3. Juli 2021

Flimmerkasten: “Master of None”

“Master of None”: Eine Serie voller Überraschungen

Als ich vor wenigen Wochen las, dass es eine dritte Staffel von „Master of None“ geben wird, war meine Freude riesig. Die ersten zwei Staffeln um den männlichen Protagonisten Dev (Aziz Ansari) hatte ich so sehr geliebt.

Der Grund: Die Serie schafft es auf besondere Weise, die drängendsten Fragen unserer Zeit in Wohlfühl-Comedy zu packen – mit einer Handlung, die immer wieder überrascht und durch Authentizität überzeugt. Sie hat absolut verdient bereits mehrere Emmys und Golden Globes gewonnen.

Rassismus, Sexismus, Feminismus: Dass all diese Themen in „Master of None“ keineswegs sperrig oder schwer daherkommen, liegt vor allem an Aziz Ansari, der die Serie nicht nur geschrieben und produziert hat, sondern in den ersten beiden Staffeln auch die Hauptrolle spielt. Er hat einen unglaublich lustigen sowie klugen Humor und verarbeitet in der Serie nach eigenen Aussagen viele persönliche Erfahrungen.

Dritte Staffel war lange Zeit unklar

Genau das war aber auch der Grund, warum so lange Zeit unklar war, ob es eine dritte Staffel geben wird. Zum einen sagte Aziz Ansari, dass er alle Geschichten rund um Dating und Beziehungen zunächst auserzählt hat. Zum anderen schlitterte er selbst in einen Sexismus-Skandal. Schlechter Sex oder sexuelle Gewalt? „Die Zeit“ hat zu diesem Fall einen differenzierten Text geschrieben.

Aziz Ansari hat sich zunächst sechs Monate komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dass es nach all dem Aufruhr keine gewöhnliche Staffel mehr geben wird, war klar. Glücklicherweise hat er gemeinsam mit Schauspielerin und Filmproduzentin Lena Waithe nun fünf neue Folgen gedreht – um zwei faszinierende Frauen, die um ihre Ehe kämpfen.

Ein kompletter Bruch zu den beiden Vorgänger-Staffeln – aber ein sehr gelungener. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese Serie im Original zu schauen. In der deutschen Übersetzung verlieren nicht nur die Stimmen an ihrem Charisma, sondern auch die Witze. Hier aber erstmal ein Rückblick:

Master of None – Staffel 1

In der ersten Staffel von „Master of None“ dreht sich alles um Dev und seine Clique, die im bunten New York leben. Dev ist der Sohn zweier indischer Migranten und auch in der Serie ein Schauspieler. In den Folgen geht es häufig darum, welche Schwierigkeiten er hat, Rollen zu finden. Mal wird gefordert, dass er einen indischen Akzent imitiert. Mal wird er komplett aus einem Film geschnitten.

Auch seine Freunde Denise (Lena Waithe) und Arnold haben es nicht immer leicht. Denise ist Afroamerikanerin und queer. Arnold (Eric Wareheim) ist wie ein Teddybär, groß, breit und ein wenig tolpatschig. Ihn neben Dev zu sehen, ist schon ein herrlich komischer Anblick. Immer wieder taucht außerdem der chinesischstämmige Brian Cheng auf.

Es macht riesige Freude, den Freunden zuzusehen, wie sie durch das Leben in Brookyln taumeln. Auf der Suche nach dem besten Taco-Laden und der großen Liebe. Der Gespräche der Crew über Datings sind so authentisch, dass sich jeder Single in ihnen problemlos wiederfindet. Was schreibe ich ihm/ihr zurück, wie lange warte ich, was hat es für eine Bedeutung, wenn ich von jemanden längere Zeit keine Antwort bekomme?

Als Dev der Musikmanagerin Rachel näherkommt, gibt es dazu wunderbare Geschichten aus Nashville und über den Besuch bei ihrer Großmutter im Altenheim.

