29. September 2025

Buchkritik: „Wedding People” von Alison Espach

Buchkritik: „Wedding People" von Alison Espach

Rezension zu „Wedding People” von Alison Espach: ein warmherziges Buch über eine Hochzeitscrasherin

Es ist Liebe nach nur ein paar Seiten: „Wedding People” von Alison Espach schließe ich schnell ins Herz. Ein Instagram-Post hatte mich vor einigen Monaten auf den erfolgreichen Roman aus den USA aufmerksam gemacht. Er war dort ein New-York-Times-Bestseller und hat den „Goodreads Choice Award“ 2024 gewonnen. Damals war „Wedding People“ aber nur im englischsprachigen Original erhältlich. Nun ist es endlich in deutscher Übersetzung erhältlich.

Beim Lesen war meine Überraschung schnell groß. Ich hatte eigentlich eine leichte Lektüre im Stil von „Book Lovers“ erwartet, doch Alison Espach tritt in keine Klischeefallen und hat einen klugen, warmherzigen Roman kreiert, der sich unheimlich gut lesen lässt. Ich freute mich über jeden Satz und wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Der Bestseller aus den USA hat all meine Erwartungen erfüllt – vielleicht sogar noch mehr als das.

Um was geht es in „Wedding People“?

In „Wedding People“ dreht sich alles um Phoebe, die versehentlich eine pompöse Hochzeit crasht. Phoebe ist dabei nur gar nicht in Feierlaune. Sie ist Ende 30 und unglücklich. Denn in den vergangenen Jahren ist bei der Literaturwissenschaftlerin absolut gar nichts nach Plan gelaufen. Ihre Karriere an der Universität stockt. Sie hat seit ihrer Promotion kaum wissenschaftliche Publikationen herausgebracht und bekommt keine feste Stelle angeboten. Außerdem steckt ihr Buch über Jane Eyre seit zehn Jahren in der Endphase und kommt nicht voran.

Auch ihr Privatleben ist aus den Fugen geraten. Die Kinderwunschbehandlung mit ihrem Ehemann Matt schlug nicht an. Es war eine sehr schmerzliche Erfahrung, die ihre Ehe zunächst ins Wanken und schließlich zum Scheitern brachte. Matt verließ sie für eine attraktive Kollegin, die bereits ein Kind hat.

Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass Phoebe in eine Depression schlitterte und jegliche Lebensfreude verloren hat. Als dann auch noch ihr geliebter Kater stirbt, bucht sie ein Zimmer in einem noblen Hotel, packt ein edles grünes Samtkleid ein und beschließt, sich dort mit Schmerztabletten für Katzen das Leben zu nehmen.

Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass sie dort auf eine große, illustre Gesellschaft trifft. Lila und Gary verbringen dort nämlich ihre Hochzeitswoche mit sehr vielen Gästen. Die perfektionistische Lila hat diese Veranstaltung detailreich geplant und eine Million Dollar dafür ausgegeben. Als die zukünftige Braut erfährt, dass Phoebe suizidgefährdet ist, macht sie ihr schnell klar, dass ein Selbstmord am Rande ihrer Hochzeitsfeier keine Option ist – und bindet sie kurzerhand in die Feierlichkeiten ein.

„Wedding People“: schweres Thema federleicht verpackt

Dass es beim Aufeinandertreffen von Phoebe und der bunten Hochzeitsgesellschaft zu einigen kuriosen Vorfällen kommen wird, ist schnell klar. Denn auch wenn die Handlung zunächst schwer klingt, ist “Wedding People” ein wunderbar komisches, feinfühliges und kluges Buch. Alison Espach findet die perfekte Balance. Sie erzählt Phoebes Lebenskrise ohne Drama, aber auch ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Es ist toll zu lesen, wie sich Phoebe nach und nach von alten Mustern befreien kann, alte Erinnerungen neu einordnet und dadurch wieder Lebensmut gewinnt.

Tolle Charaktere in „Wedding People“

Mit ihrem Bestseller beweist Alison Espach auch ein tolles Gespür für ihre Hauptfiguren. Phoebe, Lila und Gary sind keine eindimensionalen Figuren, sondern komplexe Charaktere, die alle auf ihre Art mit Verlusten und Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Von Kapitel zu Kapitel erhält man vor allem ein genaueres Bild von Phoebe. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt und ihr Vater zog sie allein groß. Es war keine glückliche Kindheit. Phoebe fühlt sich deswegen immer seltsam und versucht zwanghaft nach außen, normal zu sein.

„Im Graduiertenkolleg war es nämlich peinlich, normal zu sein. Alle, die Phoebe dort kennenlernte, arbeiteten emsig daran, herrlich verrückt zu sein, und es war tatsächlich beeindruckend, wie gut ihre Kommilitoninnen mit Socken in High Heels aussahen. Phoebe konnte sowas nicht tragen, sie war keine modische Grenzträgerin. Woran das genau lag, wusste sie nicht, vielleicht daran, dass ja niemand merken sollte, wie seltsam sie in Wirklichkeit war. Also zog sie einfach Jeansshorts und Trekkingsandalen an, sobald die Temperaturen über zehn Grad Celsius stiegen. Sie hatte sich noch nie die Haare gefärbt, und als ein Dichter sie mal zu einem Konzert mitnahm, hatte sie keine Ahnung, was sie sagen sollte, außer: Bisschen laut hier.“

Auch die anfangs oberflächlich wirkende Lila wird nicht zur Antagonistin von Phoebe, sondern erhält Tiefe und eigene Beweggründe. Ich fand es toll, dass die Frauen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern in ihrer Unterschiedlichkeit ihren eigenen Raum bekommen.

„Wedding People“ überzeugt mit viel Witz

Auch wenn bereits früh klar ist, wohin die Geschichte am Ende schweben wird, ist „Wedding People” keineswegs so einfach gestrickt wie typische Frauenromane. Alison Espach hat so viele kreative Einfälle für kleine Details: das kuriose Haustier von Garys Tochter, das auf einem Boot stirbt, das Sexting von Garys Schwester oder die witzige Diskussion um die „Urlaube in der Tasse“. Die Autorin findet immer wieder herrlich ungewöhnliche Vergleiche – wie diesen:

„Er legt Lila eine Hand auf den Rücken, und die Geste überrascht Phoebe, auch wenn sie das nicht sollte. Nichts daran ist überraschend, sie sind ein klassisches Älter-Mann-mit-jüngerer-Frau-Pärchen. Gary ist die Bühne und Lila der Kerzenleuchter. Blond und so nigelnagelneu glänzend, dass man meinen könnte, sie hätte noch nie in einem Geschäft einen Laib Brot gekauft. Gary, gutaussehend und solide, ist der Mann, der das Brot aus dem Geschäft mitbringt.“

 Fazit: Wie finde ich „Wedding People“ von Alison Espach?

„Wedding People“ liest sich wie ein perfektes Drehbuch für einen großen Blockbuster. Der Roman ist klug, lehrreich und dabei an vielen Stellen richtig witzig, obwohl er ernsthafte Themen behandelt. Für mich ist „Wedding People“ das Paradebeispiel für gelungene Unterhaltungsliteratur, die ein gutes Gefühl hinterlässt und gleichzeitig viele wichtige Botschaften über das Leben bereithält. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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