16. Mai 2022

Serienkritik: “Workin’ Moms”

Die Netflixserie “Workin’ Moms” zeigt, mit welchen Problemen moderne Frauen kämpfen

Es war zu Beginn meines Studiums, als Pro7 immer dienstags eine Serie zeigte, die ich damals gerne schaute: „Desperate Housewives“. Im Mittelpunkt dieser amerikanischen Produktion stehen vier weiße Frauen aus dem fiktiven Vorort Wisteria Lane, die größtenteils wohlhabende Ehemänner haben, selbst nicht arbeiten, sondern sich um den Haushalt und die Kinder kümmern. Ein bisschen Spannung wird gemixt mit Gossip und Drama. Fertig ist der Spannungsbogen. Damals funktionierte das Konzept prächtig.

18 Jahre später hat sich die Welt zum Glück weitergedreht. Statt den gelangweilten Hausfrauen läuft nun bereits in der sechsten Staffel die kanadische Serie „Workin‘ Moms“ auf Netflix. Auch hier stehen überwiegend weiße Frauen in großen Häusern im Mittelpunkt – dieses Mal beschäftigen sie sich aber nicht vorrangig mit dem Klatsch und Tratsch in der Nachbarschaft, sondern um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das ist zwar an manchen Stellen überspitzt, aber trotzdem äußerst unterhaltsam und sehenswert.

Catherine Reitman hatte die Idee zur Serie

Die Idee für „Workin‘ Moms“ hatte Catherine Reitman. Sie ist selbst Mutter sowie Ehefrau und bringt einige ihrer Erfahrungen in die Serie mit ein. Außerdem verkörpert sie als Schauspielerin die Protagonistin Kate, die versucht, den Alltag als Mutter und erfolgreiche PR-Frau auf die Reihe zu bekommen. Was gar nicht so einfach ist mit sexistischen männlichen Kollegen und den eigenen Schuldgefühlen, nicht ständig bei ihrem Kind zu sein.

Aber nicht nur Kate kämpft mit der Rolle als „Workin‘ Mom“, auch ihr drei Freundinnen Anne (Dani Kind), Frankie (Juno Rinaldi), Jenny (Jessalyn Wanlim) stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen.

Anne ist beispielsweise selbstständige Psychiaterin und nur wenige Monate nach der Geburt ihres zweiten Kindes wieder schwanger. Möchte sie wirklich noch ein drittes Kind? Ist eine Abtreibung moralisch legitim? Diese Frage treibt sie vor allem zu Beginn der Serie um. In späteren Staffeln kämpft sie außerdem mit ihrer ältesten Tochter Alice, die in der Pubertät ein wenig außer Rand und Band gerät.

Die biestige Jenny dagegen hat keine Lust, wieder zu arbeiten und versucht ihren Mann davon zu überzeugen, dass sie länger als vereinbart in Elternzeit bleiben kann. Er wiederum möchte aber selbst Zuhause bleiben und an einem Drehbuch schreiben. Wie werden sie eine Lösung finden?

Auch Frankie läuft neben der Spur. Sie ist eine durchgeknallte Immobilienmaklerin und lebt mit einer Frau zusammen, mit der sie eine gemeinsame Tochter hat. Wenige Monate nach der Geburt leidet Frankie an Depressionen und flüchtet immer wieder vor der Realität, was sowohl ihre Beziehung als auch ihre Arbeit beeinträchtigt.

In der fünften Staffel stößt außerdem Solane (Enuka Okuma) dazu. Sie ist eine toughe Verlegerin, die für ihre Schwester ein Kind ausgetragen hat. Sie wird durch eine Samenspende in der sechsten Staffel nochmals schwanger und bringt einen ganz neuen Aspekt in die Serie.

Kritik wegen fehlender Diversität

Durch diese verschiedenen Protagonistinnen und ihre Perspektiven ist „Workin‘ Moms“ sehr kurzweilig. Vor allem in den USA wird die Serie zwar immer wieder kritisiert, dass sie zu wenig divers ist und besonders privilegierte weiße Frauen in den Mittelpunkt stellt. Jedoch kann ich diese Kritik nicht komplett nachvollziehen. Ja, die Frauen sind alle Akademikerinnen und haben gute Jobs. Aber Jenny ist beispielsweise eine Asian-American und sowohl Frankies Partnerin als auch Solane sind Schwarze Frauen.

Für mich stellt sich vielmehr die Frage: Ist es wirklich die Aufgabe einer Serie, immer alle möglichen Facetten der Gesellschaft darzustellen oder darf sie sich einfach auf einen Schwerpunkt konzentrieren?

Viele interessante Themen in den sechs Staffeln

Außerdem bietet „Workin’ Moms“ thematisch eine große Bandbreite. Dazu gehören unter anderem Abtreibung, Fehlgeburt, das Scheitern von Beziehungen, Überforderung in der Erziehung, Samenspende, Depressionen und die Balance zwischen Karriere und Kind.

Die Folgen der sechs Staffeln sind alle zwischen 20 und 30 Minuten lang und so kompakt, dass die Zeit unfassbar schnell verfliegt. Es ist vor allem eine gelungene Mischung aus Humor und realen Problemen, die für mich „Workin’ Moms“ so sehenswert macht. Außerdem ist die Handlung nicht vorhersehbar, sondern jede Staffel hat ihren eigenen besonderen Schwerpunkt.

An Tiefe mangelt es

Was der Serie definitiv fehlt, ist Tiefe. Themen werden nur oberflächlich angeschnitten. In den kurz geschnittenen Folgen ist für eine intensivere Aufarbeitung von schweren Depressionen oder Fehlgeburten kein Platz. Wer also Ernsthaftigkeit sucht, wird sie bei „Workin’ Moms“ nicht finden. Auch schaue ich die Serie im Original, da ich die deutsche Synchronisation schwierig finde.

Wird es eine siebte Staffel geben?

Für mich ist die Oberflächlichkeit aber kein Grund, die Serie nicht zu mögen. Vielmehr kann ich mit ihr am Feierabend perfekt abschalten und fühle mich wunderbar unterhalten. Und die wichtigen Fragen vieler Frauen meiner Generation trifft sie dennoch. Denn unter ihnen sind fast keine verzweifelten Hausfrauen mehr, sondern überwiegend arbeitende Mütter, die auch häufig mit der richtigen Balance kämpfen.

Es ist deshalb zu hoffen, dass es noch eine siebte Staffel von “Workin’ Moms” geben wird! Vor allem da das Ende der sechsten Staffel völlig offen ist. Gibt es ein Wiedersehen mit Anne? Es wäre wirklich schade, wenn nicht!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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