2. Januar 2014

Schmöker: “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer

blog

Tiere essen oder nicht? Diese Frage stellte sich für mich lange Zeit nicht. Auf dem Land bin ich groß geworden, war als Kind bei der Kartoffelernte dabei und erlebte, wie die Schweine und Hasen von meinen Großvätern nach einem zufriedenen Leben geschlachtet wurden. Meine Eltern halten heute noch Hühner, die friedlich auf der Wiese herum spazieren und so lange leben dürfen, wie sie wollen. Ich wuchs mit einer klaren Abgrenzung von Nutz- und Haustieren auf. Und damit, dass nachvollziehbar ist, wo der Sonntagsbraten herkommt.

Bereits seit Jahren esse ich aber nur noch selten Fleisch. Das ist bislang jedoch mehr eine Geschmacksfrage als eine bewusste moralische Entscheidung gewesen. Ich liebe Pasta, bastle mir gerne einen bunten Salat zusammen oder kombiniere Reis mit verschiedenen Gemüsesorten. Wurst hat gegen Käse keine Chance. Es schien mir aber nicht verwerflich, ab und an mal eine Lasagne zu kochen oder in einem Restaurant ein Rindersteak zu bestellen.

Mir „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer zu Gemüte führen, das stand deshalb nicht unbedingt auf meiner „To Do“-Liste. Nun brachte mir aber ein Arbeitskollege das Sachbuch mit. Und da ich von Foer bereits einige Bücher gelesen habe und ihn als Autor sehr schätze, wollte ich nun doch wissen, was er zu dem Thema sagt. Ich bin begeistert.

Am meisten imponiert hat mir an dem Buch, dass Foer auf keiner Seite mit erhobenem Zeigefinger agiert. Kein einziges Mal versucht er Schwarz-Weiß-Muster aufzubauen. Vielmehr überzeugt er mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die er auf den letzten Seiten ausführlich belegt.

Natürlich gibt es in „Tiere essen“ genaue und schreckliche Beschreibungen von Massentierhaltungen. Foer differenziert dabei zwischen Anlagen für Hühner, Schweine, Rinder und geht auch auf unterschiedliche Fangmethoden ein. Das sind streckenweise so drastische Schilderungen, dass es mich erschauderte und ich eine Wut auf die Menschen bekam, die hinter diesem System stehen. Auch der Aspekt, wie viel Antibiotika in den USA jährlich an Tiere ausgegeben werden, haute mich um: acht Millionen Kilogramm. Im Vergleich: Für Menschen sind es 1,4 Millionen Kilogramm. Das ist verrückt.

„Tiere essen“ ist darüber hinaus sehr vielschichtig. Tierschutzaktivisten kommen zu Wort, einzelne Farmer und Rancher geben ihre Ansichten wider, ein Fleischproduzent verteidigt sich und Foer lässt immer wieder seine persönlichen Ansichten einfließen. Auch ist das Werk – Foertypisch – völlig unkonventionell aufgebaut. Der Amerikaner hat eine alphabetische Wortbedeutung zusammengestellt, diese beinhaltet Definitionen unter anderem von Anthropomorphismus, Käfigbatterie und Wohlfühlessen. Er berichtet außerdem von der ersten Massentierhalterin sowie vom Zusammenhang von Tierzucht und Pandemien. Das ist höchst interessant.

Einen besonders tollen Aspekt fand ich, dass Foer einräumt, dass er selbst noch Gelüste auf Fleisch oder Sushi hat. Er fragt sich dann aber immer, ob das Leiden der Tiere nicht über diesem Appetit stehen sollte. Und lässt es deshalb sein. Das ist ein schöner Ansatz, den ich nun selbst in mein Leben verankert habe. Ob es mir gelingen wird, diese Maxime in jeder Situation zu befolgen, das weiß ich nicht. Komplett restriktiv möchte ich nicht agieren. Aber inzwischen ist es für mich nur noch schwer möglich, mit gutem Gewissen Fleisch und Fisch zu konsumieren. Jonathan Safran Foer hat es tatsächlich geschafft, dass ich keinen legitimen Grund mehr finde, Tiere zu essen – und das auf völlig sympathische Art und Weise.

keine Kommentare
28. November 2013

Schmöker: “Ein Abend mit Denis Scheck in Karlsruhe”

Wenn Denis Scheck mit „Druckfisch“ am späten Sonntagabend im Fernsehen zu sehen ist, schlafe ich meist schon. So freue ich mich immer, wenn er wie am gestrigen Abend in Karlsruhe vorbeischaut.

Romane, Krimis, Sachbücher und Comics: Die unterschiedlichsten Werke hat der Literaturkritiker auf seinem Tisch im Literaturhaus im Prinz Max-Palais drapiert. Dabei betont er gleich zu Beginn: „Niemand muss was gelesen haben.“

Sich bei der Bücher-Auswahl an der Bestseller-Liste zu orientieren, davon rät Denis Scheck kategorisch ab. „Dahinter verbergen sich nicht die besten, sondern nur die am meisten verkauftesten Werke.“

Dass die Masse scheinbar kein Geschmack hat, zeige sich unter anderem an den drei Bänden von „Shades oft Grey“. Das sei „Literatur für Neandertaler“, sagt Scheck. Wer einen richtig guten Porno lesen wolle, solle sich “Haus der Löcher” von Nicholson Baker kaufen.

Auch von Paulo Coelho ist der Kritiker wenig angetan. „Das ist gar mein Lieblingsfeind“, sagt er. Coelhos Darstellung der Welt in „Der Alchimist“ sei trivial, banal, unterkomplex. Das Buch ist laut Denis Scheck zum „gegen die Wand schmeißen“.

Weitaus besser kommt bei ihm – überraschenderweise – Dan Browns „Sakrileg“ weg. „Es ist immer eine Frage des Maßstabs“, erklärt Denis Scheck seine Sympathien für den Thriller. „Sakrileg“ sei das Pendant zu einem spannenden Popcorn-Movie und eigne sich hervorragend als Lektüre am Pool. „Ein kleiner Schundroman“, sagt der Kritiker mit einem Augenzwinkern.

Zu lesenswerten Bestsellern gehören seiner Meinung nach auch „Lolita“ von Vladimir Nabokov (“da prallen die amerikanische und europäische Kultur aufeinander“) oder „Und dann gabs keines mehr“ von Agatha Christie („eine anständige Krimiautorin“).

Gut zur Orientierung im Buch-Dschungel eigneten sich Messen oder Preise, sagt Denis Scheck. Seine Empfehlung: „Flut“ von dem Brasilianer Daniel Galera (sein Heimatland stand bei der Buchmesse in Frankfurt im Mittelpunkt). Oder „Pong redividus“ von Sibylle Lewitscharoff. Sie gewann in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis.

Denis Schecks Buchpreis-Gewinner der Herzen ist Reinhard Jirgl mit „Nichts von euch auf Erden“. Vorsicht: Selbst der belesene Kritiker Scheck brauchte nach eigenen Angaben drei Anläufe, bis er mit dem Buch warm wurde. „Es lohnt sich aber.“

Lesenswert sind seiner Meinung nach auch:

• „Honig“ von Ian McEwan (eine spannende Geschichte über den britischen Geheimdienst).
• „Stoner“ von John Williams (ein Roman, der einen Literaturwissenschaftler von der Wiege bis zur Bahre begleitet) und
• „Entenhausen – Die ganze Wahrheit“ von Patrick Bahners.

Denis Schneck schenkt seiner Mutter übrigens “Königsallee” von Hans Pleschinski zu Weihnachten – wer Thomas Mann mag, habe damit große Freude, versprach er.

keine Kommentare
17. November 2013

Schmöker: “Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert”

DSC_0002

Eine Buchhändlerin hat mir vor wenigen Wochen den Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ans Herz gelegt. Von einer Mischung aus Gesellschaftsroman, spannendem Krimi und Liebesgeschichte sprach sie – voller Begeisterung. Mein Interesse war geweckt. Als ich sah, dass es derzeit noch knapp 23 Euro kostet, zögerte ich kurz, war dann aber doch so neugierig und kaufte es. Zum Glück.

Von der Buchhandlung zu Hause angekommen, fing ich direkt an zu lesen und konnte gleich am ersten Abend drei Stunden lang nicht mehr damit aufhören. In kürzester Zeit war ich gedanklich nach Aurora, einer Stadt in New Hampshire, gereist. Dort spielt sich die Geschichte von Joel Dicker zum größten Teil ab.

Im Mittelpunkt stehen Marcus, ein aufstrebender Schriftsteller, und sein alter Professor sowie Freund Harry. Es ist das Jahr 2008, kurz vor der US-Präsidentschaftswahl: Marcus lebt in New York, leidet an einer Schreibblockade, kommt mit seinem zweiten Roman nicht voran. Sein Verlag sitzt ihm im Nacken, er ist verzweifelt.

Alles ändert sich schlagartig, als Harry in Aurora plötzlich verhaftet wird. Der Vorwurf: Er soll im August 1973 die damals 15-jährige Nola ermordet haben. Marcus glaubt fest an Harrys Unschuld, reist in die Kleinstadt, um seinem alten Freund zur Seite zu stehen und die Wahrheit herauszufinden.

Das Besondere an dem Buch ist, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird. Vielmehr bringt Joel Dicker dem Leser über verschiedene Zeitsprünge die tragische Liebesgeschichte von Harry und Nola näher. Sehr viel Freude und Vergnügen hatte ich dabei auf jeder einzelnen der mehr als 700 Seiten. Ich konnte und wollte das Buch nicht mehr weglegen, schleppte es in meiner Tasche überall mithin, las in jeder freien Sekunde. Das Werk des schweizerischen Schriftstellers ist einfach, aber nicht trivial geschrieben und lässt einen nicht mehr los. Unbedingt wollte ich wissen, ob Harry schuldig ist oder nicht.

Außerdem ist Joel Dicker durch seine facettenreichen Protagonisten und der genauen Beschreibung ihrer Lebensgeschichten ein sehr mitreißender Gesellschaftsroman gelungen, der mich oft an die Werke von Jonathan Franzen erinnerte.

Im letzten Drittel des Buches überschlagen sich zwar ein wenig die Ereignisse und ein bisschen weniger Geschehen und verzwickte Zusammenhänge wären von Vorteil gewesen, gleichwohl: „Die Wahrheit über den Fall Quebert“ liest sich wunderbar, ein fabelhaftes Buch für triste Herbsttage.

keine Kommentare
13. Oktober 2013

Schmöker: “Die Deutschlehrerin” von Judith W. Taschler

DSC_0007

Für eine Zugfahrt suchte ich mir aus meinem riesigen Stapel an ungelesenen Büchern etwas Kurzweiliges aus. Meine Wahl fiel auf „Die Deutschlehrerin“ von Judith W. Taschler. Zum Geburtstag hatte ich dieses Buch von Freundinnen geschenkt bekommen. Ein wenig wie „Tannöd“ sollte es sein, verriet mir Jenny. Ok, ich war gespannt.

„Die Deutschlehrerin“ ist besser, gar eines der spannendsten Bücher, das ich seit langem in der Hand hatte. Von der ersten Seite an entwickelte der Thriller so einen starken Sog auf mich, dass ich ihn nicht mehr weglegen konnte und in den vergangenen Tagen in jeder freien Minute las – regelrecht mitfieberte.

Das Besondere an dem Werk von Judith W. Taschler ist der verschachtelte Aufbau. Die Geschichte beginnt mit einem E-Mail-Dialog. Daran beteiligt ist Xaver, ein erfolgreicher Jugendbuchautor. Er soll an einer Schule eine Schreibwerkstatt veranstalten und nimmt dazu Kontakt mit der zuständigen Deutschlehrerin auf, Mathilda. Ist es Zufall oder Schicksal? Xaver und Mathilda kennen sich bereits. Sie waren 16 Jahre lang ein Paar. Eines Tages zog Xaver aber still und heimlich aus, ließ Mathilda verzweifelt und mit gebrochenem Herzen zurück.

Es gibt nun Rückblenden, wie sich Mathilda und Xaver bei ihrem Germanistik-Studium kennen lernten, ein Paar wurden und was dann schief lief. Es gibt Vorausblenden, wie ihr Wiedersehen läuft, was danach passiert und sie erzählen sich beide Geschichten. Die unterschiedlichen Schreibstile, Einschübe und zeitlichen Sprünge sorgen für eine große Dynamik.

Judith W. Taschler wirft einem als Leser immer wieder neue Puzzle-Stücke hin. Ständig tauchen neue Fragen auf, die Antworten sind kaum zu erwarten, ich las und las und las, gierte nach dem Gesamtbild. Zuviel der Handlung möchte ich gar nicht verraten, nur das: Xavers Sohn wurde entführt. Hat Mathilda etwas damit zu tun? Oder Xaver selbst? Diese Fragen sind die treibende Kraft.

Ich bin so begeistert von diesem Buch, dass ich es bedingungslos jedem ans Herzen lege – ein ungewöhnlicher Thriller, der einen alles um sich herum vergessen lässt.

keine Kommentare
1. Oktober 2013

Schmöker: “Ich hatte sie alle” von Katinka Buddenkotte

DSC_0001

Die schlimmsten Jobs, die miserabelsten Lebensabschnittgefährten, die abgefahrensten Ideen und die übelsten Krankheiten – als ich diese Aufzählung auf dem Buchrücken von „Ich hatte sie alle“ las, musste ich doch ein wenig schmunzeln. Zum Geburtstag bekam ich das Werk von Katinka Buddenkotte geschenkt. Parallelen zu meinem oftmals chaotischen Leben: nicht ausgeschlossen.

Laut dtv ist Katinka Buttenkotte das „Fräuleinwunder der deutschen Underground-Literatur“. Die 37-jährige Autorin ist auf Poetry Slams unterwegs und hatte bereits die verschiedensten Jobs. Sie arbeitete unter anderem in einem Call-Center und einer Düsseldorfer Werbeagentur. Was Katinka Buddenkotte dort erlebte, erzählt sie ein wenig überspitzt in „Ich hatte sie alle.“

Was auf Lesungen und Poetry Slams wohl noch ganz gut funktioniert, das war für mich in gedruckter Version an manchen Stellen viel zu viel des Guten. Von der ersten bis zur letzten Seite hatte ich das Gefühl, dass Frau Buddenkotte gerne übertreibt.

Beispiele? Gerne. „Interview mit einem Vamp“, so lautet der Titel des ersten Kapitels. Inhalt: Katinka Buddenkotte hat ein Vorstellungsgespräch bei der Plattenfirma „BMG“. Mit ihrem Freund Vassili bereitet sie sich vor. Resultat: Statt Business-Dress trägt sie danach ein Männerhemd und hat Beruhigungstropfen + Wodka intus. Dass das Bewerbungsgespräch so nicht klappen kann ist wenig verwunderlich. Es endet vielmehr in einer Aneinanderreihung von Kuriositäten – bis hin zur Ohnmacht.

„Nun ja“, dachte ich da noch. Skurriler Einstieg eben, wird besser werden. Frau Buddenkotte erzählt dann von ihren Erfahrungen im Call-Center. Dort soll sie verzweifelten Singles, die via Handy auf der Suche nach Liebe und einem Partner sind, zurückschreiben. Gleich mehrere Suchende bekommt sie zugeteilt – unterschiedlichen Geschlechts. Ganz schön durcheinander kommt sie dabei und stiftet allerhand Chaos.

Insgesamt 20 solcher Kurzgeschichten beinhaltet „Ich hatte sie alle“. Manchmal holpern sie etwas mehr und manchmal etwas weniger, aber das Gute ist: Sie sind alle sehr kurzweilig. Ich las das Buch meist im Zug auf dem Weg von der Arbeit nach Hause – für solche Zwecke ist es bestens geeignet. Einfache Unterhaltung, die nicht weiter fordert und mich dann doch ab und an zum Lachen brachte.

keine Kommentare
12. September 2013

Schmöker: “Angerichtet” von Herman Koch

DSC_1622

Und dann habe ich nur noch gelesen, gelesen und gelesen. Selten hat mich ein Buch so nachhaltig beschäftigt wie „Angerichtet“, die Tragikomödie des Niederländers Herman Koch. Kurz vor dem Urlaub kaufte ich es mir, nahm es dorthin mit – und las die zweite Hälfte quasi am Stück. „Angerichtet“ zog mich völlig in den Bann. Zu was sind Eltern in der Lage, um ihre Kinder zu schützen? Das ist die zentrale Frage. Herman Kochs Antwort erschütterte mich.

Vom Aperitif bis zum Trinkgeld: Strukturiert ist das Buch nach einem mehrgängigen Menü. Im Restaurant treffen sich zwei Ehepaare. Paul und Claire auf der einen Seite und auf der anderen Serge und Babette. Die beiden Männer sind Brüder. Serge ist ein bedeutender und berühmter Landespolitiker. Er hat gute Chancen, zeitnah Ministerpräsident zu werden. Sein Ansehen in der Öffentlichkeit ist groß. Erzählt wird das Geschehen aber aus der Sicht von Paul, einem Lehrer. Er scheint der bodenständigere, sympathischere Typ zu sein.

Anlass des gemeinsamen Treffens ist die Zukunft ihrer Söhne. Irgendetwas Schlimmes ist passiert, doch was genau, das bleibt zunächst noch unklar. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen erstmal das Restaurant und das Essen. Erzähler Paul geht detailliert auf die Gerichte und die Rahmenbedingungen der Lokalität ein. Er philosophiert über den neuen Woody Allen-Film, den kleinen Finger des Kellners, beklagt sich, dass der „Gruß des Hauses“ etwas kostet und beschreibt ausführlich die Toilette.

Trotz dieser scheinbar belanglosen Anekdoten gelingt es Herman Koch durch seinen sehr präzisen und immer wieder lakonischen Schreibstil, den Leser von der ersten Seite an mitzunehmen. Unabhängig davon, dass ich unbedingt wissen wollte, was denn nun passiert, fand ich die Beschreibungen höchst unterhaltsam und treffsicher.

Was mich aber völlig an dem Buch faszinierte, ist die Wandlung von Paul. Er kommt immer mehr ins Erzählen, erinnert sich an Erlebnisse in der Vergangenheit – und verändert somit nach und nach auch die Gegenwart. Die Sicht, die der Leser anfangs auf die Situation im Restaurant und die beiden Ehepaare hat, gerät von Seite zu Seite immer mehr ins Wanken. Wer ist hier eigentlich der Gute, wer der Schlechte? Wer benimmt sich daneben, wer normal? Und wer hat eigentlich noch Moral in der ganzen Geschichte? Die Grenzen verschwimmen immer mehr, ein richtiger Sog entwickelt sich. Es kommt zu einem Finale, das knallt.

Gleich zwei Freundinnen haben mir das Buch völlig unabhängig voneinander ans Herz gelegt. Danke Patrizia und Ijeoma. Ich genoß jede einzelne Seite.

Nach wie vor beschäftigt mich aber folgender Absatz auf Seite 197: „Der Psychologe hatte mir einen Namen genannt. Einen deutsch klingenden Namen. Es war der Nachname des Neurologen, nach dem die Krankheit benannt worden war….“ Wie heißt diese Krankheit? Um eine Antwort bin ich dankbar.

keine Kommentare
30. Juli 2013

Schmöker: “Ein ganzes halbes Jahr” von Jojo Moyes

Kitsch und viel zu viel Romantik

Wochenlang stand „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes auf den Bestseller-Listen ganz oben. Trotzdem kam ich nie in Versuchung, mich mit der Geschichte von Lou und Will näher zu beschäftigen. Spätestens seit ich „Die Frau des Zeitreisenden“ gelesen habe, mache ich einen großen Bogen um Bücher, bei denen es offensichtlich primär um das Suchen und Finden der Liebe geht. Für zuviel Romantik und Kitsch bin ich leider nicht empfänglich. Ausnahme ist einzig “Zwei an einem Tag”.

Nun bekam ich jedoch, als ich krank war, den Tipp einer lieben Freundin, mir doch „Ein ganzes halbes Jahr“ zu kaufen. Na gut, dachte ich, gebe ich dem Buch eine Chance. Ich besorgte es mir gleich und begann zu lesen – bis zum bitteren Ende. Zig Male fluchte ich. Weiterlesen »

keine Kommentare
10. Juli 2013

Schmöker: “High Fidelity” von Nick Hornby

Toll, toll, toll!

Was geht eigentlich in dem Kopf eines Mannes Mitte 30 vor? Diese Frage habe ich mir aufgrund einiger turbulenter Erfahrungen schon ganz schön oft gestellt. Dank „High Fidelity“ bin ich nun ein wenig schlauer. Ein großartiges Buch!

Schon vom ersten Satz an („Die ewige Top Five meiner unvergesslichsten Trennungen für die einsame Insel in chronologischer Reihenfolge:…“), war mir klar, dass ich diesen Roman von Nick Hornby lieben werde. Die Romanze hielt 315 Seiten bis zum letzten Satz.  Weiterlesen »

2 Kommentare
13. Juni 2013

Schmöker: “Die hellen Tage”

helle

“Schicksal oder Zufall – was bestimmt unser Leben? Was macht uns zu dem, was wir als Erwachsene sind?” Allein diese zwei Sätze auf dem Buchrücken von “Die hellen Tage” genügten. Gekauft. Wieviel Freiheit habe ich in meinem Handeln, wieviel Determinismus ist vorhanden? Bereits in der Schule diskutierte ich mit Religionslehrern heftig darüber, was das Leben ausmacht. Vorlesungen später an der Uni in Entwicklungspsychologie liebte ich. Aber auch das “Kartengeheimnis” von Jostein Gaarder und Yann Martels “Schiffbruch mit Tiger” brachten mich zum Nachdenken.

Und nun also “Die Hellen Tage”. Sehr schwer tat ich mir damit am Anfang. Die Sätze sind lang, verschachtelt. Nach dem gradlinig geschriebenen “Lola Bensky” fluchte ich oft. Konzentration war notwendig.

Beispiel: “Wir müssen uns im Sommer begegnet sein, im Sommer, der Aja umgab, als gehöre er ihr, als gehörten sein Licht, sein Staub, seine langen hellen Abende ihr, und durch den sie sich ohne Jacke und Schuhe, mit einem gelben Hut, den sie im Schrank ihrer Mutter gefunden hatte, bewegte wie durch ein großes, lichtes Haus, dessen Zimmer ohne Türen ineinanderliefen.”

Puuh. Aber ich las weiter.

