25. März 2018

Kurioses: “Irrungen in Israel II”

Würze für den Alltag

Meine Lieblingsformel ist “Humor = Tragik + Zeit”. Besonders die Ereignisse, die kreuz und quer laufen, sind im Nachhinein oft diejenigen, auf die ich mit einem Lachen zurückblicken kann. Die als Erinnerung hängen bleiben und dem Alltag eine Würze geben.

…Fortsetzung.

In Tel Aviv hörte es nicht auf zu regnen. Es war bitterkalt und alles klamm in unserer Wohnung. Wir saßen in unserem kleinen Wohnzimmer in Florentin, auf einer Couch voller Hundehaare, hatten die kleine Elektro-Heizung auf Hochtouren laufen, sie bollerte laut vor sich hin, ließ den Stromkreislauf explodieren, plötzlich war alles dunkel, WLAN und Licht hatten uns verlassen. Was tun? Gehen, bleiben? Wir diskutierten.

Wunderschöne Wüste

Fazit: Früher als geplant nach Masada fahren, ab in die Wüste. Unsere Hoffnung: Dort muss doch die Sonne scheinen. Auch die Wetterapp sagte vorher: Masada, 22 Grad, ein gelbes rundes Icon mit Strahlen daneben, statt einer Wolke mit Tropfen. Das hieß jedoch auch für uns, dass wir Abschied nehmen müssen von Tel Aviv. Der Abschiedsschmerz war groß, als wir im einem Bus saßen, der uns direkt zur Festung von Herodes brachte.

Meine Melancholie hörte aber schlagartig auf, als wir zur steinigen Landschaft der Negev Wüste kamen. Staunend saß ich nur noch da und schaute aus dem Fenster – ich war fasziniert. Die Wüste ist wunderschön.

Und es ging positiv weiter: Die Sonne schien, als wir am späten Nachmittag in Masada ankamen. Mein Optimismus kehrte zurück. Erkundungstour. Wir hatten Hunger und machten uns auf zu einem Supermarkt. Ohne Erfolg.

Wer nach Masada reist, dem kann ich nur empfehlen: Proviant mitnehmen. Dort gibt es nämlich nix. Nur eine Jugendherberge, ein Museumsshop mit überteuerten Chips und Bier sowie eine Forschungsstation. Das wars. Außerdem schließen die Festung und der Museumsshop um 16 Uhr. Danach hat man einfach Pech.

Wie in einem Alienfilm

So blieb uns nur das Abhängen in der Jugendherberge übrig. Die Optik: wie in einer schlechten Kulisse eines Alien-Films. Das Auffanglager für die einzigen Überlebenden nach einem Weltuntergang. Alles ist in Brauntönen gehalten, der Blick nach draußen zeigt nur Felslandschaften. Dort saßen wir den restlichen Tag mit Chips und unserem 8-Euro-Bier herum. Es war so monoton, dass wir um 21 Uhr im Bett lagen.

Um kurz nach 7 Uhr klingelte am nächsten Morgen mein Wecker. Der Blick aus dem Fenster war wie ein Schlag. Strömender Regen, Palmen, deren Blätter wild mit dem Wind wehten.

Ich zog den Vorhang nochmals zu, wieder auf, nein, das Bild blieb. Keine Änderung. Ein Mini-Sturm fegte über Masada. Ich konnte es nicht fassen. Auf Wetterapps ist einfach kein Verlass.

Als ich beim Frühstück in der Jugendherberge saß und immer wieder nach draußen blickte, dämmerte es mir. Keine Festung für mich. Und der Mann an der Rezeption bestätigte es. Ein Aufstieg ist bei diesem Wetter weder zu Fuß noch mit der Seilbahn möglich, den kompletten restlichen Tag.

Plan Y

Auch unser weiterer Plan fiel ins Wasser. Eigentlich wollten wir nach Masada 2,5 Tage in einem Zeltcamp am Toten Meer verbringen. In En Gedi. Baden, den Nationalpark erkunden, Wasserfälle anschauen. Die Bilder im Internet sahen fantastisch aus. Aber auch hier hieß es: nicht bei diesem Wetter. Es war verrückt.

Cry me a river.

Wir zückten erneut unsere Smartphones, klickten uns durch Busverbindungen, Airbnb-Unterkünfte, überlegten hin und her. In Eilat gibt es im ganzen Jahr nur sechs Regentage, stand in unserem Reiseführer. Die Wetterapp zeigte auch hier dieses gelbe Icon mit den Strahlen an. Wir cancelten En Gedi, fanden eine Ferienwohnung über Airbnb und machten uns erneut auf die Reise. In einem Überlandbus zwischen bewaffneten Soldaten.

Travel safe.

Winter in Eilat

Eilat erdrückte mich von der ersten Sekunde. Es reihen sich geschmacklose Appartments und Hotels aneinander. Alles ist auf den Tourismus ausgelegt, es gibt große Malls, Outlets, es ist laut und ungemütlich. Und die Sonne war weg. Komplett. Grauer Himmel, Regentropfen. “Ihr bringt den Winter mit”, so begrüßte uns die Airbnb-Vermieterin. Drei ganze Tage in diesem grauen Eilat bis zum Abflug verbringen? Ich resignierte.

Am letzten Tag vor dem Abflug zeigte sich die Sonne dann aber doch. Wir zogen zum Stadtstrand, saßen in Cafés am Wasser, aßen Kuchen und freuten uns, ein freundlicher Abschied von Israel.

Nee. Stopp. Doch nicht.

Ein Flughafen des Schreckens

Der Rückflug brachte nochmals gehörig Action mit sich. Wer von Eilat mit Ryanair fliegt und wie wir keine Extragebühr für ausgewählte Sitzplätze bezahlt, so erst wenige Tage vor dem Flug über die App oder einen Computer einchecken kann, erlebt eine Überraschung: Am Flughafen in Eilat sind Boardingpässe über das Smartphone nicht gültig, teilte uns die App mit. Ahh. Nervig. Die Konsequenz: Wir mussten die Dokumente irgendwo kurzfristig ausdrucken. Aber wo?

Wir versuchten es in der Bibliothek in Eilat. Die Empfangsdamen checkten gleich, worum es ging. Wir waren nicht die ersten Touristen, die hektisch bei ihnen nach Druckern suchten. Bis wir die Tastatur aber so umgestellt hatten, dass sie nicht mehr Hebräisch schrieb – ein kleiner Adrenalinschub.

Generell: Wer seine Vorfreude auf sein Zuhause immens steigern möchte, der sollte unbedingt von Eilat aus fliegen. Es ist für mich der Flughafen des Schreckens. Er liegt mitten in der Wüste und ist, sehr freundlich ausgedrückt, eher provisorisch. Die Empfangshalle ist ein Zelt und wenn auf dieses Dach die Sonne knallt, dann gibt es dort schnell einen rasanten Temperaturanstieg. In Kombination mit einer unorganisierten, zweistündigen Sicherheitskontrolle ist das Resultat, dass alle Passagiere in diesem aufgeheizten Zelt stark schwitzend stehen, streng riechend, die Köpfe knallrot, der Kreislauf nahe am kollabieren.

Es war schön, wieder nach Karlsruhe zu kommen.

Meine Lieblingsformel ist “Humor = Tragik + Zeit”. Besonders die Ereignisse, die kreuz und quer laufen, sind im Nachhinein oft diejenigen, auf die ich mit einem Lachen zurückblicken kann. Die als Erinnerung hängen bleiben und dem Alltag eine Würze geben.

Hier geht es zum ersten Teil: Israel I

 

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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