18. Dezember 2025

Serienkritik: “Weihnachten zu Hause”

Es ist kaum zu glauben: Die dritte Staffel von „Weihnachten zu Hause“ ist perfekt geworden

Meine Angst war in den vergangenen Wochen so groß, dass die dritte Staffel von “Weihnachten zu Hause” auf Netflix eine riesige Enttäuschung sein könnte. Nach dem perfekten Ende der zweiten Staffel mit Johanne und Jonas konnte ich mir nicht vorstellen, dass der Zauber der norwegischen Serie erhalten bleiben kann. Vor allem, da der Trailer bereits verrät, dass sie sich getrennt haben. Ich befürchtete, dass es eine schwache Neuauflage der ersten acht Folgen wird – Johanne datet wieder, alles auf Anfang, alles schon mal gesehen.

Aber nein! Die neuesten acht Folgen von „Weihnachten zu Hause“ sind großartig geworden. Das Wiedersehen mit Johanne ist einfach nur eine Wohltat. Den Macher*innen der Serie ist es gelungen, die Geschichte spannend und mit Tiefgang weiterzuerzählen. Es hakt an keiner Stelle. Dazu später noch mehr.

Was für ein Glück. Schließlich schaue ich die Serie in der Adventszeit bereits seit fünf Jahren immer wieder. Sie ist zu meinem Weihnachtsritual geworden, weil sie auf so wunderbare Weise eine zeitgemäße Liebesgeschichte erzählt – mit viel Herz, Humor, aber ohne Kitsch.

Worum geht es in “Weihnachten zu Hause”?

Die Geschichte beginnt am 1. Dezember, dem ersten Adventssonntag. Johanne (Ida Elise Broch) 30 Jahre alt, Krankenschwester und Single, sitzt bei ihren Eltern am weihnachtlich geschmückten Esstisch – als einzige Erwachsene zwischen den Kindern. Sie habe keinen Platz bei den Älteren verdient, bis sie einen Freund hat, findet ihre Mutter.

Doch Johanne geht es eigentlich gut, nur dass sie bei den Gesprächen im Familien- und Freundeskreis häufig außen vor ist. „Es dreht sich alles um Lover, Kinder, Sex“, erzählt sie den Zuschauenden. Auch an diesem Abend muss sie sich am Esstisch wieder ständig rechtfertigen, keinen Mann an ihrer Seite zu haben. Nach einer Weile platzt ihr der Kragen, Johanne behauptet: „Ich habe einen Freund“. Eine Lüge, die sie nun bis zum 24. Dezember in die Wahrheit umdrehen möchte. Ein skurriler Dating-Marathon beginnt – der zumindest in der ersten Staffel von „Weihnachten zu Hause“ völlig offen endet.

Eine starke Frau steht im Fokus!

Die norwegische Netflix-Serie „Weihnachten zu Hause“ ist perfekt für die Adventszeit. „Hjem til jul“, wie sie im Original heißt, vereint alles, was für eine Serie rund um Heiligabend wichtig ist: ein bisschen Kitsch, Schnee und Zeit mit Freunden sowie der Familie. Doch „Weihnachten zu Hause“ bietet darüber hinaus noch viel mehr: Es ist eine moderne Serie mit einer starken Frau im Mittelpunkt, die sich um ihre Mitmenschen kümmert, für ihre Freunde einsetzt und für die ein Mann zwar wünschenswert, aber nicht alleiniger Lebensinhalt ist. Eine schöne Botschaft.

“Weihnachten zu Hause”: Wunderschöne Kulisse in Røros

Die beiden Marketingstudierenden Amir Shaheen und Kristian Andersen haben „Weihnachten zu Hause“ konzipiert – und dabei auf alles geachtet, was gerade in gesellschaftlichen Diskussionen eine Rolle spielt. Feminismus, gleichgeschlechtliche Liebe und BPoC (Black and People of Color). Als Drehort für „Weihnachten zu Hause“ wählten sie das norwegische Bergdorf Røros, das so hübsch und romantisch aussieht, dass es bereits nach der ersten Folge auf meiner Travel-Liste landete.

Willkommen in der Dating-Hölle!

Ein Date im Escape-Room, beim Skiwandern oder in der Sauna: Johanne lernt in den 23 Tagen, die ihr bis Weihnachten Zeit bleiben, die unterschiedlichsten Männer kennen. Wer schon einmal längere Zeit Single war, weiß, all das, was sie erlebt, ist keineswegs einer wirren Fantasie entsprungen, sondern trifft den Dating-Wahnsinn ziemlich gut. Herrlich anzusehen ist ihre Teilnahme bei einem Speed-Dating, das ein Sammelsurium an ungebundenen Herren zeigt.

Der schwedische Popsänger Felix Sandman ist auch dabei!

Als Johanne durch eine Dating-App auf Jonas (der schwedische Popstar Felix Sandman) trifft, wirbelt er erstmal alles durcheinander. Nur: Er ist noch Schüler und zwölf Jahre jünger. Kann daraus etwas werden?

Es ist schön zu sehen, dass nun immer mehr Serien mit den Klischees brechen, dass der Mann der ältere sein muss – wie in Liebe und Anarchie“ stößt eine Konstellation mit Frau im mittleren Alter und junger Herr zwar auf Schwierigkeiten, bekommt aber durchaus ihre Chance.

“Weihnachten zu Hause”: Die zweite Staffel ist noch besser!

Die zweite Staffel von „Weihnachten zu Hause” knüpft direkt ans Ende der ersten Staffel an und ist sogar noch besser geworden als die erste. Die Themen sind wieder ähnlich, aber dieses Mal stehen Johannes Eltern mehr im Fokus, die große Schwierigkeiten mit ihrer Ehe haben. Außerdem bekommt Johanne einen neuen ulkigen Nachbarn, der mit seiner Tochter in die Wohnung nebenan einzieht. Auch er nimmt an einem Speed-Dating teil, dadurch ergibt sich eine umgedrehte Perspektive – dieses Mal mit einer illustren Auswahl an weiblichen Teilnehmerinnen.

So nah dran am Leben!

„Weihnachten zu Hause“ glänzt nicht mit Innovation oder besonderer Dramatik. An der ein und anderen Stelle wirken die zufälligen Begegnungen auch ein wenig konstruiert. Im Gesamten kann sie jedoch sehr überzeugen – besonders wegen ihrer Authentizität. Die Serie ist so nah an all den lustigen, aber auch traurigen Irrungen und Wirrungen des Lebens, die ich selbst so oft im Freundeskreis miterlebt habe, dass es sich anfühlt, als sei Johanne ein Teil davon.

Außerdem sind die Charaktere sehr bunt und liebenswürdig geraten. Wie Johanne im Club abstürzt, eines ihrer Dates mit einer Rentier-Allergie endet oder ihr neuer Nachbar schief in der Kirche singt: Das ist alles so schräg, aber immer mit Herz und ohne die Figuren ins Lächerliche zu ziehen.

“Weihnachten zu Hause”: Die dritte Staffel ist am besten

Es war eine mutige Entscheidung, die norwegische Serie nach fünf Jahren noch einmal fortzusetzen. Aber es war die richtige. Johanne und Jonas haben sich inzwischen getrennt – nicht aus mangelnder Liebe, sondern weil Johanne keine Kinder möchte (es ist toll, dass es ausgerechnet die ältere Frau ist, die keine Familie gründen mag und nicht umgekehrt). Johanne ist nun in der ersten Folge der dritten Staffel schon fast ein Jahr Single und ohne Sex – ein Goldmönch, wie ihre neue Kollegin Vera sagt.

Johanne tut sich schwer, einen neuen Mann in ihr Leben zu lassen. Es passiert jedoch auch ansonsten viel in ihrem Leben. Sie hat sich als Stationsleiterin im Krankenhaus beworben, bekommt die Stelle und muss sich nun in der Probezeit beweisen. Außerdem steht ihre Schwester Maria kurz vor dem Burnout. Sie ist mit der Betreuung ihrer drei Kinder, dem dazugehörigen Mental Load und der mangelnden Unterstützung ihres Mannes unglücklich – sie verschwindet deshalb kurz vor Weihnachten einfach in die Berge. Und Johanne muss ihre Aufgaben für das Schulmusical der drei Neffen übernehmen.

