26. Dezember 2025

Serienkritik: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“: Die fünfte Staffel ist eine große Enttäuschung!

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und konsequent Englisch boykottieren: „Emily in Paris“ bedient Klischees nicht nur, die Netflix-Serie zelebriert sie regelrecht. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als hätte jemand einen quietschbunten Instagram-Filter darübergelegt. Paris leuchtet, blüht und erscheint wie eine märchenhafte Version seiner selbst. Die raue Realität? Fehlanzeige.

Zu viel Kitsch halte ich normalerweise nur schwer aus. Bei „Emily in Paris“ ging es mir – überraschenderweise – anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in diese bonbonfarbene Bubblegum-Welt hinein.

Doch wie so oft bei Serien, die vor allem von Oberfläche leben, nutzte sich auch hier der Effekt schnell ab. Was anfangs noch leicht, verspielt und charmant wirkte, verlor mit jeder weiteren Staffel an Substanz. In der dritten Staffel und der erste Hälfte der vierten ließ die Spannung bereits spürbar nach – die Geschichten wiederholten sich, die Konflikte wirkten zunehmend konstruiert.

In den letzten fünf Folgen der vierten Staffel keimte mit Marcello kurz Hoffnung auf: Neue Gesichter und neue Schauplätze brachten Bewegung in Emilys Leben. Das endlose Drama um Gabriel und Camille trat endlich etwas in den Hintergrund. Umso größer ist nun die Enttäuschung über die fünfte Staffel. Bereits ab der zweiten Folge kämpfte ich mit dem flachen Spannungsbogen und den schwachen, lieblos erzählten Geschichten. Vieles davon ist schlicht langweilig. Doch dazu später mehr.

Um was geht es in “Emily in Paris”?

Im Mittelpunkt der Serie steht Emily Cooper. Sie arbeitet bei einer großen Marketingfirma in Chicago und darf für ein Jahr nach Paris, um dort bei einer aufgekauften Agentur nach dem Rechten zu sehen. Die Freude über den Besuch aus den USA ist bei „Savoir“ verhalten. Die bisherige Geschäftsführerin Sylvie (Philippine Leroy-Beaulieu) möchte sich ungern in ihre Geschäfte reinreden lassen.

Dass Emily kein Französisch spricht, erschwert ihr den Start noch mehr. Auch ihre Kollegen Julien (Samuel Arnold) und Luc (Bruno Gouery) reagieren zunächst verhalten auf Emily, die sich aber nicht unterkriegen lässt und um Anerkennung kämpft. Eine größere Rolle hat auch Mindy (Ashley Parker), Emilys Freundin, die als Sängerin von Staffel zu Staffel erfolgreicher wird.

Kommen Emily und Gabriel zusammen?

Natürlich fehlt es in der Stadt der Liebe nicht an Romanzen. Eine Etage unter Emilys Wohnung lebt Gabriel (Lucas Bravo). Die Funken zwischen ihnen fliegen bereits bei der ersten Begegnung. Das Problem: Der äußerst attraktive Koch ist mit Emilys neuer Freundin Camille (Camille Razat) zusammen. Ein moralisches Dilemma. Denn Emily sieht nicht nur toll aus, sondern ist auch noch nett und möchte ihre Freundin nicht verletzen. Was wird nur passieren?

“Emily in Paris”: luftig-leichte Geschichte!

„Emily in Paris“ verbindet in allen vier Staffeln wunderschöne Bilder aus Paris, der Champagne, der Cote d’Azur und der Provence mit einer luftig-leichten Geschichte, die trotz Irrungen und Wirrungen nie schwer wird. Wie sich Emily ihren Lifestyle mit all der Mode überhaupt leisten kann? Ist egal, darum geht es bei dieser Serie nicht. Realismus ist absolut überbewertet.

Die Vorurteile betreffen außerdem nicht nur die Menschen aus Frankreich. In der zweiten Staffel kommt Emilys hochschwangere Chefin Madeline (Kate Walsh) zu Besuch. Sie läuft ständig mit dem Plastikbecher von Starbucks durch die Gegend, isst fettige Fritten und hat kein Gespür für die französischen Geschäftsbeziehungen.

Außerdem lernt Emily im Französischkurs den Engländer Alfie (Lucien Laviscount) kennen, der kein britisches Klischee auslässt. Natürlich liebt er Bier, Pubs und Fußball.

