„Hallo, du Schöne“-Rezension: toller Familienroman mit kleinem Minuspunkt
Manche Bücher finde ich in Buchhandlungen, andere auf Instagram – und manche auf Barack Obamas Leseliste. Dort begegnete mir auch „Hallo, du Schöne“ von Ann Napolitano. Da mich Obamas Empfehlungen („Der Gott des Waldes“ von Liz Moore und „Intermezzo“ von Sally Rooney beispielsweise) bislang selten enttäuscht haben, wollte ich den Roman unbedingt lesen.
Schon nach wenigen Seiten war klar: Dieses Buch vereint tatsächlich wieder vieles von dem, was ich an Familienromanen liebe. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und begleitet ihre Figuren durch die unterschiedlichsten Lebensphasen. Dadurch entsteht viel Raum für Entwicklungen, Veränderungen und die kleinen wie großen Brüche, die ein Leben prägen. Entsprechend schnell war ich in der Geschichte angekommen – und hatte das Buch nur wenige Tage später bereits ausgelesen. Jedoch gibt es einen kleinen Kritikpunkt, dazu aber später mehr.
Worum geht es in „Hallo, du Schöne“?
Im Mittelpunkt von „Hallo, du Schöne“ stehen die vier Padavano-Schwestern Julia, Sylvie, Cecelia und Emeline, die in Chicago aufwachsen. Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, bilden sie eine feste Einheit. Das liegt auch daran, dass ihre Eltern zwar noch zusammenleben, aber vor allem ihre Mutter Rose damit hadert, dass ihr Ehemann Charlie nicht ehrgeizig ist, sondern oft genügsam in seinem Sessel sitzt, Bücher liest und gerne auch Alkohol trinkt.
Besonders die beiden älteren Schwestern Julie und Sylvie prägen den Roman. Julia ist enorm zielstrebig und überzeugt davon, dass sich ein gutes Leben ganz genau planen lässt. Sie ist außerdem immer für ihre jüngeren Geschwister da und hilft bei jedem Problem.
Sylvie dagegen liebt Bücher über alles, glaubt an die eine erfüllende, romantische Beziehung und betrachtet die Welt mit einer größeren Offenheit und Sensibilität als ihre Schwester. Während Julia nach vorne strebt, sucht Sylvie eher nach Bedeutung. Ihre Verbindung zueinander ist aber dennoch unglaublich stark.
Als Julia an der Universität William kennenlernt, scheint er perfekt in ihre Zukunftspläne zu passen. Er ist intelligent, talentiert und erfolgreicher Basketballspieler. Schnell wird er Teil der Familie und gewinnt auch die Herzen der anderen Schwestern. Doch hinter seiner ruhigen Fassade trägt William eine tiefe Traurigkeit mit sich, die bis in seine Kindheit zurückreicht. Während Julia diese lange nicht wahrhaben möchte, erkennt Sylvie früh, wie verletzlich er tatsächlich ist.
Hallo, du Schöne“: ein Roman, der sich leicht lesen lässt
Die größte Stärke von „Hallo, du Schöne“ liegt für mich in seiner Erzählweise. Ann Napolitano schreibt klar und unaufgeregt, ohne dabei oberflächlich zu werden. Von der ersten Seite an entwickelt der Roman einen Sog, der mich mühelos durch die Geschichte trägt.
Besonders gelungen ist die Konzeption der vier Schwestern. Jede von ihnen blickt anders auf die Welt, trifft andere Entscheidungen und verfolgt eigene Wünsche. Trotzdem bleibt die Verbindung zwischen ihnen über Jahrzehnte hinweg spürbar. Gerade diese Dynamik macht den Roman so lebendig.
Dabei verhandelt Ann Napolitano viele große Themen: Depressionen, familiäre Verantwortung, Krankheit, Mutterschaft, Verlust und die Frage, wie sehr unsere Herkunft unser Leben bestimmt. Durch die wechselnden Perspektiven werden Ereignisse immer wieder neu beleuchtet, wodurch ein vielschichtiges Bild der Figuren entsteht.
Gleichzeitig blieb bei mir trotzdem eine kleine Distanz bestehen. Die zahlreichen Zeitsprünge sorgen zwar für Dynamik, nehmen manchen Entwicklungen aber auch etwas von ihrer Intensität. Immer wieder hätte ich mir gewünscht, länger bei einzelnen Momenten und Konflikten zu verweilen. Manche emotionalen Wendepunkte ziehen erstaunlich schnell vorbei oder kratzen nur an der Oberfläche.
Vielleicht hat mich der Roman deshalb nicht ganz so tief berührt wie Bücher wie „Ein wenig Leben“, „Demon Copperhead“ oder „Was ich liebte“. Trotzdem habe ich ihn ausgesprochen gerne gelesen.
Fazit: Wie finde ich „Hallo, du Schöne“?
„Hallo, du Schöne“ ist ein warmherziger Familienroman über Geschwisterliebe, Verlust und die Menschen, die uns ein Leben lang prägen. Ann Napolitano erzählt mit viel Feingefühl von den Verbindungen, die Familien zusammenhalten – und von den Rissen, die manchmal trotzdem entstehen.
Es ist kein Buch, das mich vollkommen überwältigte und tiefe Tiefen hinterlässt, aber eines, das mich über viele Seiten hinweg sehr gut unterhalten hat.
4,5 von 5 Sternen.








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