30. März 2020

Schmöker: “Der Club” von Takis Würger

Spannend & zart zugleich: “Der Club” von Takis Würger

Spannend wie ein Krimi, aber gleichzeitig so zart geschrieben, dass jeder Satz eine Wohltat ist: Den Roman „Der Club“ von Takis Würger habe ich innerhalb nur weniger Tage gelesen. Es ist ein Buch, das mich sanft, aber mit unglaublicher Kraft mitten rein ins Geschehen zog und gedanklich weit von meiner Couch fortschleifte: zu den kriminellen Machenschaften eines elitären Clubs an der Universität in Cambridge.

Eine Kindheit voller Schwermut

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hans. Er wächst im südlichen Niedersachsen auf. Schon von Geburt an ist sein Leben von Schwermut gezeichnet. Seine Mutter hat Krebs. Jeden Abend hört Hans ihren Husten vor dem Einschlafen. Lebensfreude ist ihm als Kind fremd, Einsamkeit dagegen ein treuer Begleiter. „Ich spielte nie. Ich verbrachte meine Zeit damit, die Welt zu beobachten“, erzählt Hans rückblickend. Seine Tante Alex, die in London lebt, bezeichnet ihn bei einem ihrer Besuche mit diesen Worten:

Er war so naiv. Und hatte diese faszinierenden, weichen Augen, als sei er ständig bekümmert und als wäre in jedem seiner Augäpfel eine fremde, schwarze Galaxie verborgen.

Um sich in der Schule gegen stärkere Kameraden verteidigen zu können, schenkt ihm sein Vater Boxhandschuhe und bringt ihn zum Training. Diese Sportfähigkeit ist die Voraussetzung für eine Mission in England, um die ihn seine Tante viele Jahre später bittet. „Es gibt eine Angelegenheit, bei der Du mir vielleicht helfen kannst“, steht in einem Brief, den Hans zum Ende seiner Schulzeit von ihr bekommt. Er überlegt kurz, packt dann seinen Koffer und fliegt zu ihr nach Cambridge.

Ein Verbrechen an der Universität Cambridge!

Alex Wunsch: Hans soll in den elitären Pitt Club eintreten. Dahinter steckt eine Art Studentenverbindung, reich an Traditionen und nur für auserwählte Mitglieder zugänglich. Ein Verbrechen ist dort passiert. Doch was genau? Das ist zunächst offen.

Takis Würger lässt nun verschiedene Personen die Geschichte erzählen, die Perspektiven wechseln dadurch ständig. Neben Hans und seiner mysteriösen Tante Alex tauchen beispielsweise die wunderschöne Charlotte auf, ihr reicher Vater Angus. Außerdem gibt es den arroganten Schnösel Josh und Billy. Er ist der Boxerfreund von Hans. Dadurch bekommt der Leser unterschiedliche Einblicke: in die britische Upperclass und die Strukturen, die Studentenverbindungen haben können.

Die Geheimnisse um den Club entblättern sich langsam. Ein spannender Sog entsteht. Unbedingt wollte ich wissen, welches Geheimnis Hans lüften soll.

Was für eine bildhafte Sprache!

Das Besondere an dem Roman ist für mich die schöne Sprache. Takis Würger ist wie seine Figur Hans ein äußerst genauer Beobachter und beschreibt Szenen detailreich. Dadurch flimmerten die buntesten Bilder durch meinen Kopf:

„Wenn ich an diese ersten Jahre meines Lebens zurückdenke, ist immer später Sommer, und es kommt mir vor, als hätten meine Eltern viele Feste gefeiert, auf denen sie Bier aus braunen Flaschen trinken und wir Kinder Limonade, die Schwip Schwap hieß.“

Sehr unterhaltsam ist außerdem, dass der Autor sehr unterschiedliche Protagonisten geschaffen hat, denen er durch die Perspektivenwechsel immer wieder Raum gibt. Nach und nach wird klar, wie sie miteinander verbunden sind. Auf diese Weise kommt Dynamik in die Handlung. Was genau ist das Geheimnis des Pitt Clubs? Diese Frage ließ mich das Buch so oft in die Hand nehmen.

Nicht der letzte Roman von Takis Würger für mich!

Takis Würgers Roman gehört für mich definitiv zu einem der besten Romane von jungen deutschen Autoren unserer Zeit. Zurecht hat er zahlreiche Preise dafür erhalten. „Der Club“ ist bestimmt nicht das letzte Buch, das ich von ihm gelesen habe.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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