Netflix-Serie „Valeria“: Die vierte Staffel überzeugt nochmals
Eheprobleme, kein Geld, eine Schreibblockade: Bei Valeria (Diana Gómez) läuft es alles andere als rund. Nach sechs Jahren ist in ihrer Beziehung mit Adrián (Ibrahim Al Shami) der romantische Funke erloschen, es knirscht ständig zwischen ihnen. Beide kämpfen sie mit ihren kreativen Jobs, er als Fotograf und Kameramann, sie als Schriftstellerin. Als Valeria eines Abends ausgeht und von ihren Freundinnen versetzt wird, trifft sie auf Victor (Maxi Iglesias), der sie auf ganz neue Gedanken bringt – und ihr Leben auf den Kopf stellt.
Auf die spanische Serie „Valeria“ stieß ich zufällig bei Netflix. Basis dafür sind Romane der Autorin Elisabet Benavent. Noch nie hatte ich von „Valeria“ gelesen, noch niemand hatte mir von ihr erzählt. Doch schon nach fünf Minuten war mir klar: Diese Serie, die im pulsierenden Madrid spielt, mag ich, sie ist genau meins.
Insgesamt vier Staffeln gibt es von „Valeria” auf Netflix. Dabei sind die erste und die letzte Staffel am besten. Zwischendurch ist es ein wenig zäh. Am Ende bin ich aber sehr happy damit, wie sich die Figuren entwickeln und wie es ausgeht. Also, wer mit den Staffeln zwei und drei kämpft, nicht aufgeben. Bei „Valeria“ lohnt es sich, bis zum Schluss dranzubleiben.
Netflix-Serie „Valeria“: Worum geht es?
„Valeria“ trifft in allen Folgen genau den Zeitgeist. Die Handlung dreht sich durchweg um all die Dinge, die viele junge Erwachsene nach dem Studium oder der Ausbildung umtreiben. Liebe, Freundschaft, Beruf. Wo soll es hingehen? Wie fühle ich mich mit wem wohl? Valeria hat drei enge Freundinnen, die diesen Prozess auf ganz unterschiedliche Weise durchmachen.
Da ist zum einen die taffe, schöne Lola (Silma López), die zunächst eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat, sich oft cool gibt, aber doch viel verletzlicher ist, als sie zugibt. Auch sie wünscht sich einen Menschen, mit dem sie glücklich sein kann.
Zur Clique gehört außerdem die unsichere Carmen (Paula Malia), die in ihren Kollegen verliebt ist und sich ständig fragt: Mag er mich wirklich? Und auch Nerea (Teresa Riott) ist Teil der Ladiesrunde, sie ist queer, wohnt noch bei ihren konservativen Eltern und ist auf der Suche nach Menschen, die sie verstehen und bei denen sie sich wohlfühlt.
Wo wird „Valeria“ gedreht?
Das Besondere an „Valeria“ ist für mich die Realitätsnähe. Denn die Freundinnen erleben ständig Dinge, die nicht der wirren Fantasie eines Drehbuchautors entsprungen sind, sondern tatsächlich das Leben der Generation Y in der Großstadt repräsentieren. Alle Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. Die Dialoge sind authentisch. Auch die erotischen Szenen wirken nicht abgehoben, sondern natürlich.
Die Serie ist außerdem in wunderschöne Bilder von Madrid eingebettet. Schon beim Zuschauen habe ich Lust bekommen, in diese Welt einzutauchen. Die Cafés, Bars, belebten Straßen und hippen Wohnungen der Protagonisten sind eine Augenweide. Außerdem ist der Modestil von Valeria & Co. fantastisch, allein wegen ihrer Kleider und Frisuren lohnt es sich, die Serie anzuschauen. Eine echte Inspirationsquelle.
„Valeria“: Zweite und dritte Staffel sind ein wenig schwächer
Spielte „Sex and the City“ im noblen Manhattan und war weit weg von meiner Lebenswelt, ist das bei „Valeria“ genau das Gegenteil. Ich konnte in jeder Folge mitfühlen, baute eine unglaubliche Nähe zu den Figuren auf. Fieberte mit Valeria – für welchen Mann wird sie sich entscheiden? Was wird aus ihrem Roman?
Nachdem ich die erste Staffel einfach nur großartig fand, enttäuschten mich Staffel 2 und 3 aber ein wenig. Auch wenn das Damen-Ensemble wieder superstark ist, hat mich das Zusammenspiel von Valeria und Victor irgendwann genervt. Ihre On-Off-Beziehung plätschert vor sich hin, es gibt Irrungen und Wirrungen, die mehr nerven, als dass sie die Handlung voranbringen. Spannung wie in der ersten Staffel kam für mich nicht mehr auf.
In Staffel 3 lernt Valeria auch den Schriftsteller Bruno (Federico Aguado) kennen, der in der verschlafenen Provinz Asturien lebt und bereits eine achtjährige Tochter hat. Zwischen Bruno und Valeria entwickeln sich schnell Nähe und Ernsthaftigkeit – doch immer wieder taucht Victor auf und macht es Valeria schwer. Wie wird sie sich nun entscheiden? Es dreht sich alles ein wenig im Kreis.
Kommen Valeria und Victor am Ende von „Valeria“ zusammen?
Meine Erwartungen waren deshalb gar nicht mehr so groß, als ich vor wenigen Tagen die vierte Staffel von „Valeria“ schaute. Aber dann war ich positiv überrascht. Die letzten sechs Folgen sind toll geworden – bunt, lebendig und wieder so nah dran am realen Leben.
Es ist auch sehr gelungen, wie differenziert die Produzent*innen Carmen als Mutter zeigen. Die innere Zerrissenheit und das Bedürfnis, wieder in den Beruf zurückkehren zu können. Aber gleichzeitig auch die Sehnsucht nach dem Kind. So geht es tatsächlich vielen Müttern, was in Serien oft aber noch verschwiegen wird. Eine Ausnahme: Workin‘ Moms.
Auch Lola und Victor reifen charakterlich in der vierten Staffel. Victor geht tatsächlich zu einer Therapeutin, um über sein destruktives Verhalten zu reden. Das fand ich super. Kommen Valeria und Victor am Ende von „Valeria“ zusammen? Das möchte ich an dieser Stelle nicht spoilern. Aber so viel sei gesagt: Nur durch das ernsthafte Aufarbeiten von Problemen können toxische Beziehungen überwunden werden. Deshalb ist die Entwicklung der Geschichte in „Valeria“ auch so schlüssig und schön zu sehen. Ein wenig musste ich dabei auch an „Nobody wants this“ denken. Endlich schaffen es Serien, Männern mehr Tiefe zu geben und sie dazu zu animieren, in schwierigen Situationen genau hinzusehen.
Selbst wenn „Valeria“ in Staffel 2 und 3 ein paar Schwächen hatte, bin ich insgesamt so froh, diese spanische Serie entdeckt zu haben. Allein wegen der tollen Outfits der Frauen ist sie eine Augenweide. Und dazu dann noch Victor. Hach, ich werde sie mir definitiv nochmals von vorne anschauen.
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