4. September 2018

Heimat: “Der Herbst”

Herbstkind!

Der Herbst ist da. Die Tage werden kürzer, es windet und zieht an allen Ecken, das Grau wird mehr.

Müsste ich meinem bisherigen Leben eine Jahreszeit zuordnen, würde ich mich für den Herbst entscheiden. Stürmische Tage, ich kenne sie, die großen, sperrigen Äste, die vor mich fielen, mir den Weg versperrten und die es zu überwinden viel Kraft kosteten.

Anstrengung und Geduld.

Der Herbst ist da. Die Blätter verfärben sich und leuchten in den schönsten Farben – goldene Sonnenstrahlen fallen darauf.

Der Herbst hat mein Leben bunt gemacht, zauberte aus grauen Regentropfen farbenfrohe Kleckse.

Farbklecks 1: Wie Stromberg in Finsdorf

Schwarzwald statt Baden-Baden. Wäre nach meinem Volontariat alles nach Plan verlaufen, wäre nicht über Nacht ein Sturm ausgebrochen, wäre ich nie in dieser einen Redaktion im Schwarzwald gelandet. Aber das Leben hat seinen eigenen Sinn, macht was es will. Kurzfristige Änderung. Statt Kulturartikel in Baden-Baden schrieb ich plötzlich Vereins- und Feuerwehrtexte – in Akkordarbeit,unschuldig verbrachte ich 14 Monate lang in einem Straflager für Gedanken und Worte. Sibirien. Eiszeit. Mit der Schwarzwald-Bahn fuhr ich von A nach B – und verbrachte viel Zeit auf der Strecke. Ich dachte oft an Stromberg in Finsdorf.

Hätte es diese Zeit aber nie gegeben, würde ich sie nicht kennen: diese unbändige Sehnsucht nach kreativem und freiem Schreiben. Ja, dann wüsste ich nicht, wie es sich anfühlt, wenn man mir das Liebste nimmt. So aber entstand in tiefster Verzweilfung nach Freiheit und Autonomie dieser Blog – das Beste, was mir passieren konnte.

Farbklecks 2: No man, no cry

Als ich mich vor einigen Jahren von meinem Freund trennte, auszog und nochmals ein neues Leben wagte, hätte ich mir nie vorstellen können, wie viel Chaos auf mich zukommen wird. Jahrelang raus dem Dating-Leben, hatte ich keinen Schimmer, was es für schräge Momente mit Männern geben kann. Tränen flossen, trockneten wieder, es ging immer weiter – irgendwie, wertvolle Erfahrungen reicher.

Hätte es diese turbulente Single-Zeit nie gegeben und wäre ich immer in einer Beziehung gewesen, in der jemand für mich da ist, mich unterstützt, ja, dann hätte ich nie mein Leben so gut alleine in den Griff bekommen. Gelernt, mit was ich mich wirklich in meiner Freizeit beschäftigen möchte, wo meine Grenzen sind – und dass es nie darum gehen sollte, nur eine Beziehung zu wollen, sondern ich mir zu jeder Zeit den Menschen auch anschaue. Möchte ich wirklich mit ihm zusammen sein? Am Anfang und wie fühlt es sich nach Jahren an? Passt es immer noch?

Ich hätte außerdem nie kennengelernt, was es für ein befreiendes Gefühl ist, wenn die Angst vor dem Alleinsein verschwindet. Denn dann ist einfach alles möglich.

Farbklecks 3: Die hellen Tage

Als es mich vor wenigen Jahren gesundheitlich umhaute, ich längere Zeit ausgeschaltet war – ja, da fluchte ich oft, war traurig und fragte mich, warum? Warum passiert mir das?

Aber nun, da alles wieder gut ist, weiß ich, dass es keine Zeit gab, die mich stärker machte als diese. Die mich so dankbar werden ließ für all die guten Tage, die es im Leben gibt – für die Sonnenmomente, wenn liebe Menschen bei mir sind, in denen es hell ist, alles leuchtet – und einfach alles gut ist. Ich speichere diese Wärme ganz fest in mir, denn ich weiß, stürmische Tage kommen wieder.

Der Herbst ist da. Die Tage werden kürzer, es windet und zieht an allen Ecken, das Grau wird mehr. Aber das Laub leuchtet in den schönsten Farben – wenn die goldene Herbstsonne darauf fällt.

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2 thoughts on “Heimat: “Der Herbst”

  1. Duden sagt:

    Vielleicht bin ich ja falsch, aber fehlt bei “Farbklecks” nicht das “c”?

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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