9. Februar 2024

Rezension: “Der Distelfink” von Donna Tartt

Distelfink

Buchkritik von “Der Distelfink” von Donna Tartt: Wohltat für Herz und Verstand

Eine Wohltat für Herz und Verstand: Donna Tartt hat mich mit ihrem Roman “Der Distelfink” zutiefst begeistert. Entwicklungsroman, Kunst-Krimi, Milieu-Studie: Sie verbindet in ihrer berührenden Geschichte verschiedene Genres. Durch diese Vielseitigkeit sind selbst die mehr als 1.000 Seiten keine Herausforderung für mich gewesen. Einzig das Ende fällt ein wenig ab. Im Gesamten ist das Buch aber großartig! 

Ein Terroranschlag verändert Theos Leben

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Theodore, kurz Theo. Als er als kleiner Junge mit seiner Mutter in einem Museum ist, ereignet sich dort ein Terroranschlag. Seine Mutter stirbt. Damit nicht genug: Der Junge nimmt verbotenerweise ein bedeutendes Gemälde mit aus dem Museum und versteckt es. Es ist ein Wendepunkt in seinem Leben. Mit jedem Jahr, das folgt, kommt er mehr vom geraden Weg ab.

Eine Entwicklungsgeschichte!

13 Jahre alt ist Theo zu Beginn der Handlung, gegen Ende wird er in seinen 20ern sein. Theos Entwicklungsgeschichte zu lesen, ist oft schmerzlich – Ängste begleiten ihn, lähmen ihn. Er kämpft sich durch das Leben. 

Da die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt ist, entwickelte ich schon von der ersten Seite an ein unglaublich enges Verhältnis zu ihm. Aber nicht nur zu ihm: Donna Tartt beschreibt auch die Menschen, denen er begegnet, bis ins kleinste Detail. Sowie die Landschaften, Häuser und Räume in New York und Las Vegas, wo die erste Hälfte des Romans spielt. Ein Kopfkino entwickelt sich dadurch von ganze allein – in den buntesten Farben.

Pulitzer-Preis für den “Distelfink”!

“Der Distelfink” ist außerdem ein Kunstkrimi. Durch den Diebstahl des Bildes rutscht Theo im Laufe der Zeit in schräge Geschäfte und verlässt das seriöse Leben. Das Besondere an diesem Buch ist aber kein überladener Plot. Vielmehr schafft Donna Tartt allein mit ihren ganz alltäglichen Beschreibungen eine unglaubliche Dynamik. Dadurch entsteht eine interessante Milieustudie der modernen amerikanischen Gesellschaft.

Es ist die Kombination all dieser Elemente, die den Roman so interessant und facettenreich machen. Donna Tartt schreibt außerdem so wunderbar einfach, dass ich den “Distelfink” ohne Mühe und Anstrengung lesen konnte – trotzdem aber soviel Interessantes und Kluges erfuhr. Die Amerikanerin hat für diesen Roman den Pulitzer-Preis erhalten. Völlig zurecht.

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3 thoughts on “Rezension: “Der Distelfink” von Donna Tartt

  1. Tina sagt:

    Deine Rezension macht richtig Lust, sofort los zu stürzen, sich das Buch besorgen und sich dann Darin zu vergraben

    Ich glaub, so mach ich’s

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Liebe Tina,
      ja, das kann ich nur empfehlen – das Buch ist einfach wunderbar.
      Viel Freude damit!

  2. Silvana Pasquavaglio sagt:

    Ich habe das Buch erst kürzlich gelesen und war furchtbar enttäuscht.
    Bis zum Ende durchzuhalten, war für mich eine Qual. Das Beste an dem Buch ist der Anfang. Danach wird es beständig schlechter. Vor allem die Figur der Mutter hat mich gefesselt. Leider lässt die Autorin genau diese interessanteste aller Figuren, gleich sterben. Zurück bleibt ein Junge, dessen Gedanken so neunmalklug sind, dass mir schwindlig wird. So spricht und denkt kein 13-Jähriger, behaupte ich. Egal wie klug und gebildet er auch sein mag.
    Die zweite spannende Figur ist der Restaurator. Aber auch er erfährt keine Tiefe. Seine Handlungen, gerade in der zweiten Hälfte, blieben mir unverständlich. Allen Figuren gemein ist eine Lethargie, das Interesse nur an dich selbst oder ihrer Aufgabe. Nähe wird behauptet, gespürt habe ich sie nicht. Die Figuren sprechen nicht miteinander. Überhaupt werden eigentlich alle Figuren wie Marionetten behandelt. Die Autorin benutzt sie, wenn sie sie gerade braucht und hängt sie dann wieder für eine lange Zeit hin.
    Vieles wird langschweifig erklärt, kaum etwas wirklich erlitten.
    Da verliebt sich der Junge beim Anschlag in ein junges Mädchen, das er beim Restaurator wiederfindet und sogleich wieder verliert. Über Jahre ist er dann in einer anderen Stadt und in all der Zeit wird das Mädchen, das ihn ach so tief berührt hat, mit keiner einzigen Zeile mehr erwähnt.
    Dasselbe Verhältnis gibt es dann mit seinem besten Freund. Kaum haben sie sich getrennt, spielt der Freund auch in den Gedanken der Hauptfigur keine Rolle mehr, bis sie sich zufällig wieder begegnen.
    Die Beschreibungen fand ich oft künstlich in die Länge gezogen.
    Man könnte den Roman um die Hälfte kürzen und die Figuren mit mehr Tiefe versehen, dann wäre er lesenswert.
    Wenn ich bedenke, dass die Autorin zehn Jahre, zehn!, mit dem Schreiben des Romans verbracht hat, kann ich nur staunen. Wie hätte sie in dieser Zeit ihren Roman verdichten, den Marionetten Leben einhauchen können, statt sich in selbstgefälligen, nur selten spannenden, Beschreibungen zu ergehen…

    Ich lese jetzt ihren Roman “Die geheime Geschichte”, weil ich verstehen will, was die Leute an ihren Büchern mögen. Aber auch hier, nach einem Drittel, quäle ich mich wieder, weil auch die Figuren dieses Romans so seltsam oberflächlich sind und so durchsichtig erschaffen, um verschiedene Standpunkte darzulegen.
    Ja, die Autorin kann wunderbar mit Worten umgehen. Sie schmeißt sie ja auch nur so um sich… Aber so gut wie nie erreicht sie Tiefe … Und auch für diesen Roman hat sie zehn Jahre verwendet. Ich kann den Hype um sie nicht nachvollziehen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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