27. Dezember 2021

Flimmerkasten: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“ Staffel 1 + 2: eine Serie voller Kitsch, Klischees und Haute-Couture

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und die englische Sprache boykottieren: Die Netflix-Serie „Emily in Paris“ trieft regelrecht vor Klischees und Oberflächlichkeit. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als sei ein quietschbunter Instagram-Filter darüber gelegt worden. Paris leuchtet, blüht und sieht aus wie eine märchenhafte Version ihrer selbst. Die raue Realität: Fehlanzeige!

Halte ich zu viel Kitsch gewöhnlich nur sehr schwer aus, ging es mir bei der Serie um Hauptdarstellerin Lily Collins anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in die Bubblegum-Welt.

„Emily in Paris“ ist Kitsch in Perfektion. Die Serie ist ein wahres Feuerwerk an ästhetisch geschmackvollen Szenen. Die Schauspieler*innen sind durchweg adrett, ihre Kleidung pure Fashion und die Geschichte ist so kurzweilig, dass ein Binge-Watching nur schwer zu verhindern ist. Es ist das beste Kontrastprogramm zu einer pandemiegeplagten Welt.

Kulturschock!

Im Mittelpunkt der Serie steht Emily Cooper. Sie arbeitet bei einer großen Marketingfirma in Chicago und darf für ein Jahr nach Paris, um dort bei einer aufgekauften Agentur nach dem Rechten zu sehen. Die Freude über den Besuch aus den USA ist bei „Savoir“ verhalten. Die bisherige Geschäftsführerin Sylvie (Philippine Leroy-Beaulieu) möchte sich ungern in ihre Geschäfte reinreden lassen.

Dass Emily kein Französisch spricht, erschwert ihr den Start noch mehr. Auch ihre Kollegen Julien (Samuel Arnold) und Luc (Bruno Gouery) reagieren zunächst verhalten auf Emily, die sich aber nicht unterkriegen lässt und um Anerkennung kämpft.

Kommen Emily und Gabriel zusammen?

Natürlich fehlt es in Stadt der Liebe nicht an Romanzen. Eine Etage unter Emilys Wohnung lebt Gabriel (Lucas Bravo). Die Funken zwischen ihnen fliegen bereits bei der ersten Begegnung. Das Problem: Der äußerst attraktive Koch ist mit Emilys neuer Freundin Camille (Camille Razat) zusammen. Ein moralisches Dilemma. Denn Emily sieht nicht nur entzückend aus, sondern ist auch noch nett und möchte ihre Freundin nicht verletzen. Was wird nur passieren?

Luftig-leichte Geschichte!

„Emily in Paris“ verbindet sowohl in der ersten als auch zweiten Staffel wunderschöne Bilder aus Paris, der Champagne und der Cote d’Azur mit einer luftig-leichten Geschichte, die trotz Irrungen und Wirrungen nie schwer wird. Wie sich Emily ihren Lifestyle mit all der Mode überhaupt leisten kann? Ist egal, darum geht es bei dieser Serie nicht. Realismus ist absolut überbewertet.

Die Vorurteile betreffen außerdem nicht nur die Menschen aus Frankreich. In der zweiten Staffel kommt Emilys hochschwangere Chefin zu Besuch. Sie läuft ständig mit dem Plastikbecher von Starbucks durch die Gegend, isst fettige Fritten und hat kein Gespür für die französischen Geschäftsbeziehungen.

Wann kommt Staffel 3?

Nach dem starken Start der ersten Staffel und einem offenen Ende, war ich gespannt, ob es den Produzent*innen gelingt, den Spannungsbogen weiter hochzuhalten. Tatsächlich hat die Serie in Staffel 2 keineswegs an Unterhaltsamkeit eingebüßt. Eine größere Rolle hat nun auch Mindy (Ashley Parker), Emilys Freundin, die als Sängerin durchstarten möchte. Außerdem lernt Emily im Französischkurs Alfie kennen, der kein britisches Klischee auslässt. Natürlich liebt er Bier, Pubs und Fußball.

Schön fand ich außerdem das Finale in Staffel 2. Im Schloss Versaille gibt es eine große Modenschau, bei der Diversität angesagt ist. Die Models haben die unterschiedlichsten Hautfarben, spiegeln die verschiedensten Geschlechtsidentitäten wider und sind keineswegs nur dürr. Orangenhaut ist auf dem Laufsteg zu deutlich zu sehen. Dadurch ist „Emily in Paris“ nicht durchgehend nur oberflächlich, sondern an manchen Stellen auch ein modernes Statement. I like!

Da auch die zweite Staffel offen endet, stehen die Chancen gut, dass es eine dritte Staffel geben wird. Ich bin schon sehr gespannt!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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