24. Juni 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Ondine Dietz und Hannes Jung in der Fledermaus”

Ein Kunstfestival in Karlsruhe: “10 Tage – 10 Räume”

Vorbei an der Dorfschänke und dem SPD-Parteibüro, ganz nahe an der Brunnenstraße liegt „Die neue Fledermaus“. Nicht nur die Fassade der alternativen Kleinkunstbühne ist bunt. Auch als ich ihr Innerstes betrete, gelange ich in eine farbenfrohe Welt. Ein Vintage-Sofa steht dort auf Teppichen, die aus einem anderen Jahrhundert stammen, ein Kronleuchter baumelt an der Decke und eine antike Schirmlampe lehnt ein wenig schief an einem Regal.

„Schön, dass du da bist“, empfängt mich Ondine Dietz herzlich. Sie hat mich eingeladen, um mir mehr über das Kunstfestival „10 Tage – 10 Räume“ zu erzählen. Die Veranstaltung findet ab Donnerstag, 27. Juni, in Karlsruhe statt. Nicht zentral an einem Ort, sondern verteilt über das gesamte Stadtgebiet.

Freie Kunstszene in Karlsruhe wächst kontinuierlich

Ondine ist Teil der UND-Plattform, die das Festival präsentiert. Künstlerischer Leiter ist Hannes Jung. Den Architekten, bildenden Künstler und Musiker lerne ich nur wenige Minuten später kennen, er humpelt in die „Fledermaus“. „Mein Bein ist gebrochen – zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt“, erzählt er. „Gleichwohl: Die Vorbereitungen sind gut gelaufen, die Vorfreude auf „10 Tage – 10 Räume“ ist groß – bei ihm und Ondine.

„Wir möchten mit dem Festival die riesige Vielfalt an Projekträumen und Independent-Spaces in Karlsruhe zeigen“, beschreibt Ondine. 16 verschiedene Einrichtungen machen mit, etwa 100 Künstler sind involviert. „Die freie Kunstszene wächst in Karlsruhe kontinuierlich, die nicht-kommerziellen Arbeiten brauchen Ausstellungsorte“, sagt Ondine. Deshalb hat sich bereits 2006 die UND zusammengeschlossen – damals als Alternative zur art Karlsruhe.

Die Plattform ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Ihre letzte Veranstaltung, die UND#9, fand in der Dragonerkaserne mit mehr als 130 Künstlern statt. „Obwohl die Location riesig war, stießen wir an unsere Grenzen“, erinnert sich Ondine.

Festival zieht von West nach Ost

„10 Tage – 10 Räume“ ist nun ein neues Format, für das die UND-Plattform mit Hannes Jung einen passenden künstlerischen Leiter gefunden hat. Er ist gut in der Fächerstadt vernetzt und selbst in verschiedenen Disziplinen kreativ und aktiv. „Mir war es bei der Konzeption wichtig, Karlsruhe als gesamten Veranstaltungsraum zu sehen“, erklärt er. Dabei zieht das Festival von West nach Ost.

Beginn ist am Donnerstag, 27. Juni, 17 Uhr, am Energieberg am Rheinhafen (Wikingerstraße 36), der zweithöchsten Erhebung zwischen Frankfurt und Basel nach dem Kaiserstuhl, wie Hannes Jung mir erzählt. Das Ende des Festivals ist am Samstag, 6. Juli, wieder erhöht, aber dieses Mal auf der Turmbergterrasse. Ab 18 Uhr gibt es dort Konzerte, Tanz, Film und Podiumsdiskussionen.

A-Haus und Why Yes sind in Mühlburg dabei

Zwischen diesen beiden höher gelegenen Anfangs- und Schlusspunkten geht es langsam vom westlichen Teil der Fächerstadt in den östlichen. So öffnet am Tag 2, Freitag, 28. Juni, das A-Haus im Tempelgelände seine Türen. Dort sind Jost Schneider und Bert Kirner mit der Ausstellung „4 Säulen im Westen“ vertreten. Außerdem ist der Projektraum „Why Yes“ von Johanna Broziat und Maria Tackmann in der Rheinstraße 101 Teil des Festivalprogramms. Dort gibt es einen Büchertisch von Markus Grob und eine Bar mit David Heitz.

