Buchkritik: „Fünf Sommer mit dir“ von Carley Fortune

„Fünf Sommer mit dir“: ein kurzweiliger Liebesroman mit wenig Überraschungen
Gleich zu Beginn muss ich einräumen: Ich bin eine Wiederholungstäterin ohne Lerneffekt. Obwohl ich genau weiß, dass mich klischeehafte Chick-Lit meistens nicht überzeugt, weil alles vorhersehbar ist, greife ich doch immer mal wieder zu den kitschigen Liebesromanen – aus den unterschiedlichsten Gründen. „Fünf Sommer mit dir” von Carley Fortune wurde mir beispielsweise auf Instagram gleich von mehreren Accounts als perfektes Sommerbuch empfohlen. Als ich dann wenige Tage vor meinem Urlaub durch die Bibliothek schlenderte, sah ich das Buch plakativ in einem Regal aufgestellt. Spontan griff ich deshalb zu.
Wie schon bei „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe” und „Book Lovers” hoffte ich vor dem Lesen, dass es hier vielleicht einen interessanten Plot-Twist gibt. Aber Fehlanzeige. Bereits nach wenigen Kapiteln war mir klar, wohin die Handlung führt. In der DNA dieser Bücher sind Überraschungen wohl einfach nicht vorgesehen – zumindest was das Liebespaar betrifft. Im Gegenzug bekommt man eine Geschichte, die sich federleicht durchlesen lässt und völlig unkompliziert ist. Aus dem Buch wird übrigens gerade auch eine Serie – ab wann sie zu sehen ist, ist derzeit aber noch unklar.
Worum geht es in „Fünf Sommer mit dir“?
Die Autorin Carley Fortune hat sich für ihren Roman den idyllischen Ort Barry’s Bay mit seinen 2.000 Einwohner*innen in Kanada ausgesucht. Als ihre Hauptfigur, Persephone, kurz Percy, 13 Jahre alt ist, kaufen ihre Eltern dort ein Ferienhaus, in dem sie immer ihren Sommer verbringen. Zu Beginn ist Percy eine typische Jugendliche, die mit dem Erwachsenwerden und ihrem Aussehen hadert. Sie hat einen abstehenden Pony und fühlt sich absolut nicht wie die Brünette, die sie gerne wäre – im Gegensatz zu ihrer wunderschönen Freundin Deliah. Natürlich ist Percy trotzdem hübsch und hat nie Probleme, die Aufmerksamkeit von Jungs zu bekommen.
Auch die Florek-Jungs sprechen sie an, als sie zum ersten Mal allein an den See in Barry’s Bay geht. Während der 15-jährige Charlie, der “boyband süß” ist, tiefe Grübchen und selleriegrüne Augen hat, ist der 13-jährige Sam zurückhaltend, schlacksig und „seine Beine wirken wie Stolperfallen”.
Sam und Charlie leben das ganze Jahr über in Barry’s Bay. Ihre alleinstehende polnische Mutter betreibt das beliebte Gasthaus „Tavern“, in dem es auch deren berühmten Piroggen gibt. Ihr Vater starb wenige Jahre zuvor an einem Herzinfarkt.
„Fünf Sommer mit dir“: Spoiler tauchen bereits im ersten Kapitel auf
Zwischen Percy und Sam entwickelt sich schnell eine enge Freundschaft. Schon am Anfang ist klar, dass daraus eine Romanze entstehen wird. Denn in „Fünf Sommer mit dir“ springt Autorin Carley Fortune in der Zeit hin und her. Im ersten Kapitel ist Percy nämlich bereits Ende 20, arbeitet als Redakteurin und ist gerade Single geworden. Als sie an einem Abend betrunken von einer Verlobungsfeier nach Hause kommt, erhält sie einen Anruf von Charlie. Er teilt ihr mit, dass seine Mutter gestorben ist und Percy zur Beerdigung kommen soll. Bei Percy kommen die schmerzhaftesten Erinnerungen hoch:
„Es ist jetzt zwölf Jahre her, seit ich Charlie gesehen habe. Zwölf Jahre seit dem verhängnisvollen Thanksgiiving-Wochenende, als das zwischen mir und Sam in die Brüche ging. Als ich alles kaputtmachte.“
Percy denkt nun zurück an die fünf Sommer in ihrer Jugend mit Sam und Charlie. In den nächsten zwei Dritteln des Buches bleibt so wenig Raum für Spannung, wenn es um die Geschichten aus der Vergangenheit geht. Es gibt nur zwei offene Fragen:
- Warum kam es zum Bruch zwischen ihr und Sam (das ist letztlich aber auch schnell klar)?
- Kommen sie durch die Beerdigung wieder zusammen?
Einfache und bildhafte Sprache
Der große Pluspunkt von „Fünf Sommer mit dir“ ist, dass sich das Buch supergut lesen lässt und ein positives Gefühl hinterlässt. Percy leidet zwar an Panikattacken, aber ansonsten halten sich die Probleme stark zurück – zumindest alle, die über das gewöhnliche Teenagersein und Liebeskummer hinausgehen. Auch die Sprache ist typisch für ein Young-Adult-Buch: einfach, bildhaft und ein wenig kitschig.
Carley Fortune verrät im Nachwort, dass sie ein nostalgisches Buch kreieren wollte, da sie selbst als Jugendliche mit ihren Eltern regelmäßig die Sommerferien in Barry’s Bay verbrachte. Während der Corona-Pandemie schrieb sie den Roman am glitzernden See und dachte dabei an tropfende Eiswaffeln und Freundschaftsbändchen. Ihr war es wichtig, dass ihre Liebesgeschichte ein Happy End hat. Das ist ihr gelungen. Dass sie im Vorfeld Bücher von Emily Henry und Jenny Han gelesen hatte, verwunderte mich nicht. Die Bücher haben einfach alle denselben Vibe.
Fazit: Wie finde ich „Fünf Sommer mit dir“?
„Fünf Sommer mit dir“ ist solide Unterhaltungsliteratur. Es enthält genau das, was typischerweiser in Liebesromane steckt: eine sympathische Hauptfigur, die schöner ist, als sie selbst glaubt, einen Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlt, und einige Hindernisse, bis sie am Ende zusammenkommen. Dazu ist die Handlung in eine idyllische Umgebung eingebettet.
Wer also unkomplizierte Stunden mit einer wenig überraschenden Handlung verbringen möchte, ist mit dem Roman von Carley Fortune bestens bedient. Für alle anderen, die unterhaltsame Literatur etwas tiefgründiger mögen, sind „Cleopatra und Frankenstein“ oder „Only Margo“ definitiv empfehlenswerter.
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