22. September 2018

Heimat: “Literaturtage Karlsruhe 2018 – ein Abend mit Matthias Walz”

Credit: privat

Lesungen an der ungewöhnlichsten Orten

Unsere Zeit ist knapp. 45 Minuten bleiben Matthias Walz und mir, um an diesem sonnigen Spätsommerabend zu plaudern – am Gutenbergplatz, umgeben vom Plätschern des Brunnens und munteren Gesprächen an den Nebentischen.

Seit Jahren kreuzen sich die Wege von Matthias und mir immer wieder, eine feste Konstante unserer Begegnungen: die Literaturtage Karlsruhe. Bereits zum sechsten Mal finden sie unter dem Motto „Literatur offensiv“ in der Fächerstadt statt – veranstaltet von der Literarischen Gesellschaft mit Unterstützung des Kulturbüros Karlsruhe. Matthias Walz kümmert sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Literarischen Gesellschaft – und federführend um die Organisation der Literaturtage. Insgesamt 40 Veranstaltungen an 30 verschiedenen Orten stehen in diesem Jahr an – verteilt über zwei Wochen. Die Locations, an denen Vertreter der Karlsruher Literaturszene lesen, sind bunt gemischt: vom Fahrstuhl der Hochschule für Gestaltung über das Kohi bis hin zum Weingartener Moor.

„Welche Veranstaltungen könnten mir gefallen?“, lautet eine meiner ersten Fragen. Matthias Walz überlegt kurz, dann beginnt er zu erzählen.

Credit: privat

KLAK präsentiert Lift

Mit einem Liftboy geht es hoch und wieder runter: Jeweils zehn Zuhörer haben am Sonntag, 23. September, ab 18 Uhr, die Möglichkeit, in der Hochschule für Gestaltung mit einem Fahrstuhl an drei Stockwerken zu stoppen und wieder weiterzufahren – an jeder Etage öffnet sich die Fahrstuhltür, ein Autor taucht davor auf und liest aus seinem Werk. Per Knopfdruck und in Absprache mit dem Liftboy, können sich die Zuhörer durch verschiedene Textebenen navigieren. Alle Werke, die vorgelesen werden, sind im Literaturseminar an der Hochschule für Gestaltung entstanden – und danach über KLAK, dem Bücherautomaten an der HfG, erhältlich. KLAK ist die Abkürzung für Karlsruher-Lese-Animations-Konzept. Der Eintritt ist frei.

Credit: Lune Dutschke

Gretchen Dutschke über „1968. Worauf wir stolz sein dürfen“

Sie heiratete 1966 Rudi Dutschke, die schillernde Figur der damaligen Studentenbewegung. Fünf Jahrzehnte sind seither vergangen. Die Welt hat sich gedreht. Gretchen Dutschke spricht am Montag, 24, September, um 19 Uhr im Literaturhaus im Prinz-Max-Palais über die turbulente Zeit der 1968er, über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und fragt sich: Was ist aus öffentlichen Diskussionen über Sexualität, Geschlechterrollen oder der Studentenbewegung geworden?

Credit: Paul Klausing

beschriftet präsentiert: Zeitreise

Auch in diesem Jahr bei den Literaturtagen Karlsruhe wieder mit dabei ist die Literaten-Gruppe beschriftet. Eines ihrer Markenzeichen: Ihre Lesungen finden gerne an ungewöhnlichen Orten statt. Dieses Mal haben sie bei den Literaturtagen die evangelische Stadtkirche für eine „Zeitreise“ ausgesucht. Dort möchten sie am Montag, 25. Oktober, um 21 Uhr, mit ihren Texten in die entlegensten Winkel führen. Es wird spannend.

Stefan Gaffory „Wehe, du schreibst nicht”

Er liebt Musik und lässt sich nicht auf ein Genre festnageln: Stefan Gaffory ist Musikjournalist, lebt in Karlsruhe und veröffentlicht seine Texte in verschiedenen Magazinen sowie auf seinem Blog „Die neun Leben des King Bronkowitz“. Im Kulturraum Kohi liest er am Dienstag, 25. September, um 20 Uhr seine Werke vor. Eine Mischung aus Faktenwissen, Polemik und biografischen Bezügen.

Lyrischer Espresso mit der Brot- und Kunst-Autorengruppe

Literatur und Kaffeehäuser sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb versammelt sich am Freitag, 28. September, 20 Uhr, die Autorengruppe Brot- und Kunst im Café “Lottis Traum” in der Hirschstraße 31. Zwischen den Vintagemöbeln, die an die 1950er-Jahre erinnern, lesen die Autoren ihre Texte vor – sie selbst sehen ihre Literatur als Lebensentwurf mit konsequenter Unabhängigkeit und Offenheit für verschiedene Genres. Der Eintritt ist frei.

Credit: Birgit Heneka

„O Schaurig ist’s übers Moor zu gehen“ – Wanderung durchs Weingartener Moor

Schaurig und romantisch: Die Literatenrunde lädt mit den Heimatfreunden Grötzingen am Samstag, 29. September, 14.40 Uhr, zu einer ganz besonderen Wanderung ein – zu einer im Weingartener Moor. Startpunkt ist an der Walzbachhalle Weingarten. Verschiedene Autoren erzählen auf der 5,4 Kilometer langen Strecke historisch überlieferte Legenden. Außerdem sind Mitwanderer eingeladen, eigene Texte beizusteuern. Der Eintritt ist frei.

“Die Wahrhaft Schwachen” im Café NUN

Mit Humor, aber auch einem kritischen Blick betrachten “Die Wahrhaft Schwachen” die Welt. Das Ergebnis ihrer Beobachtungen tragen sie am Samstag, 29. September, um 20 Uhr im Café NUN vor. Ihr Programm: ein Mix aus Musik, Schauspiel und Kabarett. Frage: Was haben ein Clown, ein nackter Hippie und fünf ältere Damen mit Bart gemeinsam?

Credit: Olaf Kutzmutz

“Aber sonst geht es mir gut” – Lesung mit Markus Orths

Er gewann unter anderem den Ingeborg-Bach-und den Deutschen-Science-Fiction-Preis: Markus Orths greift in seinem neuesten Werk “Aber sonst gehts mir gut” seine besten Humoresken aus den vergangenen 15 Jahren auf. Einen Auszug daraus liest er am Dienstag, 2. Oktober, 20.30 Uhr, im Sandkorn-Theater. Schwarzer Humor trifft dann auf skurrile Situationen und liebevolle Beschreibungen.

Credit: privat

Kneipenlesung mit Lichtbildvortag von Thomas Kapielski

Zwischen Rauchschwaden und fahlem Biergeruch: Das Pilskarussell ist inzwischen eine feste Größe, wenn es um Locations für die Literaturtage Karlsruhe geht. Am Freitag, 5. Oktober, 21 Uhr, setzt sich dort Thomas Kapielski für die Kneipe und den Stammtisch als freien Ort der Rede ein. Der Autor, Künstler, Musiker, Fotograf und Vertragsreisender ergänzt seine Lesungen mit Diaschauen. Eine spannende Mischung. Der Eintritt ist frei.

Es gibt noch viel mehr!

Unsere 45 Minuten sind um, Matthias und ich müssen weiter. Aber wir werden uns bei mindestens einer Veranstaltung wiedersehen. Wer sich für das gesamte Programm interessiert, kann es online abrufen: Literaturtage Karlsruhe

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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