20. April 2020

Heimat: Ein Interview mit Hannah & Marina vom Hilda Café

Das sind Marina und Hannah. Alle Fotos kommen auch von ihnen.

Kaffee & Kunst im Hilda Café

Wer das Café “Hilda – Kaffee und Faden“ in Mühlburg betritt, spürt sofort, wie viel Leidenschaft darin steckt. Selbstgebackene Kekse stehen auf dem Tisch. Bunte Bilder von Künstlern sind an der Wand befestigt. Außerdem sind an vielen Stellen selbstgenähte Textilien zu entdecken – für Kinder und Erwachsene.

Anfang des Jahres eröffneten Hannah und Marina in der Hardtstraße 58 diese Kombination aus Laden und Café. Wochenlang werkelten die beiden Bauingenieurinnen dafür, schraubten und hämmerten. Auch einige Möbelstücke bauten sie selbst zusammen. Alte Nähmaschinentische dienten beispielsweise als Basis für die Tische. Diese sind nun in zwei Räumen verteilt, die über einen offenen Durchgang miteinander verbunden sind.

Als ich an einem Samstag im Februar zum ersten Mal dort bin, steht Marina im vorderen Teil hinter dem selbstgebauten Tresen aus Beton und Grobspanplatten. Die Kaffeemaschine rattert, beim Milchaufschäumen erklingt blechernen Radau. In Leuchtbuchstaben steht „HILDA“ hinter ihr an der Wand. In einer Vitrine sind Croissants und Kuchen zu entdecken. Der hintere Teil versprüht gemütliche Wohnzimmeratmosphäre.

Für ein persönliches Gespräch wollte ich im März in Ruhe wiederkommen, doch daraus wurde nichts. Corona, die Kontaktsperre, auch das Hilda Café musste schließen. Wir entschieden uns deshalb für ein schriftliches Interview, in dem die beiden Frauen gute Nachrichten verkünden können. Ab kommenden Dienstag (21. April) eröffnen sie wieder stundenweise. Sie bieten dann unter anderem Kaffee, Kuchen, Limos und selbstgenähte Masken zum Mitnehmen an. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für das Café, über das es nun im Interview mehr zu lesen gibt.

Vielfalt mitten in Mühlburg

Hallo ihr Beiden, wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, ein Café zu eröffnen?

Die Idee schwirrte uns schon lange im Kopf. Immer mal wieder haben wir sie in den vergangenen Jahren mit unterschiedlichen Konzepten durchgespielt. Aber irgendwie hat es nie richtig gepasst und wir verwarfen sie wieder – bis zum letzten Sommer. Da waren wir beide zufällig an genau dem gleichen Punkt im Berufsleben angekommen: Wir waren unglücklich und wollten etwas verändern. Da dachten wir: Jetzt oder nie. Und haben genau dann die Annonce für den Laden in Mühlburg entdeckt.

Und habt dann sofort zugeschlagen?

Genau. Als wir ihn besichtigt haben, waren wir uns schnell einig: Dort können wir unsere Wünsche auch in die Realität umsetzen.

Und die Wünsche sahen wie genau aus?

Wir nähen beide unwahrscheinlich gerne. Deshalb war es uns wichtig, dieses Hobby mit dem Café zu verbinden, also einen Café-Laden zu eröffnen, in dem wir Produkte von uns, aber auch von anderen Kreativen anbieten können. Bei der Auswahl der Lebensmittel war für uns klar, dass wir unseren Schwerpunkt auf regional, bio und fair legen möchten. Außerdem wollten wir alles in einem Rahmen machen, der unsere Kapazitäten nicht sprengt, sondern den wir bewältigen können. Das Hilda Café soll nicht nur Arbeit sein, sondern uns Freude machen und ein Raum sein, in dem wir unsere Ideen ausleben können.

Was war euch bei der Auswahl der Künstler wichtig, von denen ihr Produkte verkauft?

Vielfalt war für uns ein Kriterium. Wir haben deshalb nicht nur Kleidungsstücke von Künstlern, die hauptberuflich nähen, sondern auch von Hobby-Schneiderinnen. Außerdem wollten wir Leuten, die bislang nur online ihre Produkte verkaufen können, die Möglichkeit bieten, diese auch in einem Laden präsentieren zu können.

Und wie habt ihr sie gefunden?

Wir haben viel auf Instagram und Etsy gestöbert. Wenn uns etwas gut gefiel, haben wir die Leute einfach angeschrieben. Teilweise verkaufen wir außerdem Dinge von Menschen, die wir persönlich kennen und die zu unserem Freundeskreis oder zu unserer Familie gehören. Die Regale kommen beispielsweise von Bekannten, die sich gerade neu mit Möbeldesign selbstständig gemacht haben.

Inzwischen haben uns außerdem Kreative angesprochen und gefragt, ob sie bei uns verkaufen oder bei uns ausstellen können. Das versuchen wir  zu ermöglichen. Wir sind auch offen für weitere Anfragen.

Ihr hattet gerade wenige Wochen auf und dann kam die Coronakrise. Wie war das für euch?

Es war enttäuschend. Die Zeit bis zur Eröffnung war sehr anstrengend für uns. Danach hatten wir gerade einen Alltag gefunden – und wurden direkt wieder ausgebremst. Es war frustrierend, nach nur sieben Wochen wieder schließen zu müssen.

Wir haben aber versucht, das Beste aus der Situation zu machen und sind froh, dass wir mit der Näherei noch ein zweites Standbein haben, mit dem wir weiterarbeiten können. Außerdem haben wir einen Onlineshop eingerichtet. So konnten wir wenigstens noch unser Ladenkonzept fortführen. Und wir haben neue Ideen gesammelt sowie Rezepte ausprobiert. So viel können wir schon mal verraten: Wir möchten im Sommer auf jeden Fall mit Eis experimentieren.

Und nun eröffnet ihr ab Dienstag (21. April) wieder stundenweise…

…genau. Von dienstags bis sonntags haben wir nun immer zwischen 14 und 17 Uhr auf. Es ist super, dass das nun möglich ist. Wir haben unter anderem Gesichtsmasken selbst genäht, die wir zu den anderen Kleidungsstücken noch anbieten und werden außerdem Limo, Kaffee und Kekse zum Mitnehmen verkaufen. Wir sind glücklich, dass wir zumindest wieder für einen kleinen Zeitraum das Café aufmachen können und freuen uns über jeden jeden, der vorbeikommt.

Mehr Informationen zum Hilda Cafe gibt es auf der Website.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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