14. September 2019

Heimat: “Happy Birthday, Family Tree Shop”

Der Family Tree Shop. Fast alle Fotos kommen von Claudi.

Karlsruhe: Der Family Tree Shop feiert fünften Geburtstag

Ein eigener Laden – Claudia (Claudi) Kappenberger und Marina (Mine) Eggen haben sich vor fünf Jahren getraut und in der Rüppurrer Straße 25 den Family Tree Shop eröffnet. Es wimmelt dort von schönen Dingen: Papeterie, Schmuck- und Wohnaccessoires von internationalen und regionalen Künstlern sowie ihrem eigenen, gleichnamigen Label.

Das sind Mine (oben) und Claudi. Das Bild unten hat Jaron Frick gemacht.

Zum fünften Geburtstag habe ich Claudi gefragt: Wie ist es tatsächlich, in Karlsruhe einen eigenen Laden zu haben. Was sind die Herausforderungen, was die schönen Dinge? Hier sind nun die Antworten. Viel Spaß beim Lesen.

Der Family Tree Shop feiert seinen fünften Geburtstag – wie gestaltet ihr das kleine Jubiläum?

Claudi: Mit einem bunten Fest am Samstag, 21. September, von 10.00 bis 18.00 Uhr. Auch unsere lieben Shop-Kollegin Dagmar ist dabei. Ihr Laden “Wohnstück” wird zehn Jahre alt. Alle sind herzlich eingeladen vorbeizukommen, um

  • bei unserem Druck-Workshop selbst mitgebrachte Textilien mit bunten Formen individuell zu gestalten und zu bedrucken. Das können beispielsweise Shirts und Babybodies sein. Oder auch Jutetaschen – wer selbst keine unbedruckten hat, kann welche von uns für einen kleinen Betrag haben.
  • bei unserer Tombola tolle Preise zu gewinnen. Unter anderem einen unserer Family-Tree-Shop-Hocker.
  • auf einer Mini-Version unseres Flohmarkts vom Juli vor dem Laden nach Schätzen zu stöbern.
  • zwischen Jubiläumsangeboten, Leckereien und Prosecco mit uns anzustoßen.
Credit: Jaron Frick

Wenn ihr auf die vergangenen Jahre zurückblickt – wie fällt eure Bilanz aus? 

Claudi: Wir haben unglaublich viel gelernt, viel erlebt, viel ausprobiert, viel Zeit und Herzblut in das Projekt Family Tree Shop gesteckt. Mit den Jahren sind wir mit unserem Laden noch ein bisschen erwachsener geworden und freuen uns, dass wir einen Teil zur städtischen Kultur beitragen konnten.

Von außen betrachtet sehen Dinge, in denen man nicht selbst drin steckt, oft sehr einfach aus. Meist wird unterschätzt, was Selbstständigkeit mit sich zieht – so auch in unserem Fall. Der organisatorische und bürokratische Aufwand einen Laden am Laufen zu halten, macht einen sehr großen Teil aus. Für die besonders schönen Dinge, wie neue Produkte entwickeln und kreativ sein, bleibt nur wenig Zeit. Das funktioniert meist nur dann, wenn jemand bereit ist, seine Freizeit dafür miteinzubeziehen. Aber es hat sich gelohnt, viel zu geben, wir sind daran gewachsen und haben wichtige Erfahrungen gemacht, die wir auf anderem Weg wohl nicht gemacht hätten.

Gab es Momente/Dinge, die euch in den fünf Jahren überrascht haben? 

Claudi: Mit einem Laden in der Südstadt muss man jeden Tag mit Vielem rechnen. Aber eigentlich waren es immer schöne Überraschungen. Besondere kleine Momente mit Menschen, die in den Laden kamen und mit denen wir uns ausgetauscht haben. Jeder hat dann für sich was davon mitgenommen – und das nicht nur in materieller Form.


