4. März 2018

Kurioses: “Plötzlich Affäre”

Vergangenheit: reloaded

Die Welt ist schlecht, sehr schlecht. Das war mein erster Gedanke, als ich an diesem einen Morgen auf mein Handy blickte. Dort war um kurz nach 8 Uhr die Vorschau einer Facebook-Nachricht auf meinem Display erschienen. „Hallo Miriam“, stand da. „Wir kennen uns nicht – aber wir müssen dringend über Herrn XY sprechen. Ich war bis vor wenigen Tagen mit ihm zusammen. Vielleicht kann ich nun auch für dich einige Rätsel lösen.“

Noch verschlafen blinzelte ich einmal, nochmals, dann öffnete ich schnell die Facebook-App, las die Nachricht der Dame in einem Zug, stoppte am Ende kurz, begann von vorne – langsam Satz für Satz. Und noch während ich am Lesen war, gab es in meinem Kopf einen leichten Knall und die vergangenen 18 Monate setzten sich neu zusammen – plötzlich ergab alles einen Sinn. Als ob nur noch dieses eine Puzzleteil gefehlt hatte. Vergangenheit: reloaded. Mein Kopf ratterte, mein Herz hämmerte: Ich hatte, ohne es zu wissen, eine romantische Liason mit einem vergebenen Herren gehabt – bereits zum vierten Mal.

Nummer 1

Den ersten untreuen Herrn lernte ich in einem Club kennen. Es war bereits zu später Stunde, als ich plötzlich bemerkte, dass er mir überall hinfolgte. Stand ich an der Bar, war er da. Ging ich auf die Tanzfläche, kam er nach. Abschütteln: unmöglich. Aber nach genauem Hinschauen war dies auch nicht nötig.

Wir kamen ins Gespräch, tauschten Nummern, trafen uns, es kam zum einen, zum anderen. Und als wir Wochen später an einem Abend gemeinsam mit meinen Freunden kochten, danach noch in einen Club wollten, meinte er beim Aufbruch: Können wir zuvor noch alleine in eine Bar gehen und in Ruhe reden?

Ich ahnte nichts Böses, sagte ja, saß ahnungslos am Tisch, nippte an meinem Longdrink, als er plötzlich ernst wurde, mich lange ansah, tief Luft holte und meinte: Er müsse gestehen, er stecke in einer langen Beziehung, seine Freundin sei gerade in Australien, komme nun aber nächste Woche zurück. „Wir sollten unsere Treffen nun genauer timen“, sagte er. Er wolle mich weiter sehen.

Äh, bitte?

Nummer 2

Über den zweiten untreuen Mann hatte ich für die Arbeit ein Porträt verfasst. Ein Designer. Er schrieb mir danach über Facebook, wir trafen uns zunächst auf Partys, redeten stundenlang. Es knisterte. Es folgte ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt – zwischen Gerempel und Glühwein kam tatsächlich Romantik auf. Nach dem dritten Heißgetränk küsste er mich. Läuft, dachte ich. Der ist nett und adrett.

Und als wir viele Tage später bei mir zuhause und schon fast am Einschlafen waren, meinte er plötzlich: Übrigens, ich muss noch etwas loswerden, ich habe eigentlich eine Freundin, sie studiert nur in einer anderen Stadt.

Ich machte das Licht wieder an.

Nummer 3

Den dritten untreuen Mann hatte ich ebenfalls durch den Job kennengelernt, wir trafen uns zufällig in einem Club wieder, er sah mich, zog mich von der Tanzfläche – und knutschte mich einfach ab. Es folgten Monate auf Wolke 7. Manchmal fallen mir heute noch die Bilder in die Hand, wie er bei meiner Geburtstagsfeier zwischen meinen Freunden sitzt. Es schien alles gut.

Dann hatte er plötzlich Stress bei der Arbeit, Herzmuskelprobleme, die hohe Taktung im Büro. Er müsse runterschalten, mehr chillen. Okay. Ich war irritiert. Aber ließ ihm den Raum.

An einem Abend war ich alleine aus, lernte einen Herren kennen, der mich morgens um 5 Uhr noch mit auf eine WG-Party nahm. Wir redeten dorte lange. Er kam aus der gleichen Branche, kannte den gestressten Herrn, und meinte dann: Die Freundin, die er bei der Weihnachtsfeier dabei hatte, ist ja super nett.

Freundin??????

Es stellte sich heraus, dass der Herr schon seit geraumer Zeit mit einer Frau zusammen war, die zunächst noch in einer anderen Stadt studiert hatte und nun wieder nach Karlsruhe gezogen war.

Probleme mit dem Herzen hatte er wirklich, aber die lagen nicht am Muskel.

Nummer 4

Und dann kam dieser Herr, der mir selbst im überschaubaren Karlsruhe 18 Monate lang seine Freundin verheimlichen konnte.

Ein Wolf im Schafspelz. Berater. Mit Kind. Der seriöseste Mann, mit dem ich mich jemals gedatet habe, sagte ich stets zu meinen Freundinnen. Von Beginn an war klar, dass wir wohl keine feste Beziehung haben werden. Er: frisch getrennt von der Mutter seines Kindes, noch traumatisiert vom ganzen Trennungskrieg. Ich: nicht überzeugt, weil ein Herr, der sagt, dass er sein einziges Buch im Fitnessstudio vergessen hat, nicht geeignet ist, für das, was ich auf Dauer suche.

Aber es muss ja nicht immer alles ernst sein. Also trafen wir uns zunächst über viele Wochen ohne Ziel. Dann verlief es sich für einige Monate – zumindest mit den persönlichen Treffen. Im whatsapp-Kontakt standen wir immer, mal mehr und mal weniger.

Unsere Kommunikation: zunächst wirr, uneindeutig. Dann wurden die Treffen aber wieder mehr. Er machte oft Homeoffice, so ging ich in meiner Mittagspause bei ihm vorbei und wir aßen zusammen. Oder wir saßen in der Sonne und tranken Kaffee. In seiner Wohnung: keinerlei Spuren von einer Frau. Nur noch alte Familienfotos mit der Mutter seines Kindes.

Kommst du heute Abend vorbei, schrieb er mir manchmal unvermittelt unter der Woche. Er biete sich immer gerne an, wenn ich nicht jede Nacht alleine schlafen wolle, meinte er regelmäßig, bis zuletzt.

Nie hätte ich damit gerechnet, dass er eine Freundin hat – bis ich an diesem einen Morgen fast vom Bett fiel. Die Frau und ich begannen zu schreiben. Sie erzählte mir, dass sie sein Handy durchsucht hatte und auf die vielen Nachrichten gestoßen war, die er mit mir geschrieben hatte. Sie ließen wenig Interpretationsspielraum.

Ich holte an diesem Morgen kurz Luft, als ich hörte, wie lange sie zusammen waren und registrierte, dass so gut wie jeder Satz, den der Herr von sich gegeben hatte, gelogen war.

Dann tippte ich seelenruhig folgende Zeilen in mein Handy: „Du bist der Oberknaller. Hast die ganze Zeit eine Freundin. Das Karma soll es richten.“

Dann löschte ich seine Nummer.

Die Welt ist schlecht, sehr schlecht.

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2 thoughts on “Kurioses: “Plötzlich Affäre”

  1. Zin-Ho sagt:

    Liebe Miriam,

    ich lese schon seit Jahren gerne deine Schreibmaschine. Mein allererster Kommentar :) Vor solchen Erlebnissen ist keine Frau sicher. Sometimes the best are also the worst! Aber keine Sorge… Das Karma wird es richten.

    Alles liebe dein

    Zin-Ho

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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