15. Mai 2018

Melodien: “Ein Abend mit den Beginnern”

“Für Dich gibt’s nur noch eins und sonst keins,
und hält jemand nicht Deins für Nummer eins,
siehst du rot wie Heinz und sperrst ihn ein,
quälst ihn mit Simple Minds bis er weint.”

Es war ein Abend im Januar 1999, als mir einer meiner ersten Freunde übers Telefon von den Beginnern und der Mongo-Clikke erzählte. Er rezitierte für mich Songzeilen von seinem neuesten “Lieblingslied”, euphorisch, Satz für Satz. Seine Begeisterung schwappte durch die Leitung, übersprang die zehn Kilometer, die uns trennten und erreichten mich, mit dem großen, olivefarbenen Telefonhörer im Flur der Eltern stehend.

Die Beziehung zerbrach, “Bambule” blieb, schaffte es von der CD auf den iPod und sogar aufs iPhone. Das “Advanced Chemistry”-Konzert der Beginner in der Schwarzwaldhalle Karlsruhe: ein Tribut an die alten Zeiten, Nostalgie gepaart mit Melancholie – und verdammt viel Spaß.

Rap und fette Bässe

Ein Signalhorn ertönt zu Beginn, “Ahnma” macht den Anfang und ab geht die Party. Von der ersten Sekunde sind DJ Mad, Jan Delay und Denyo voll da, bewegen sich mit ihren zwei Background-Sängerinnen rund um eine leuchtende, blickende Pyramide, die immer wieder Textzeilen und bunte Bilder zeigt. “Hammerhart”, “Gustav Gans” “Geht was” – wie im Sog ziehen die Beginner mit, Stillstehen unmöglich.

Rap-Rentner – nein!

Es ist ein Klassentreffen der besonderen Art: Nicht nur im Publikum stehen bekannte Gesichter, auch auf der Bühne tauchen Altbekannte auf: Afrob, Torch und Tony L sind mit den Beginnern auf Tour.

“Wir waren mal Stars,
die Karriere ist vorbei,
das wars,
ihr rockt die Charts
und wir hocken in den Bars.”

Von wegen, es ist nun eine große Party auf der Bühne, vor der Bühne, Gold-Konfetti inklusive. Und das Alter der Protangonisten: spielt keine Rolle, von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Als wären es keine 20 Jahre, die verflogen sind, als wäre es erst gestern gewesen.

Für ein buntes Miteinander

Aussagen gegen Rassismus, Kritisches gegen die AfD, ein Hoch auf die Ladies: Die Beginner vereinen an diesem Abend, Denyo trägt einen Europa-Pulli. Und auch wenn das neueste Album der Beginner, “Advanced Chemistry, keineswegs an die Klassiker “Bambule” und “Blast Action Heroes” rankommt, im Mix funktionieren die Songs. Die Stimmung ist permanent da: bei der Reggae-Version von “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”, bei “Schelle”, “Fäule” und explodiert bei “Füchse”. Das scheue Tier streunt dabei als Visual in der Pyramide umher.

Der Applaus ist gewaltig. Drei Zugaben-Sets folgen nach dem offiziell letzten Song. Maskottchen Gustav Gans übt sich im Stage-Diving und als dann endlich, kurz bevor die Lichter angehen, “Liebeslied” ertönt, singt das Publikum in der Schwarzwaldhalle unisono im Chor. Nach “Kater” ist Schluss. Ein Klassentreffen geht zu Ende – und kommt hoffentlich bald wieder!

Gefährliche Liebschaften,
doch Du hast keine Schuld, dafür muß das Lied haften.
Deine Ohren fühlen sich wie neu geboren jeden Tag
und Du fragst Dich: Kann man auch Tracks heiraten in Dänemark?
Unser Beat hat Boom gemacht (unser Beat hat Boom gemacht)
und es hat Zoom gemacht!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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