Wir haben außerdem ziemlich schnell gelernt, die Rüppurrer Straße zu lieben. Sie ist von außen betrachtet keine wirklich Perle. Aber durch das Nachbarschaftsgefüge ist sie ein wärmendes Pflaster.

Ihr habt viele Produkte von lokalen Künstlern – warum ist euch das so wichtig? 

Claudi: In Karlsruhe entstehen viele wunderschöne Dinge – unter anderem an der Hochschule für Gestaltung, an der auch wir studiert haben. Aber lange Zeit gab es sie fast nur in Städten wie Berlin oder Hamburg zu kaufen, nur eben nicht in Karlsruhe. Das fanden wir extrem schade und auch absurd. Deshalb wollten wir das bei unserem Start im Jahr 2014 ändern.

Neulich erzählte mir ein Freund, der aus Guatemala stammt, dass die Kaffeebohnen aus Guatemala mit die besten weltweit sind. Er trank aber in Guatemala fast nie Kaffee, weil die Bohnen, die im Land blieben, nicht besonders gut sind. Das ist vielleicht ein krasser Vergleich. Aber wir möchten den Blick für das schärfen, was einem ganz nah ist und dazu noch von so guter Qualität.

Es ist einfach schön, einen Bezug zu demjenigen zu haben, der ein Produkt gemacht hat. Dadurch haben wir zu den Dingen, die uns umgeben, immer noch eine Geschichte. Die Wertschätzung ist dadurch viel größer.

Welche Produkte erscheinen unter eurem eigenen Label? 

Claudi: Wir haben ja mit Produkten angefangen, von denen viele Unikate waren, wie der seitlich schaukelnde Schaukelstuhl und den Tête-à-Tête-Hockern. Mit der Zeit sind mehrere Produkte dazu gekommen, die sich in seriellerer Form herstellen lassen, wie selbst illustrierte Papeterie von mir und handgemachte Keramik (Krüge und Vasen), die Marina in Kooperation mit der sozialen Werkstätte Atelier B. herstellt

Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass wir über die Jahre gelernt haben, ein bisschen wirtschaftlicher an die Sachen ran zu gehen. Wir nutzen unsere wertvolle Zeit für die schönen Dinge effektiver und verlieren uns nicht in der Herstellung eines Produkts, dessen Arbeitszeit sich nicht im Preis wiederfinden kann. Denn dann würde es niemand mehr kaufen.

Ihr habt nun seit fünf Jahren einen Austausch mit Kunden und Künstlern in Karlsruhe – was ist eure Einschätzung: Ist Karlsruhe auf einem guten Weg oder fehlt es noch an bestimmten Dingen?

Claudi: Ich mag Karlsruhe sehr wegen eigeninitiierter Projekte wie beispielsweise „Die Anstoß“ und „ColaTaxiOk“. Menschen stellen dort selbst etwas auf die Beine und bieten einen Rahmen, in dem viel Schönes passiert.

Für uns waren auch verschiedene Kooperations-Projekte sehr spannend. Sei es mit dem Architekturschaufenster oder anderen Läden und Designern – einfach gemeinsam was ausdenken und in die Tat umsetzen. Wir finden es schön, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam Schritte voranzukommen.

Positiv an Karlsruhe ist, dass es noch Platz gibt für Neues, das Potential ist noch lange nicht erschöpft. Wer Lust hat, unbändige Energie und gute Freunde kann viel hier machen.

Es gibt auch Aktionen, die vom städtischen Kulturbüro initiiert sind, die ich großartig finde. Vor allem „Spiel mich“ mag ich sehr. Die Aktion bezieht Bürger ein und bringt eine wunderbare Atmosphäre mit sich. Ich hatte schon magische Momente, wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad in den Laden gefahren bin, plötzlich Klaviermusik herübergeweht ist und mich zum kurzen Verweilen und freudigen Lauschen bewogen hat.

