29. Mai 2020

Heimat: Ein Nachmittag mit Jana Gruszeninks

Das ist Jana. Alle Bilder sind auch von ihr.

Jana Gruszeninks liebt Farben & Formen

Balance. Als ich mich an diesem sonnigen Mai-Nachmittag mit Jana Gruszeninks in einem Café auf dem Gutenbergplatz unterhalte, wird mir schnell klar: Gleichgewicht spielt für die 28-Jährige eine elementare Rolle – bei ihrer künstlerischen Arbeit und im gesamten Leben.

Nur wenige Meter von uns entfernt stehen ihre farbenprächtigen Bilder im Schaufenster von „Unser Onkel“. Darauf zu sehen: Linien, Kreise, abstrakte Formen. Pastellige Töne verbindet Jana oft mit Neon-Akzenten. Die Arbeiten sind zart, aber stark zugleich, strahlen Wärme aus, sind voller Ästhetik. Die Kompositionen sind stimmig.

Zurück in Karlsruhe

Die Ausstellung bei „Unser Onkel“ ist die erste, die Jana nun in Karlsruhe hat. „Ich bin seit 2019 wieder zurück“, erzählt sie. Damit meint sie: Zurück in ihrer alten Heimat – bei ihrer Familie und den Freunden von früher.

Aufgewachsen ist die 28-Jährige in einem kleinen Dorf bei Rastatt, ihre Ausbildung zur Grafikdesignerin absolvierte sie an der Carl-Hofer-Schule in der Fächerstadt. Danach beschloss sie: „Ich möchte Kommunikationsdesign studieren.“ Sie zog dafür nach Augsburg – und blieb dort sieben Jahre lang. „Es war eine tolle Zeit“, erzählt mir die Künstlerin. Sie kümmerte sich bei einem freien Theater-Ensemble um das Bühnenbild, entwarf unter anderem Karten für ein Café und probierte sich kreativ aus. Sticken, Häkeln, Malen. „Es macht mir alles riesigen Spaß.“

Während sie für das Studium häufig am Computer arbeitete, suchte sie in ihrer Freizeit immer wieder den Ausgleich an der Leinwand, griff zu Pinsel und Acrylfarbe. Ihre grafische Affinität verschwand dabei aber nicht, im Gegenteil: Sie spiegelt sich auch in ihren Malereien wider. Jana bringt verschiedene Elemente auf der Leinwand in ein Gleichgewicht.

Ihre Mitbewohner und Freunde in Augsburg bestärkten sie immer wieder: „Das ist toll, mach’ das weiter und zeig’ das anderen.“ Jana meldete sich bei Instagram an, lud dort ihre Arbeiten hoch, bekam viel Zuspruch und beschloss, dranzubleiben.

Der kreative Ausgleich fehlte!

Als sie nach dem Studium für einen Vollzeit-Job als Grafikdesignerin von Augsburg nach München pendelte, hatte sie aber aber keine Energie mehr übrig für freie Projekte. „Mir fehlte der kreative Ausgleich, die Balance in meinem Leben stimmte nicht mehr“, sagt sie. Eine Veränderung musste her.

Die Liebe brachte sie zurück nach Karlsruhe. „Mein Freund lebt hier“, begründet Jana. Sie packte ihre Kisten und suchte sich einen Job in der Region. Zunächst wieder festangestellt in einer Agentur. Eine gute und intensive Erfahrung, aber letztlich nicht das, war ihr das Gleichgewicht zurückbrachte. Jana war klar: Ein Vollzeitjob, bei dem sie wie am Fließband für andere auf Knopfdruck kreativen Output liefern muss, macht sie nicht glücklich. Jana kündigte. Ihr Entschluss stand fest: „Ich möchte selbstständig sein, malen und meine Ideen auf die Leinwand bringen.“

Atelier in der Wohnung

Seit wenigen Monaten verbringt die Künstlerin nun ihre Tage in ihrem kleinen Atelier in ihrer Wohnung in der Karlsruher Weststadt. „Kürzer könnte mein Arbeitsweg nicht sein“, sagt sie und lacht. Auch die Coronavirus-Pandemie sieht sie als Chance. „Alles ist auf Null, ich kann starten, ohne dass es einen Druck von außen gibt.“

Als ihr vor wenigen Wochen Diana Böhm, die Besitzerin von Unser Onkel, über Instagram schrieb, ob sie ihre Arbeiten im Schaufenster ausstellen möchte, sagte sie sofort ja. Auch einige freie Aufträge hat Jana bereits erhalten. „Wer einen Formatwunsch hat oder bestimmte Farben mag, kann mir das gerne sagen und ich male dann ein entsprechendes Bild“, erläutert sie.

Ihr Ziel für die nächsten Monate? Karlsruhe noch besser kennenlernen. „Als ich ankam war grauer Winter, dann folgte das Coronavirus und die Kontaktsperre.“ Deshalb ist die 28-Jährige nun gespannt, was der Sommer mit sich bringt. „Ich bin offen und freue mich auf alles, was kommt“, resümiert sie. Die Balance, sie ist da. In ihrem Leben und auf den Bildern.

Ausstellung bei Mari Moosplaneten

Janas Bilder sind derzeit bei Unser Onkel zu sehen und im Juni auch bei Mari Moosplaneten in der Friedenstraße 2.

Mehr Informationen zu Jana gibt es auf ihrer Webseite und auf Instagram.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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