Analoge Arbeiten und Stummfilmvertonung im “y-acht”

Hannes Jung arbeitet selbst im Atelier „y-acht – Projektraum für zeitgenössische Kunst“ in der Yorckstraße 8. Dort sind am Samstag, 29. Juni, ab 17 Uhr analoge Arbeiten wie Malerei und Fotografien zu bestaunen, es gibt außerdem eine Stummfilmvertonung zum oscarprämierten Kurzfilm “neighbours” und improvisierte Musik von jung +.

Hotspot im Südwesten: die Poly Galerie

In der Viktoriastraße 9 ist am Sonntag, 30. Juni, ab 15 Uhr der Hotspot in der Poly Galerie. Sie ist eng mit den Ursprüngen der UND verknüpft. Anlässlich des Festivals sind unter anderem Susanne Balweg, Joachim Hirling, Jean-Michael Dejasmin, Andrea Interschick, Cosima Klischat und Renate Schweizer mit ihren Arbeiten vertreten. Im V8 zeigen von 15 bis 19 Uhr Miriam Schmitz und Johannes Bierlein ihre Arbeiten. Auch der Projektraum Rochade des Künstlers Wolfgang Rempfer ist zu dieser Zeit geöffnet.

Viele Projekträume öffnen in der Südstadt

Einen Tag später, 1. Juli, ist das Festival in der Südstadt angekommen: im Café Rosa, im Projektraum Mold, in der Rotten Bar, im Showroom Schmitt und im Projektraum ///. Ab 16.30 Uhr sind in den verschiedenen Ateliers und Projekträumen unter anderem eine Baustellenausstellung zu sehen, Videoinstallationen oder Zeichnungen.

Performance und Ausstellung in der „Fledermaus“

Auch die „Fledermaus“ ist ein Hotspot bei dem Festival: Am Dienstag, 2. Juli, ist dort eine Ausstellung von Matthias Schleifer (ab 18 Uhr) und eine Performance von Robert Freitag (19 Uhr).

Kalligrafie und Klezmermusik im “Schrifthof – der Werkstatt für experimentelle Kalligrafie”

Typo, Handlettering oder Buchgestaltung: All das findet im Schrifthof – der Werkstatt für experimentelle Kalligrafie in der Gerwigstraße 34 statt. Am Mittwoch, 3. Juli, können Gäste ab 17 Uhr den Künstlern zuschauen und selbst ausprobieren. Dazu ist Klezmermusik von Leonhard & Leonhard zu hören. In der Phono Bar gibt es außerdem eine After Party.

Premiere bei circus 3000 am Alten Schlachthof

Das Künstlerkollektiv circus 3000 hat sein Atelier am Alten Schlachthof 13. Dort gibt es am Donnerstag, 4. Juli, ab 17 Uhr Installationen, Videokunst, Perfomance und Musik. Außerdem feiert das Projekt „black holes“ seine Premiere.

“Lesung und Kunst gegen Bier“ im zett zwo

Am neunten Tag, dem 5. Juli, liest um 17.30 Uhr die Kunsthistorikerin Simone Dietz im zett zwo (Zunftstraße 2, Durlach). Danach können Gäste bei der Aktion „Kunst gegen Bier“ tauschen. Danach geht es am nächsten Tag weiter zur Turmbergterrasse.

Eine UND in Halle

Für die UND#10 gibt es übrigens noch keinen Termin. Es wird im September aber eine UND in Halle geben. 20 Künstler aus Karlsruhe kommen mit, ansonsten werden dort viele regionale Kreative ausstellen. „Eine tolle und spannende Ost-West-Kooperation“, fasst Ondine zusammen.

Das vollständige Programm von “10 Tage – 10 Räume” ist auf der Veranstaltungs-Webseite abrufbar.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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