Mine und Claudi mit dem Künstler Arthur Metz

Bei manchen städtischen Projekte fehlt aber die Kommunikation. Das ist ein wenig schade. Ab und an werden bei Projekten in/von der Stadt nicht die Leute einbezogen, die es betrifft – und die das Ergebnis vielleicht besser machen würden.

In Sachen “kleine Läden” ist momentan leider zu beobachten, dass immer mehr von ihnen schließen. Umso wichtiger ist es ein bisschen wachsamer durch die Stadt zu gehen, sich die Zeit zu nehmen und zu sehen, was es um die Ecke zu kaufen gibt. Es wäre schön, wenn die Vielfalt an kleinen Läden erhalten bleibt und nicht nur große Ketten das Stadtbild prägen. Ich persönlich fände es sehr traurig, wenn ich nicht mehr in meinem kleinen Buchladen stöbern kann. Es ist ja oft nicht wirklich aufwändiger, mal kurz in den Läden der Stadt nachzuschauen, ob es da nicht was gibt, das ich zum nächsten Geburtstag verschenken kann, als stundenlang auf dem Sofa online zu recherchieren. Wir machen es uns im Internet manchmal einfach zu bequem.

Ihr habt bereits Kunst im Laden gezeigt, einen Flohmarkt veranstaltet oder auch Workshops – welche Gedanken stehen dahinter?

Claudi: Wir beziehen gerne die mitein, die mit ihren Produkten Teil des Shops sind und schöpfen Kraft, aus dem, was um uns herum ist. Über die Workshops möchten wir einen Einblick in den Herstellungsprozess der Produkte geben – wie entsteht beispielsweise ein Porzellangefäß. Wer selbst an einem Produkt Hand anlegt, hat oft viel mehr Wertschätzung dafür. Die Arbeitsschritte werden ersichtlich und das Bewusstsein, dass es auch seinen Preis haben muss, damit der Designer davon leben kann.

Und wir sind neugierig auf unterschiedliche Dinge. Es macht Spaß zu sehen, wie sich der Laden in den unterschiedlichen „Zuständen“ verhält. Im Zusammenspiel mit Gemälden an der Wand hatte er eine ganz andere Aura, als wenn viele Menschen voller Tatendrang die Schaufenster mit fantasievollen Eiskreationen verziert haben. Oder Omas ihr Stricktreff zu uns in den Laden verlegen und aus dem Nähkästchen plauderten. 

Sind weitere Aktionen geplant? 

Claudi: Aktuell sind nach der Geburtstagsfeier keine konkreten Aktionen im Laden geplant, aber das kann am Morgen nach dem Jubiläum, wenn wir ausgeschlafen haben und wieder voller Tatendrang sind, ganz anders aussehen. Vor Weihnachten sind wir wieder zu Gast auf der „Schönen Bescherung“ in Pforzheim und auf der Lametta im „Tollhaus“, worüber wir uns sehr freuen. Bereits zum Jubiläum haben wir aber einige Neuheiten im Laden:

  • Für Pflanzenfans gibt es unterschiedlichste Sprosse von Botanopia aus den Niederlanden.
  • Für Grafikliebhaber kunterbunte Drucke aus Paris von Lea Maupetit und Papeterie von Unter Pinien.
  • Für Liebhaber von traditionellen Handwerk handgewebte Tücher aus Karlsruhe, an die wir im Kreativdorf auf dem FEST unser Herz verloren haben und von V L O Design aus Berlin gibts was Hübsches im Terazzo-Look.
  • Und weil wir immer wieder gefragt werden ob wir nicht eine Idee haben, wo man schöne Stühel her bekommt, vertreiben wir seit diesem Jahr die superguten Stühle der Firma TON, die seit über 100 Jahren in Tschechien Möbel aus Holz herstellen.

Infos:
Der Family Tree Shop in der Rüppurrer Straße 25 hat von montags bis freitags von 11 bis 18.30 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet.

Weitere Infos www.familytreeshop.de/

(Visited 204 time, 1 visit today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren
Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach