Buchkritik: „Yesteryear“ von Caro Claire Burke

Buchkritik: „Yesteryear“ von Caro Claire Burke

Es gibt derzeit wohl kaum ein Buch, das in meiner Millennial-Bubble so intensiv diskutiert wird wie „Yesteryear“ von Caro Claire Burke. Ihr Debütroman dreht sich um die fiktive amerikanische Tradwife Natalie. Auf Instagram folgen ihr zehn Millionen Menschen. Dort präsentiert sie das perfekte Leben auf einer abgelegenen Rinderfarm in Idaho: Sie backt Sauerteigbrot, versorgt ihre „Ladies“ (so nennt sie ihre Hühner) und unterrichtet ihre Kinder selbstverständlich zu Hause.

Doch die perfekte Fassade hat Risse. Auf den Bildern unsichtbbar: die Nannys, die Produktionsassistentin und die Eheprobleme mit ihrem Mann Caleb. Eines Morgens wacht Natalie plötzlich im Jahr 1855 auf. Aus der romantisierten Farm-Idylle wird ein gnadenlos harter Alltag, in dem jeder Tag ums Überleben kreist. Wie ist sie dort gelandet? Und warum? Genau diese Fragen haben mich in kürzester Zeit durch den Roman gezogen. Trotz des spannenden Plots konnte mich „Yesteryear“ am Ende allerdings nicht vollständig überzeugen. Warum? Dazu später mehr.

Worum geht es in „Yesteryear“?

Im Mittelpunkt steht Natalie, die mit ihrer Schwester bei einer streng christlichen, alleinerziehenden Mutter in einer Kleinstadt Idahos aufwächst. Obwohl sie hochbegabt ist und einen Studienplatz in Harvard erhält, träumt sie nie von einer großen Karriere. Ihr Wunsch ist ein klassisches Familienleben: ein Ehemann und Kinder. Mit ihren liberalen Kommilitoninnen fühlt sie sich deshalb oft fremd – besonders mit ihrer Mitbewohnerin Rina gerät sie immer wieder aneinander.

Schon nach zwei Semestern bricht Natalie ihr Studium ab und heiratet Caleb, den Sohn eines Senators, den sie bei einem Bibelkreis kennengelernt hat. Beide teilen konservative Werte. Doch kurz nach der Hochzeit erkennt Natalie, dass Caleb weder ehrgeizig noch besonders verantwortungsbewusst ist. Eine Scheidung kommt für sie dennoch nicht infrage. Also übernimmt sie selbst die Kontrolle: Mit finanzieller Unterstützung ihres Schwiegervaters kauft sie eine Rinderfarm und versucht, ihren Traum vom traditionellen Familienleben mit aller Kraft aufrechtzuerhalten – auch wenn dieser längst nur noch Fassade ist.

Als die Ranch kaum Gewinn abwirft, entdeckt Natalie Instagram als Einnahmequelle. Unter perfekt inszenierten Bildern verkauft sie ihren Followern den Traum vom einfachen Landleben und vermarktet passende Produkte in ihrem Onlineshop. Hinter den Kulissen sieht die Realität allerdings ganz anders aus. Je erfolgreicher Natalie wird, desto größer wird der Spagat zwischen ihrem öffentlichen Image und ihrem tatsächlichen Ich – bis alles außer Kontrolle gerät.

„Yesteryear“: „Ballerina Farm“ als Vorbild

„Yesteryear“ orientiert sich unverkennbar an realen Vorbildern wie Hannah Neeleman und ihrem Account „Ballerina Farm“. Caro Claire Burke zeigt eindrucksvoll, wie sorgfältig ein scheinbar perfektes Leben in den sozialen Medien inszeniert wird. Wer mehrere Kinder hat, täglich frisch backt, einen Bauernhof bewirtschaftet und dabei stets makellos aussieht, erhält häufig Unterstützung im Hintergrund. Genau diese bleibt auf Instagram unsichtbar. Das kann Erwartungen erzeugen, an denen vor allem Mütter leicht scheitern. 

Auch die Zeitreise hat mich lange gefesselt. Ich wollte unbedingt verstehen, warum Natalie im Jahr 1855 landet. Das Problem: Im letzte Drittel überschlagen sich plötzlich die Ereignisse, während einige spannende Entwicklungen nur noch angerissen werden. Gleichzeitig nimmt sich der Roman zuvor sehr viel Zeit für Natalies Studienjahre und ihre ersten Ehejahre. Für mich gerät dieses Verhältnis etwas aus dem Gleichgewicht. Entweder hätte die erste Hälfte etwas gestrafft werden können oder das Buch hätte 50 bis 100 Seiten mehr gebraucht.

Fazit: Wie finde ich „Yesteryear“?

„Yesteryear“ ist ein äußerst unterhaltsamer Roman, den ich innerhalb kurzer Zeit verschlungen habe. Caro Claire Burke schreibt flüssig, anschaulich und greift mit der Tradwife-Bewegung ein hochaktuelles Thema auf. Besonders gelungen finde ich den Blick hinter die perfekte Social-Media-Fassade. Schade ist nur, dass der Roman zum Ende hin etwas überhastet wirkt. Trotzdem ist „Yesteryear“ für mich eine klare Leseempfehlung – spannend, klug beobachtet und entlarvend.

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