Leerstand des Hauses für ein Kunstprojekt nutzen möchte”, erzählt sie mir. Constanze ist Teil des Künstlerkollektivs „Nordbecken“ und hat bereits zahlreiche offspace-Veranstaltungen in Karlsruhe mitorganisiert.

“Ich fand die Idee sofort super”, sagt Constanze. Sie kannte das Anwesen bereits, ihr Atelier ist ganz in der Nähe. Wie kann ich dem leerstehenden Gebäude temporär wieder Leben einhauchen? Mit dieser Frage setzte sie sich auseinander. Entstanden ist nun ein sehr abwechslungsreiches Programm mit den Künstlern:

  • Robert Loos
  • Uli Okujeni (Projektraum Pool)
  • Johanna Wagner (Projektraum Pool)
  • Frank Frede
  • Nathalie und Alexander Suvorov-Franz

Und Musik von

  • Jonathan Zacharias (Nordbecken)
  • Rosanna Zacharias
  • Lukas de Rungs
  • Okujeni/Frede

Alte Strukturen noch sichtbar

Als Überschrift für den Abend entschied sich Constanze für “Reanimation”, da es ihr darum geht, dem Gebäude nach drei Monaten des kompletten Leerstands wieder Leben einzuhauchen und Luft hineinzulassen. “Die Themen Leben und Sterben spielten außerdem im Alten- und Pflegeheim eine große Rolle”, begründet sie ihre Wahl. Vom Alltag dort sind noch einige Spuren vorhanden: Notfallknöpfe und Haltegriffe befinden sich an der Wand, nostalgische Etagentelefone hängen im Flur und eine rosa Wanne steht in einem kleinen Badezimmer.

“Die Künstler arbeiten alle mit den Räumen”, verrät Constanze. So ist Robert Loos im Erdgeschoss gerade dabei, in zwei Zimmern die Tapete zu entfernen und die Wände neu zu streichen. Auch Constanze selbst hat mit olivebrauner Farbe den ursprünglich gelben Flur im ersten Stockwerk neu gestrichen und alle Türschilder abgeschraubt, sie liegen nun geordnet in einem Zimmer auf dem Boden. “Mal schauen, was ich mit ihnen für den 2. März mache”, sagt sie.

Chorprobe im Leerstand

Am Tag meines Besuchs ist auch der Karlsruher Chor “Stealth Radio” im Franz-Rohde-Haus zu Besuch. Mehrstimmige Klänge untermalt von einer Gambe sind so zu hören. “Sie proben ansonsten in einem Haus in Mühlburg”, erzählt Constanze. Da aber Nachbarn die Polizei wegen Ruhestörung riefen, bot die Künstlerin den Musikern an, zeitweise das ehemalige Altenheim zu nutzen.

So hat sich Constanzes Ziel der “Reanimation” des Leerstandes bereits erfüllt – das flackernde Licht und der sich selbst in Bewegung setzende Fahrstuhl passen perfekt zu diesem Bild.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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