Dort lernt sie dann aber einen geschiedenen Vater kennen, mit dem sie sich verabredet (kein Hot Dad, sondern Soft Dad). Außerdem versteht sie sich von Folge zu Folge besser mit dem Schreiner Bo, der ihre Küche ganz dringend bis zum 24. Dezember renovieren soll. Denn an Heiligabend möchte Johanne ihre ganze Familie zu sich nach Hause einladen. Doch der Zeitplan ist tough – und dann verabschiedet sich auch noch ihre Mutter mit ihrem neuen Verlobten nach Spanien, und Johanne läuft in der Stadt zufällig Jonas über den Weg. Es ist also viel los.

Aber all diese Geschichten werden so liebevoll und realistisch erzählt. Es ist solch eine moderne Familiengeschichte, weil verschiedene Lebensentwürfe und Perspektiven ihren Platz finden. In den sozialen Medien wird nun häufig kritisiert, dass der Herzinfarkt von Johanne unglaubwürdig ist – vor allem, da sie kurz danach durch den Flughafen sprintet. Ja, tatsächlich, darüber stolperte ich auch kurz. Aber es spielte für mich letztlich keine so große Rolle. Der Herzinfarkt stand für mich symbolisch dafür, dass sich Johanne die ganze Weihnachtszeit für andere übernommen hat, sich keine Auszeit gönnte und eben von ihrem Körper gestoppt wurde.

Dass sie danach Bo verzweifelt sucht und deshalb in Eile ist, passt eben dann wieder zum großen Finale – und welche Serie kommt bitte nicht ohne Logikfehler aus. Obwohl ich ansonsten überhaupt kein Fan von Weihnachtsserien oder großen Gefühlen bin, haben mich die neuen acht Folgen sehr oft berührt. Ich habe es so sehr genossen, jede einzelne zu schauen, und bin so glücklich darüber, dass es dieses Wiedersehen mit Johanne gibt – gerne in einer vierten Staffel noch mehr davon.

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3 thoughts on “Serienkritik: “Weihnachten zu Hause”

  1. Petra sagt:

    Die schönste Weihnachtsserie ever!!!!

    Jedes Jahr ein Muss “Weihnachten zu Hause “.
    Ich habe den 3. Teil der Serie herbeigesehnt. Johanne und all die Dramen rund um ihr Leben und ihre Familie …ICH LIEBE SIE!!!!!
    Ich habe den 3. Teil samt der 8 Folgen hintereinander in einem Stück geschaut und war seeehr glücklich, dass es ein Happy End gab. So ein warmer zu Herzen gehender Film.
    Ich danke den Filmemachern vielmals.

  2. Mik sagt:

    Ich liebe die Serie auch sehr und gucke sie jedes Jahr von vorn. Was mich allerdings sehr an der 3. Staffel stört, sind die neuen deutschen Synchronsprecherinnen von Johanne und ihrer ehemaligen Chefin. Die Stimmen fand ich zuvor deutlich passender.
    Am Ende stellte ich mir zudem die Frage: Will Bo auch keine Kinder oder kommt sie jetzt auch mit ihm in diese schwierige Lage?
    Vielleicht habe ich das zuvor aber auch nur in einem Dialog überhört.

    Insgesamt trotzdem eine gelungene Staffel!

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Das mit den Stimmen kann ich leider gar nicht beurteilen, weil ich die Serie im norwegischen Original mit Untertitel schaue. :) Und wegen Bo: Das ist tatsächlich unklar. Aber auch das fand ich nicht störend. Also sie hatten ja keine klassischen Dates und kommen erst ganz am Schluss zusammen – für eine mögliche vierte Staffel ein guter Cliffhanger. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass die Macher*innen nochmals dieses Kinderthema dann als Trennungsgrund nehmen würden. Dazu waren die drei Staffeln zu abwechslungsreich. Ich fand es einfach schön, dass Johanne und Bo am Ende zu sich gefunden haben und ihre Familie ihre Wertschätzung gezeigt hat. :)

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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