25. Februar 2018

Heimat: “Ein Abend mit Arthur Metz im Family Tree Shop”

Design trifft zeitgenössische Kunst

Ein Sommerabend an der Alb, die Sonne geht langsam unter, junge Menschen stehen lose zusammen, haben einen guten Abend. Es ist eine Szene von Claudia Kappenbergers Geburtstagsfeier, die Arthur Metz auf seinem Aquarell festgehalten hat. Die Besitzerin des Family Tree Shops und der Künstler aus Frankreich sind seit zwei Jahren befreundet. Nun haben sie sich beruflich zusammengetan. Bis zum 10. März ist eine Auswahl von Arthur Metzs Aquarellen in dem Einrichungs- und Accessoireladen in der Rüppurrer Straße 25 zu sehen – zwischen exklusiven Hockern, Keramikgeschirr und Leuchten. Zeitgenössische Kunst trifft so auf Produkte von jungen Designern.

Start mit wenig Gepäck

Von Lyon in die Fächerstadt: Vor zwei Jahren kam Arthur Metz nach Karlsruhe, um an der Kunstakademie zu studieren. „Ein großer Teil meiner Familie lebt im Elsass, Karlsruhe war deshalb perfekt, um nicht zu weit weg von ihnen zu sein“, erzählt er. Die ersten Wochen in Deutschland waren hart für ihn: Nur mit einer Matratze, einer Lampe und einem Rucksack kam er an, schlief einige Nächte in seinem Auto. „Die WG-Suche war eine Herausforderung“, sagt er. Glücklicherweise keine unüberwindbare. Inzwischen hat er sowohl ein Zimmer als auch ein Atelier in der Weststadt.

Zuerst Mathe, dann Kunst

„Ich zeichne seit meiner Kindheit“, sagt Arthur. Damals vor allem Tiere in Lebensgröße. Besonders der Orca-Wal aus dem Film „Free Willy“ hatte es ihm angetan. Viele Stunden verbrachte der Franzose damals damit, weiße Tücher mit großen farbigen Tieren zu bemalen. Einen kurzen Moment überlegte er nach dem Abitur, Mathe zu studieren, entschied sich dann aber für die Kunst. „Die Leidenschaft fürs Zeichnen ließ keine andere Wahl zu“, sagt er und lacht.

Freier Arbeiten als in Frankreich

Mehr Praxis als Theorie: Dass seine Wahl auf ein Studium in Deutschland fiel, liegt vorrangig an der Ausrichtung der Kunstakademien. „Ich kann hier freier arbeiten als in Frankreich“, begründet der 29-Jährige. Da er seinen Stil bereits gefunden hat, sei dies sehr wichtig für ihn.

Kritische Auseinandersetzung mit der Feierkultur der Generation Y

Arthur beschäftigt sich in seinen Aquarellen mit dem Partyleben junger Menschen – auch auf kritische Weise. „Ich bin nicht generell gegen das Feiern, aber finde es schade, wenn es dann nur um das Trinken geht, und die Kommunikation nachrangig ist“, erklärt er. Tiefsinnige Gespräche über das Leben? Das gibt es in Kombination mit ausschweifenden Partys nur selten.

In seiner Reihe „Sommer in Spanien“ greift er beispielsweise den Massentourismus an Orten wie Lloret de Mar auf. „Gruppen junger Menschen fahren dorthin, nur um Party zu machen.“ Arthur selbst geht inzwischen seltener feiern. „Ich treffe mich vielmehr mit Freunden in Ruhe oder arbeite“, sagt er.

Inspiration durch Fotos

Es sind vor allem Fotografien, die Arthur Metz zu seinen Bildern inspirieren. Eine große Kiste voll damit steht auf einem Regal in seinem Atelier. „Ich male sie aber nicht detailgetreue ab, sondern modifziere die Komposition“, erklärt er. Das heißt: Er verändert die Größen der Personen, gibt ihnen neue Kleidung, lässt Menschen verschwinden oder an anderen Stellen auftauchen.

Ist das Kunst oder Kult?

Das Aquarell, das nun im Schaufenster des Family Tree Shops hängt und auch auf den Flyern zu sehen ist, zeigt einen Monobloc-Stuhl. Das weiße, stapelbare Plastikmöbelteil ist vor allem in Freibädern und Campingplätzen beliebt. Massenware, nicht besonders hübsch und billig. „Inzwischen hat der Stuhl aber schon fast wieder Kultfaktor“, sagt Claudia Kappenberger, die seit 3,5 Jahren mit Marina Eggen den Family Tree Shop führt. Den beiden Frauen kam durch das Monobloc-Stuhl-Aquarell in Gesprächen mit Arthur die Idee, seine Kunst mit den Designprojekten im Laden zu verknüpfen. Der perfekte Zeitpunkt dafür: der Start der Kunstmesse art Karlsruhe.

Bis zum 10. März sind die Bilder des französischen Künstlers nun zu den Öffnungszeiten des Family Tree Shops zu besichtigen. Das Alb-Bild ist unverkäuflich, Arthur hat es für Claudia gemalt. Es ist eine zarte und warme Erinnerung an einen schönen Abend im Juni.

Infos:
Der Family Tree Shop in der Rüppurrer Straße 25 hat von montags bis freitags von 11 bis 18.30 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet.
Hier geht es zu den Webseiten:
von Arthur: arthur-metz.com
und vom Family Tree Shop: familytreeshop.com

 

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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