15. April 2021

Karlsruhe: Stehen die Nordbecken Ateliers vor dem Aus?

Nordbecken Karlsruhe

Die Nordbecken Ateliers in Karlsruhe: mehr als Arbeitsräume!

Es war an einem Samstag im Juni 2013, als ich das erste Mal die große Lagerhalle der Ateliergemeinschaft Nordbecken betrat. Mit dem Fahrrad hatte ich mich auf den rund 25 Minuten langen Weg von der Innenstadt zum Rheinhafen gemacht. Hatte die hektische Stadt verlassen und war eingetaucht in das gemächliche Treiben des Industriegebiets am Wochenende. Ich kam vorbei an großen Containern, Schutt und Frachtschiffen. Sah die Windräder auf dem Energieberg monoton ihre Runden drehen.

Als mir Nemanja Sarbajic und Tobias Talbot damals die Tür zu ihrem Atelier öffneten, war ich vom ersten Moment an fasziniert. Leinwände, Pinsel, Farben, Grünpflanzen und sogar eine Schaukel. Wäre Kreativität ein Ort, stünde das Nordbecken exemplarisch dafür.

Nordbecken-Festivals bereichern das Kulturleben in Karlsruhe

Aber nicht nur die Ateliers versprühten einen besonderen Charme. Als Nemanja und Tobi die Hintertür der Lagerhalle öffneten, bot sich ein ganz besonderer Ausblick: Vorbei an stillgelegten Gleisen, die von Gras und Unkraut überwuchert waren, sah ich direkt auf einen Arm des Rheins.

Dort saß ich in den kommenden Jahren oft. Für mich ist es bis heute etwas ganz Besonderes, wenn es im Nordbecken Festivals gibt oder die insgesamt zwölf Künstler der Ateliergemeinschaft ihre Türen anlässlich des Galerienrundgangs öffnen. Seit 2015 arbeitet auch das Künstlerkollektiv „Projektraum Pool“ im ersten Obergeschoss des Nordbecken-Gebäudes.

Die Veranstaltungen dort vereinen Kunst, Musik und Filme auf ganz wunderbare Art, inspirieren und geben mir immer für kurze Zeit das Gefühl, an einem Ort weit weg von der Beamtenstadt Karlsruhe zu sein.

Als ich nun vor wenigen Tagen auf Instagram sah, dass es einen offenen Brief an die Stadt Karlsruhe gibt, der darauf hinweist, dass die Nordbecken Ateliers vor dem Aus stehen, fragte ich bei Nemanja nach. Was ist los? Er hatte nun Zeit, mir meine Fragen kurz zu beantworten.

1) Über die sozialen Medien bittet ihr gerade um Unterstützung, weil ihr das Aus des Nordbeckens befürchtet. Was ist genau passiert?

Die beiden Nordbecken Ateliers (Nordbecken/Projektraum Pool) stehen derzeit zum Verkauf. Wir befürchten, dass die zukünftigen Eigentümer den Nordbecken Ateliers nicht wohlgesinnt sind. Deshalb haben wir einen offenen Brief an die Stadt Karlsruhe verfasst und bitten um eine Zusammenarbeit. Jede*r, der möchte, darf diesen Brief gerne unterstützen.

2) Ihr bereichert seit Jahren mit Konzerten, Workshops und Ausstellungen die Kultur- und Kunstszene in Karlsruhe. Wie bitter ist für euch, dass das nun alles im Wanken ist?

Es wäre natürlich eine Schande, wenn die Nordbecken Ateliers nicht mehr existieren würden. Die Veranstaltungen, die wir hier gemacht haben, fanden immer sehr viel Anklang bei der Karlsruher Bevölkerung. Dafür sind wir sehr dankbar. Es stehen hier aber auch unsere Arbeitsplätze auf dem Spiel.

3) Was erhofft ihr euch konkret von der Stadt?

Wir wünschen uns eine Zusammenarbeit mit der Stadt. Das heißt, dass die Stadt als Schirmherr oder als neuer Eigentümer auftreten könnte und wir weiterhin wie bisher im Nordbecken arbeiten und Veranstaltungen organisieren können.

4) Wie können Einzelne nun etwas für euch tun?

Es wäre toll, wenn jemand uns hilft, der selbst Einfluss hat oder wiederum jemand anderen kennt, der uns helfen kann, beispielsweise die Stadt dazu zu bewegen, mit den Nordbecken Ateliers zusammenzuarbeiten. Wir sind dankbar um jede Unterstützung, die dazu beträgt, die Nordbecken-Ateliers zu behalten.

Wenn ihr den offenen Brief unterstützen möchtet, schreibt eine E-Mail an nordbecken @gmx.net Den offenen Brief findet ihr hier:

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2 thoughts on “Karlsruhe: Stehen die Nordbecken Ateliers vor dem Aus?

  1. Helferlein sagt:

    Eventuell kann eine Mitgliedschaft im größten Verein Karlsruhes – dem Mietvererein – helfen?

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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