Auch die Eltern von Dev und Brian finden in der ersten Staffel ihren Platz. Es wird erzählt, wie es ihnen erging, als sie in die USA einwanderten und wie sie sich zurechtfanden. Das sind die großen Stärken von „Master of None“: Interessante und gefühlvolle Einblicke in das Leben von Migranten, die die lustigen Momente perfekt ergänzen.

„Master of None“ – Staffel 2

Voller Überraschungen ist die zweite Staffel von „Master of none“. Sie startet mit einer schwarz-weiß-Folge, die in Italien spielt. Dev lebt für einige Zeit in Modena, einer kleinen romantischen Stadt, in der er einen Pasta-Kurs absolviert und Francesca kennenlernt.

Es ist nicht das einzige Mal, dass Aziz Ansari in dieser Staffel wunderbare Brüche zaubert. Die sechste Folge heißt „New York, I love you“. Es ist eine Liebeserklärung an die Stadt und die Menschen, die in ihr leben. Unter anderem spielt darin ein gehörloses Paar eine Rolle. Während sie zu sehen sind, ist auch die Handlung komplett stumm. Kein Ton ist mehr zu hören – weder der Straßenlärm noch die Geräusche in einem Kaufhaus.

Grandios und zurecht mit einem Emmy ausgezeichnet, ist die achte Folge „Thanksgiving“. Sie erzählt auf gefühl- und humorvolle Weise, wie sich Denise in ihrer Familie outet und welche Schwierigkeiten es gibt. Die Geschichte ist sehr nah an den eigenen Erlebnissen von Lena Waithe angelehnt. Wahrscheinlich wirkt sie deshalb so authentisch und nahbar. Es ist eine perfekte Folge. Besser können Serien nicht sein!

„Master of None“ – Staffel 3

Es ist auch Denise, die in der dritten Staffel die Hauptrolle spielt. Dev taucht nur zweimal als Sidekick auf. Das ist zwar schade, aber die fünf Folgen um Denise und ihre Frau Alicia (Naomi Ackie) sind ebenfalls eine Wucht.

Erneut bricht Aziz Ansari komplett mit der Vorgänger-Staffel. „Moments of Love“, wie der Titel für die dritte Staffel lautet, spielt in einem riesigen Cottage auf dem Land. Die Kulisse ist malerisch, das Haus unglaublich stilvoll eingerichtet. Die gemusterten Tapeten, die Antiquitäten-Möbel zwischen Holzbalken und Kamin, die Bilder an der Wand. Immer wieder verhaftet die Kamera auf Details – wie auf den Bäumen vor dem Haus oder dem Buch „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernadine Evaristo, das ich selbst so sehr liebe.

Insgesamt ist die neue Staffel viel langsamer, entschleunigter, kunstvoller. Aziz Ansari ließ sich von den Filmemachern der 1970er-Jahre inspirieren. Der Schnitt und die Kameraführung sind komplett anders, an manchen Stellen laufen die Protagonisten sogar aus dem Bild. Eine spannende Seherfahrung.

Statt kurzen witzigen Dialogen, lebt die dritte Staffel von ernsthaften Gesprächen. Sie sind aber so kurzweilig und zeitgemäß, dass es keineswegs anstrengend oder langatmig ist.

„Moments of Love“ erzählt davon, wie Denise und Alicia um ihre Liebe kämpfen. Es zeigt, wie schwierig Beziehungen sein können, welche Herausforderungen sie oft ausgesetzt sind und dass sich Menschen immer wieder verändern. Wie gut kenne ich mich selbst, was möchte ich vom Leben? Damit beschäftigt sich „Moments of Love“.

Gibt es eine Staffel 4?

Für Aziz Ansari war es wahrscheinlich nach dem Skandal die beste Entscheidung, diesen Weg zu gehen und zwei beeindruckende Frauen in den Fokus zu rücken. Gleichwohl hoffe ich, dass es eine vierte Staffel geben wird, in der er auch wieder mehr zu sehen ist. Den lebenslustigen und sympathischen Dev habe ich doch ein wenig vermisst. Ich hoffe deshalb sehr auf eine vierte Staffel.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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