Buchkritik: „Single Mom Supper Club“ von Jacinda Nandi

Lohnt sich „Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi? Nein. Eine ehrliche Buchkritik
Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch nach mehr als 200 Seiten zur Seite lege. Normalerweise will ich immer wissen, wie alles endet. Will verstehen, ob sich die Figuren noch entwickeln, ob vielleicht doch noch etwas passiert, das mich berührt oder überrascht. Doch bei „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi blieb dieser Moment aus. Irgendwann fühlte es sich einfach nur noch wie Zeitverschwendung an, ein weiteres Kapitel zu lesen.
Es ist schade, denn am Schreibstil der Autorin lag es nicht – vielmehr am fehlenden Spannungsbogen und einem Humor, der bei mir absolut nicht zündete.
Worum es geht in „Single Mom Supper Club“?
Im Mittelpunkt des Romans stehen vier Frauen um die 40: Antje, Tamara, Kayla und Sad-Lina. Drei von ihnen sind Engländerinnen, eine ist Deutsche – alle sind Mütter, alle sind alleinerziehend, alle irgendwie auf der Suche nach einem Platz im Leben.
Antje, die den Supper Club gegründet hat, arbeitet als Deutschlehrerin und Job-Coach. Sie ist überkorrekt, kontrolliert und streng – selbst mit ihren Freundinnen. Tamara lebt von Mieteinnahmen ihrer alten Wohnung aus London und schläft gelegentlich mit wohnungslosen Männern, die sie vor unter anderem vor McDonald’s trifft. Kayla hangelt sich von einem Mini-Job zum nächsten und hat eine Affäre mit dem Lehrer ihrer Tochter. Und Sad-Lina steckt in einer toxischen Beziehung fest und lässt ihren Sohn schon mal im Flur schlafen.
Über Tamara lernen die Frauen-Gruppe den sogenannten „Cocaine Mom Supper Club“ kennen – eine Gruppe jüngerer Single Moms, die sich als Influencerinnen, Coaches und Vermieterinnen finanzieren. Ihre Gemeinsamkeit: Sie halten alle Kokain für ein akzeptables Abendritual und treffen sich nun regelmäßig.
Sie koksen, und Lexi und Sascha fangen an, Geschichten zu erzählen, die niemand glaubt. Lexi erzählt, dass im ersten Pandemiejahr eine Freundin beim Gesundheitsamt angerufen und gefragt habe, ob nach Pandemiegesetz das Kokstaxi jetzt verboten wäre oder nicht. Sascha erzählt, sie glaubt, dass eine russische Mutter aus der Kita-Eltern-Whatsapp-Gruppe ihren Mann getötet habe. Und die Leiche in Brandenburg begraben hat. Aber als man ihr mehr Fragen stellt, sieht es so aus, als ob der Beweis dafür nur wäre, dass sie eine Datsche hat und gut Periodenblut von Hosen entfernen kann.
„Single Mom Supper Club“: Episoden ohne Zugkraft
Jacinta Nandi erzählt ihre Geschichte in kurzen Episoden. Mal geht es um Spielplatzgespräche, mal um einen Erdbeerhof, Elternabende oder Dating-Desaster. Dazwischen blitzen Themen wie Rassismus, Klassismus und soziale Ungleichheit auf. Alles könnte spannend sein, doch nichts davon fügt sich zu einem größeren Ganzen.
Die Szenen bleiben fragmentarisch. Es entsteht kein Spannungsbogen, keine emotionale Dynamik, keine echte Nähe zu den Figuren. Stattdessen wirkt vieles skurril, manchmal auch schlicht unglaubwürdig. Nur manchmal blitzen tiefergehende Momente auf – meistens wenn es um die Vergangenheit der Frauen geht.
Gleich das erste Kapitel hat mich schon ratlos zurückgelassen: Tamara bringt betrunken einen wohnungslosen Mann zum Supper Club mit, schläft auf der Couch ein – und Antje überlegt, ihn für ein bisschen Vergnügen mit nach Hause zu nehmen. Ich bin irritiert und verstehe nicht, worauf der Roman hinauswill. Leider wurde es nicht besser.
„Single Mom Supper Club“: sprachlich gelungen, inhaltlich kraftlos
Das ist wirklich bedauerlich, denn Jacinta Nandi kann definitiv kurzweilig schreiben. Ihr Stil ist klar, schnell, zugänglich. Sie verarbeitet popkulturelle Referenzen – von Anna Delvey bis „Sex and the City“ – und trifft damit den Zeitgeist. Aber Sprache allein reicht nicht, wenn die Geschichte keine Seele hat.
Weder die Figuren noch ihre Konflikte haben mich emotional erreicht. Statt Empathie blieb bei mir vor allem Distanz. Vielleicht liegt das daran, dass Nandis Roman eine sehr spezielle Berliner Lebenswelt beschreibt, die mit der Realität vieler Alleinerziehender wenig zu tun hat – zumindest kann ich mir das nicht vorstellen.
„Ich bin so eine gute Mama, wenn ich auf Koks bin”, erklärt Sascha. „Fair, diszipliniert, streng, liebevoll. Ich bin wie Heidi Klum, aber Heidi Klum in Amerika.” Sie erzählt, wie sie den Wasserkocher kaputt gemacht hat – es war schon ihre Schuld – und Jochen ihr das Geld dann vom Kindergeld abgezogen hat, und sie dann aus Rache 450 Euro aus seinem Portemonnaie geklaut hat, und er tat so, als ob er nichts bemerkt hätte. Aber abends dann, als der Kleine schlief, hat er sie so hart gefickt, dass sie zwei Tage geblutet hat.
Mein Fazit: Wie hat mir „Single Mom Supper Club“ gefallen?
„Single Mom Supper Club“ ist ein Roman mit Potenzial, der sich leider in Ironie und Überzeichnung verliert. Die Figuren bleiben Karikaturen, die Handlung zerfällt in Anekdoten. Am Ende bleibt kein Gefühl, keine Erkenntnis, nicht einmal der Wunsch, weiterzulesen. Warum das Buch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand? Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht.
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