“Emily in Paris”: Neuer Wind in Staffel 4

Im Gegensatz zur zweiten tut sich in der dritten Staffel zunächst nicht viel Spektakuläres. Auch die ersten fünf der insgesamt zehn Folgen der vierten Staffel brachten kaum Neues. Es geht hin und her zwischen Camille, Gabriel und Emily.

Doch ab der sechsten Episode kommt endlich frischer Wind in die Netflix-Serie. Sylvies Stief-Tochter Genevieve (Talia Besson) kommt nach Paris und fängt in der Agentur an. Obwohl sie Emily zunächst freundlich begegnet, wird schnell klar, dass sie ein Auge auf Gabriel geworfen hat.

Emily lernt außerdem beim Skifahren in Megève den Italiener Marcello (Eugenio Franceschini) kennen. Die beiden tauschen zunächst keine Nummern aus, sehen sich aber kurze Zeit später bei einem Poloturnier zufällig wieder. Es funkt. Emily fliegt nach Rom, um Marcellos Heimat kennenzulernen.

Die Konsequenz: Statt Paris wird nun die italienische Hauptstadt perfekt in Szene gesetzt – das leckere Essen, eine Vespa-Fahrt um das Colloseum, die Spanische Treppe, der Trevi-Brunnen. Es ist wie ein Imagefilm, der unheimlich viel Lust macht, mal wieder nach Rom zu fahren.

Auch in der vierten Staffel sind die Outfits wieder ein Traum, die Besetzung bleibt vielfältig und die Ideen kreativ. Selbst wenn die Werbung nicht auffälliger sein könnte (Air France, Vestiaire Collective, Samsung), stört mich das überhaupt nicht, denn “Emily in Paris” ist einfach bunt, überdreht und inspirierend.

Staffel 5 von “Emily in Paris” und “Emily in Rom”: langweilig

Die fünfte Staffel ist nun in zwei Teile gegliedert. Die erste Hälfte spielt in Rom, die zweite wieder in Paris. Ich hatte mich riesig gefreut, dass nun die italienische Hauptstadt nun wieder im Zentrum steht. Aber irgendwie zündet der Funke von Anfang an nicht. Emily versucht, das Familienunternehmen von Marcello zu vermarkten – kämpft dabei aber vor allem mit dessen konservativer Mutter. Später hilft sie ihm in Paris, seine eigene Marke zu etablieren, was auch mit einigen Hindernissen verbunden ist.

Dazu kommen die vielen unlustigen und schlecht erzählten Geschichten. Es sind dieses Mal viel zu viele kleine Handlungsstränge, die manchmal ganz versanden oder scheinbar beliebig später wieder aufgegriffen werden. Die Affäre von Alfie und Mindy beispielsweise setzt an, bricht abrupt ab und flammt dann wieder auf. Die Story von Sylvie und Beau ist völlig unglaubwürdig, wenig witzig und unnötig. Was sollte außerdem die Folge mit dem Diplomaten in der Botschaft? Zudem wimmelt es von unrealistischen Zufällen (eine Verleumdungsklage wird bei einer Pressekonferenz zugestellt – klar, in Venedig steht der Veranstaltungsort der Modenschau plötzlich unter Wasser und alle tragen Gummistiefel, ah ja, gab es keine Wetterprognose?).

Ein spannender Handlungsstrang bleibt dagegen aus. Ich fragte mich bereits nach drei Folgen, wohin diese Staffel eigentlich gehen soll. Gabriel taucht nur sporadisch auf. Er ist es aber, der am Ende der letzten Folge wenigstens wieder ein bisschen Leben in die Serie bringt.

“Emily in Paris”: Staffel 6 muss dringend besser werden

Am Ende bleibt vor allem Ratlosigkeit darüber, was „Emily in Paris“ noch erzählen mag. Entweder sorgen die Macher*innen in der sechsten Staffel für ein Happy End von Emily und Gabriel oder sie liefern noch einmal wirklich interessante Folgen – Weihnachten zu Hause oder „Ginny & Georgia“ haben schließlich gezeigt, dass sich Netflix-Serien mit der Zeit sogar steigern können. Dafür müssten sie sich jedoch weiterentwickeln und einen anständigen Plot haben. Genau das fehlt der fünften Staffel von „Emily in Paris“ fast vollständig – nur den Drehort zu wechseln, reicht schlicht nicht aus.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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