28. September 2025

Serienkritik: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“

Rezension der Netflix-Serie: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“: unterhaltsame Serie übers Dating mit kleinen Schwächen

Es ist wirklich verflixt: Amanda (Carla Sehn) ist seit zwölf Jahren Single und hatte seit drei Jahren keinen Sex mehr. Dass sie frustriert ist, ist absolut verständlich. Zwar hat sie viele langjährige Freundinnen und eine enge Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Adina (Moah Madsen). Doch Letztere ist in einer glücklichen Beziehung mit Filip (Isac Calmroth) – Amanda versetzt es immer wieder einen Stich, wenn sie deren Glück sieht.

Amanda gibt nun Vollgas, um endlich einen Freund zu finden. Dass das nicht geradlinig verlaufen wird, verrät bereits der Titel der schwedischen Netflix-Serie „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“. Ich habe die sieben Folgen innerhalb kürzester Zeit geschaut, weil sie unterhaltsam und die Geschichten sehr realistisch sind – auch wenn es kleine Schwächen gibt. Dazu später mehr. Im Englischen heißt die Serie übrigens „Diary of a Ditched Girl“.

Worum geht es in „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“?

Die neue Netflix-Serie ist in der spannenden Kulisse Malmös eingebettet. In der drittgrößten Stadt Schwedens gibt es viele Parks, Kneipen und einen Strand, aber auch viel Kriminalität. All das fängt die Serie wunderbar ein. So trifft die Hauptfigur Amanda gleich zu Beginn der ersten Folge in einem Park auf einen Exhibitionisten. Dass die Serie erst ab 16 Jahren freigegeben ist, liegt vor allem an den vielen freizügigen Szenen.

Vorlage für die Netflix-Produktion ist das gleichnamige Buch von Amanda Romare, eine Art Erfahrungsbericht. Das erklärt auch, warum die Handlung so echt wirkt. Die sieben Folgen erzählen anekdotisch, wie Amanda einen Freund sucht. Dabei steht immer ein bestimmtes Date im Fokus jeder Folge. Mal trifft die 30-Jährige einen Mann beim Feiern, im Café, in der Waschküche oder online über Tinder. Auch bei einem kuriosen Speed-Dating ist sie dabei. Schnell wird klar, dass Amanda bereits mit sehr wenig zufrieden ist. So trifft sie in der ersten Folge einen furchtbar narzisstischen Berater, der zwar viel Geld, aber wenig Empathie hat. Der Sex mit ihm ist lieblos, danach wirft er sie galant raus.

Amanda möchte ihn trotzdem wiedersehen. Sie ist so froh, endlich wieder jemandem körperlich nah gewesen zu sein, dass sie alle Warnsignale übersieht. Ein solch toxisches Verhalten zeigt sie auch bei einigen weiteren Dates. Amanda ergreift oft die Initiative, ist euphorisch und schläft schnell mit den Männern, ohne zu prüfen, ob sie wirklich an ihr interessiert sind. Beim attraktiven Barkeeper Jonte (Adam Dahlström) passiert ihr das gleich mehrmals. Ihre Gedanken kreisen nur noch um die Männer. Vor allem ihre Schwester Amanda kann es irgendwann nicht mehr hören.

Gestörtes Vater-Tochter-Verhältnis

Dass Amanda jedoch auch tieferliegende Probleme damit hat, ernsthafte Beziehungen einzugehen, zeigt sich in ihrem Verhalten gegenüber Emil (Johannes Lindkvist). Ihn kennt sie bereits aus Schulzeiten. Dass er wirkliches Interesse an ihr hat, dringt nicht zu ihr durch. Ständig verdreht sie seine Signale und sabotiert sich damit selbst. Das ist manchmal schon schmerzhaft mitanzusehen.

Es gibt zahlreiche psychologische Studien, die zeigen, dass Töchter, die ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater haben, später in romantischen Beziehungen unsicher sind. Amanda ist ein Paradebeispiel dafür. Denn immer wieder taucht auch ihr Vater Rikard (Torkel Petersson) mit unmöglichem Verhalten in der Serie auf. Ihre Eltern sind bereits seit längerer Zeit getrennt, und ihr Vater lebt mit seiner neuen Frau und deren gemeinsamen Sohn Gustav in einem schönen Haus am Wasser.

Bereits in den ersten Folgen zeigt sich, dass die neue Ehefrau Probleme mit Amanda und Adina hat. Ihr Vater verleugnet seine Töchter immer wieder und steht nicht für sie ein. Außerdem meldet er sich fast nur, wenn er Hilfe braucht.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beziehung zwischen Adina und Amanda. Die beiden Schwestern sind eng miteinander verbunden und betreiben gemeinsam mit ihrer Mutter ein kleines Unternehmen, das kreative Dienstleistungen anbietet. Amanda ist weitaus selbstbezogener als die freundliche und hilfsbereite Adina. Mit der Zeit wird jedoch auch deutlich, dass Adina unter Zwangsstörungen leidet und keineswegs immer glücklich ist, obwohl sie eine harmonische Beziehung mit Filip führt. Diesen Aspekt fand ich ebenfalls sehr interessant. Denn es ist ja keineswegs so, dass ein Partner oder eine Partnerin einen immer rettet.

Fazit: Wie finde ich „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“?

Ich fand es superspannend, „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“ zu schauen. Es gibt wenige Serien, die das Dating so realitätsnah beschreiben. Außerdem sind – wie bei fast allen skandinavischen Serien – die Outfits toll, der Drehort wunderbar und die Schauspieler:innen großartig. Carla Sehn war übrigens auch schon in „Liebe und Anarchie“ zu sehen.

Jedoch ist emotional bei mir der letzte Funke nicht übergesprungen. Das könnte daran liegen, dass die Hauptfigur nur wenig reflektiert – es gibt zumindest kaum Dialoge dazu. Ein Mann spricht sie beispielsweise darauf an, dass sie sehr forsch vorgeht. Dieser Vorwurf trifft Amanda sehr, aber er wird nicht mehr richtig aufgegriffen. Ich hätte ein Gespräch mit einer Freundin darüber interessant gefunden. Außerdem gibt es bei Amanda auch keinen richtigen Lernprozess oder inneres Wachstum. Das fehlte mir.

Auch bei der Thematik mit ihrem Vater bleibt vieles der Interpretation überlassen. Es ist zwar gut, wenn eine Serie nicht alles auf dem Silbertablett serviert, aber ein bisschen mehr Einordnung wäre dennoch wünschenswert gewesen.

Außerdem gibt es ein paar Situationen, die sehr konstruiert wirken. Dass beispielsweise der Barkeeper an Amandas Tisch vom Feuerwerk erzählen muss oder später im Café auftaucht und direkt neben Emil steht – das hätte man vielleicht auch eleganter lösen können.

So hinterlässt die erste Staffel von „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“ keine tiefen Spuren und ein paar Störgeräusche, aber unterhaltsam ist sie allemal. Sie ist vor allem rauer als andere Produktionen zum Thema Dating – dafür ist Malmö eben perfekt als Kulisse geeignet.

Wird es eine zweite Staffel von „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“ geben?

Da die letzte Folge der ersten Staffel mit einem Cliffhanger endet, ist eine zweite Staffel gut möglich. Es hängt wahrscheinlich vom Erfolg der nun erschienenen sieben Folgen ab. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob und wie die Geschichte um Amanda weitergeht.

Weitere skandinavische Serien:

6 weitere tolle skandinavische Serien sind außerdem:
1. Die Patchworkfamilie
2. Mittsommernacht
3. Pörni
4. Everyone but us
5. Borgen
6. Weihnachten zu Hause

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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