3. April 2013

Schmöker: “Léon und Louise” von Alex Capus

Verliebt vor Beginn des Krieges

Es ist eine Begegnung, die zwei Leben prägt: Louise trägt eine rot-weiß gepunktete Bluse und fährt auf einem alten, rostigen Herrenfahrrad umher, als Léon sie zum ersten Mal sieht.  Der junge Soldat  verliebt sich sofort in sie. Es ist jedoch gerade der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Keine gute Ausgangsbedingung für die Liebe. Ein Bombenhagel trennt sie auf tragische Weise. Aber Léons und Louises Zuneigung ist tief und überdauert viele Jahrzehnte – trotz zahlreicher Widrigkeiten.

“Léon und Louise” bekam ich zu Weihnachten geschenkt. Zuerst hatte ich den Roman  auf meinen riesigen Stapel an ungelesener Bücher abgelegt, dann griff ich aber doch bereits nach wenigen Wochen danach – und las es letztlich rasend schnell. Weiterlesen »

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20. März 2013

Schmöker: “Tausend strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini

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Es ist der Selbstmord ihrer Mutter, der das Leben von Mariam gehörig durcheinanderwirbelt. Sie ist gerade 15 Jahre alt, unehelich geboren und wird mit dem Schuhmacher Rashid verheiratet. Er ist 30 Jahre älter, lebt in Kabul und neigt zur Gewalt. Nach einigen Jahren nimmt er sich eine zweite Frau: Laila. Sie verlor ihre Eltern bei einem Bombenangriff.  Rashid tyrannisiert die beiden Frauen. Sie aber verbünden sich – gegen ihren aggressiven Ehemann und den Taliban-Terror.
Von Khaled Hosseini las ich bereits vor Jahren “Drachenläufer”, auch den Film sah ich dazu.  Die Geschichte um eine Freundschaft zwischen zwei Jungen in Afghanistan berührte mich sehr. “Tausend strahlende Sonnen” bekam ich zum Geburtstag geschenkt. Viele Wochen stand es im Regal, bis ich es Ende 2011 endlich in die Hand nahm, dann aber  nicht mehr davon lassen konnte.
Hosseinis Schreibstil ist sehr angenehm. Sehr detailreich beschreibt er das Leben in Afghanistan – in der Provinz, wo Mariam aufwächst, in Kabul, wo die Handlung später spielt.  Es ist ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick in das Herz des geschundenen Landes.
Auch das politische Geschehen bringt der Autor dem Leser näher. Über Jahrzehnte zieht sich die Geschichte um die Freundschaft von Mariam und Laila. So erfuhr ich, wie das Leben der Menschen unter den Sowjets war und wie unter den Taliban.
Ich fand es zutiefst deprimierend zu lesen, wie viel sich für die Frauen in den Jahren unter den Taliban verschlechtert hat. Die Chance zur Schule zu gehen, zu studieren, sich gegen einen gewalttätigen Mann zur Wehr zu setzen – alle möglichen Rechte wurden beschnitten.  Es machte mich streckenweise richtig wütend, diese Ungerechtigkeiten zu lesen.  Die Situation in dem Land scheint so verfahren, aussichtslos. Viel habe ich nach dem Lesen darüber nachgedacht.  Das aktuelle politische Geschehen nehme ich seither anders wahr, bin bei der Bewertung oft hin- und hergerissen.
Im Februar 2012, kurz nachdem ich das Buch gelesen hatte, war ich beim Deutschen Medienpreis in Baden-Baden. Dort erlebte ich Sakena Yacoobi. Sie hat durch ihr Bildungsinstitut in Afghanistan vielen Frauen und Mädchen eine Lebenspersektive geschenkt – inmitten des Terrors. Dafür wurde sie ausgezeichnet. Ihr Engagement beeindruckte mich. Ich hoffe sehr, dass das Land nach dem Abzug der westlichen Soldaten nicht völlig im Chaos versinkt und möglichst viele Frauen ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

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12. März 2013

Schmöker: “Der weiße Tiger” von Aravind Adiga

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Vom Sohn eines armen Rikschafahrers zum Denker und erfolgreichen Unternehmer: Der Inder Balram Halwai erzählt in sieben Nächten seine Lebensgeschichte – mittels Briefen an den chinesischen Ministerpräsidenten. Er berichtet, wie er als junger Mann den Sprung aus einem kleinen Dorf nach Delhi schaffte, dort reiche Männer im Honda durch die Großstadt fährt und dabei zum Mörder wird.

“Der weiße Tiger” wurde mir von einer Freundin empfohlen. Aravind Adiga bekam für das Werk 2008 den Booker-Preis. Sehr froh bin ich, dieses Buch gelesen zu haben. Es ist ein Roman mit Herz, schwarzem Humor und Ironie. Darüberhinaus vermittelt er sehr viel vom Leben in Indien. Bis ins kleinste Detail werden die Angewohnheiten der Menschen beschrieben. In das pulsierende Delhi tauchte ich dank der präszisen Beschreibung von Aravind Adiga völlig ein. Spürte die widrigen Umstände der Menschen am Rande der Millionen-City auf der einen Seite und konnte mir den protzigen Reichtum auf der anderen Seite sehr bildhaft vorstellen.

Es ist ein Schelmenroman, der mit leichter Feder geschrieben ist und schnell mitreißt. Der aber auch aufzeigt, wie schwierig das Leben in Indien ist, wie groß die Missstände und welche Unterschiede zu den entwickelten Industrieländern immer noch vorhanden sind. “Der weiße Tiger” ist ein Buch, bei dem ich viel lachen musste (dank des frechen Balram Halwai), bei dem ich aber auch viel zum Nachdenken kam – und durch das ich mein Leben mit meinen Rahmenbedingungen wieder sehr zu schätzen weiß.

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11. März 2013

Flimmerkasten: “Nachtzug nach Lissabon”

Raus aus dem tristen Alltag

Es ist eine Begegnung, die sein Leben verändert: Lateinlehrer Raimund Gregorius sieht an einem verregneten Morgen in seiner Heimatstadt Bern eine junge Frau auf einer Brücke stehen. Sie möchte sich scheinbar das Leben nehmen. Er spricht sie an und nimmt sie mit in die Schule. Doch während des Unterrichts verschwindet die Frau wieder und lässt nur ihren roten Mantel zurück. Darin findet Raimund ein dünnes, altes Buch von dem portugiesischen Arzt und Philosophen Almeida Prado. Außerdem stecken in einer Innentasche Zugtickets für den Nachtzug nach Lissabon.

Der Lateinlehrer fängt an, in dem Buch zu blättern und wird neugierig. „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“ steht darin. Spontan setzt sich Raimund in den Nachtzug, entfliehet seinem grauen Alltag und begibt sich in Lissabon auf die Spurensuche von Almeida Prado. Weiterlesen »

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27. Februar 2013

Schmöker: “Ich habe sie geliebt” von Anna Gavalda

Die große Liebe: Mathilde

Es ist aus. Chloé ist am Boden zerstört. Ihr Mann liebt eine andere. Verzweifelt packt sie ihre Koffer und fährt mit ihren zwei kleinen Töchtern und ihrem Schwiegervater in die Berge. Pierre ist eigentlich ein wortkarger, kühler Mann. In der Abgeschiedenheit öffnet er aber sein Herz und erzählt Chloé eine Geschichte – die Geschichte von seiner großen Liebe Mathilde.

“Ich habe sie geliebt” kaufte ich vor Jahren unmittelbar nachdem ich “Zusammen ist man weniger allein” von Anna Gavalda gelesen hatte. Anna Galvaldas leichte, aber sehr gefühlvolle Art zu schreiben, ihre sympathischen, oft aber auch verqueren Charaktere – ich war angetan und wollte mehr von diesem wunderbaren Lesevergnügen. “Ich habe sie geliebt” verschlang ich an einem nur einzigen Abend. Ich konnte einfach nicht mehr davon lassen. Pierres Geschichte von Mathilde wuchs mir so sehr ans Herz, ich wollte wissen, was passiert, was er tut, wie es endet. Und ich litt schrecklich mit ihm. Weiterlesen »

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22. Februar 2013

Schmöker: “Tschick” von Wolfgang Herrndorf

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Auf zur Walachei

Zwei 14-jährige Jungs, ein geklautes Auto und eine spannende Reise: Andrej Tschichatschow, alias Tschick, sitzt nach den Osterferien plötzlich in der Klasse von Maik Klingenberg. Die Jungs kommen aus unterschiedlichen Welten. Tschick ist mit seiner Familie aus Russland übergesiedelt und haust in einem der heruntergekommenen Hochhäuser in Hellersdorf. Maik residiert mit seinen Eltern in einer Villa – Liebe und Aufmerksamkeit sind jedoch Mangelware. Da Tschick in den Sommerferien Langeweile hat und Maik ohnehin alleine zu Hause ist (Mutter auf Entzug, Vater mit der Geliebten auf Geschäftsreise), machen sich die beiden Jungs mit einem gestohlenen, klapprigen Lada auf die Reise. Ihr Ziel: Die Walachei. Es ist der Beginn eines abenteuerlichen Roadtrips. Weiterlesen »

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19. Februar 2013

Schmöker: “Die Wand” von Marlen Haushofer

Die Wand

Fern ab der Zivilisation

Über Nacht ist sie plötzlich da: die Wand. Sie ist glatt, kalt, undurchsichtig und trennt eine Frau, die in den Bergen alleine in einer Jagdhütte schläft, von der restlichen Welt. Warum die Wand da ist, was mit den anderen Menschen geschah? Es bleibt ein Rätsel. Nur mit einem Hund, einer Kuh, einem Stier und Katzen bestreitet die Frau von nun an ihr Leben. Fern ab der Zivilisation, mitten in der Natur. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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