Die Geschichte spielt in Kirchblüt, einem Dorf in der Nähe von Heidelberg. Dort leben Seri, Aja und Karl mit ihren Müttern. Alle haben sie bereits früh Leid und viel Kummer erfahren. Seris Vater starb, als sie noch ganz klein war. Karls jüngerer Bruder Ben wurde entführt, seine Eltern, die vorher schon getrennt waren, zerbrechen daran. Und Aja muss nach jedem Sommer Abschied nehmen. Sie stammt aus einer Artistenfamilie. Mit ihrer Mutter Évi lebt sie nun am Rande von Kirchblüt in einem kleinen, klapprigen Haus mit schrägen Wänden, undichten Fenstern, aber mit zahlreichen Blumen, buntem Porzellan und viel Liebe. Ein wenig musste ich bei der Beschreibung an die Villa Kunterbunt denken. Ihr Vater Zigi, an dem sie sehr hängt, kommt nur über den Sommer nach Kirchblüt, danach fährt er über den Ozean zurück zu seinem Wanderzirkus. Es geht um Heimat, Verlustangst, aber auch die Stärke der Freundschaft.

Noch die ersten 100 Seiten waren ein wenig mühsam. Abends hatte ich zuerst gar keine Lust dazu, mir das anzutun, irgendwie fehlte auch der richtige Spannungsbogen. Aber Seite für Seite gewöhnte ich mich mehr an die Sprache und dann sprang der Funke plötzlich völlig über. Ich saß am Samstagnachmittag auf meinem Bett, das Buch in der Hand, und hatte das Gefühl, mit den drei Kindern in Kirchblüt vor dem schrägen Haus zu sitzen, mit ihnen im See zu baden oder mit Aja auf der Schlittschuhbahn über das Eis zu gleiten.
Zsusa Bánk schafft es, mit ihren detaillierten Beschreibungen und den wahnsinnig schönen Sätzen, den Leser förmlich in das Buch zu ziehen, ihn teilhaben zu lassen, an dem Kummer, den Ängsten, aber auch den schönen Momenten. Irgendwann konnte ich davon nicht mehr genug haben, das Buch machte mich glücklich und süchtig zugleich. Sowas ist mir selten passiert. In den vergangenen Tagen habe ich jede freie Sekunden gelesen, war in Gedanken ständig in Kirchblüt und dann in Rom, wo in der zweiten Hälfte des Buchs die Handlung größtenteils spielt.

Es ist Aja, die mir so sehr ans Herz wuchs. Auch bei ihr flitzen ständig die Gedanken hin und her, auch sie spricht als Kind viel zu schnell, aus Angst, dass sie die vielen Dinge in ihrem Kopf nicht loswerden kann. Wie gut ich sie verstehe.

Ich habe mich schrecklich in das Buch verliebt. Vor allem im letzten Drittel nimmt auch die Dynamik zu. Dinge, die in der Vergangenheit unausgesprochen oder verdrängt blieben, bringen die Leben von Seri, Aja, Karl und ihren Müttern gehörig durcheinander. Das Leben ist unberechenbar und verrückt. Ob es nun Zufall oder Schicksal ist? Ich glaube fest an letzteres.

keine Kommentare
14. Mai 2013

Schmöker: “Dienstags bei Morrie” von Mitch Albom

Dienstags bei Morrie: Gespräche über das Leben!

Mitch Albom ist Journalist und erfährt eines Tages, dass sein alter Soziologie-Professor an der grausamen und unheilbaren Nervenkrankheit ALS erkrankt ist. Albom besucht den damals liebgewonnenen Mentor deshalb zuhause. Ein tiefgründiges Gespräch kommt auf. Bewegt verlässt Albom das Haus, beschließt, nun jeden Dienstag bei Morrie vorbeizugehen und mit ihm über die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu reden. Über die Unendlichkeit der Liebe, über Familie, Erfolg, Reue oder Selbstmitleid. Weiterlesen »

keine Kommentare
1 4 5 6 7 8

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach