3. Januar 2016

Flimmerkasten: “Wir sind jung. Wir sind stark.”

Schwere Ausschreitung in Rostock-Lichtenhagen

Aus Schwarzweiß wird Bunt: Bis zur 82. Minute flimmern die Bilder von “Wir sind jung. Wir sind stark.” in lediglich zwei Nuancen über die Leinwand, dann plötzlich sind sie farbig. Ein Fernsehinterview ist der Anlass für den Wechsel. Ein Reporter fragt eine Gruppe rechtsgesinnter Jugendlicher, was ihre Träume sind. Stille. Dann die Antworten, sie kommen langsam, stockend. “Eine Wohnung und eine Frau”, meint einer. Ein anderer: “Dass sich hier etwas ändert. Das kann nicht das Endziel sein.”

Was er damit meint: Die Situation um das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen. Dort ist die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. Sie ist überfüllt und zahlreiche Sinti und Roma campieren vor dem Haus. Auch ein Wohnheim für Vietnamesen ist dort. Zwischen dem 22. und 26. August 1992 ereignen sich um das Sonnenblumenhaus die schwersten Ausschreitungen gegen Ausländer in der deutschen Nachkriegsgeschichte. “Wir sind jung. Wir sind stark.”, mit Devid Striesow und Jonas Nay in den Hauptrollen, beleuchtet den 24. August 1992 – von früh Morgens bis zu den schweren Krawallen am Abend. Das ist erschütternd, beängstigend und brutal. Aber sehr sehenswert. Der Film erhielt auch das Prädikat: “Besonders wertvoll”. Weiterlesen »

keine Kommentare
22. Oktober 2015

Flimmerkasten: “The Walk”

Ein spannender Drahtseilakt

Die letzte halbe Stunde konnte ich mir das Treiben auf der Leinwand vor Spannung kaum mehr anschauen. Der französische Akrobat Philippe Petit balanciert seelenruhig auf einem Seil, das in über 400 Metern Höhe zwischen die Twin Towers in New York gespannt ist. Der junge Mann ist ohne jede Absicherung. Aufgebrachte Polizisten stehen auf beiden Seiten und wollen ihn verhaften. Philippe bleibt nichts anderes übrig, als den Drahtseilakt in schwindelerregender Höhe fortzuführen. Eine riesige Menschenansammlung beobachtet das Spektakel vom Boden aus. Die Melodie von “Für Elise” erklingt dazu. Wird er es schaffen? Der beeindruckende 3D-Film “The Walk” basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1974 und ist seit heute im Kino zu sehen. Das ist bestes Popcorn-Kino, das besonders durch die Dreidimensionalität und Architektur der Stadt New York unglaubliche Dynamik und Tiefe entwickelt. Ich hatte das Gefühl, ich stehe mit Philippe auf dem Seil. Ein Thriller ohne Bösewicht.  Weiterlesen »

keine Kommentare
2. August 2015

Flimmerkasten: “Taxi Teheran”

Goldener Bär für Taxi Teheran

Die zwölfjährige Hana quasselt ohne Unterbrechung. Sie soll für die Schule einen Film drehen. Aber ganz schön viele Regeln gibt es zu beachten: Mann und Frau dürfen sich nicht berühren. Die Guten dürfen keine Krawatten tragen und das Thema sollte weder politischer noch wirtschaftlicher Natur sein. Hana erzählt dies dem iranischen Regisseur Jafar Panahi. Er ist ihr Onkel und holt sie an diesem Tag mit einem alten Taxi von der Schule ab. „Mit so einer Schrottkarre kommst du mich abholen? Ich hab allen in der Schule erzählt, dass mein Onkel Regisseur ist, und dann kommst du mit so was hier an?“, echauffiert sie sich mit ihrer hohen Mädchenstimme. Jafar Panahi bleibt gelassen und fährt los.

Hana ist nur eine von mehreren Fahrgästen, die an diesem Tag in seinem Taxi Platz nehmen. Wie ein Dokumentarfilm kommt „Taxi Teheran“ daher – ist es aber nicht. Jafar Panahi hat ein  wunderbares Werk geschaffen, das einen Einblick in das derzeitige Leben in Irans Hauptstadt gibt – intelligent, nachdenklich und an vielen Stellen außerordentlich komisch. Verdient hat er bereits den Goldenen Bären gewonnen. Da er offiziell aber 20 Jahre Berufsverbot hat und sich kaum in der Öffentlichkeit zeigt, kam Hana in Berlin auf die Bühne und nahm den Preis entgegen.  Weiterlesen »

keine Kommentare
28. Mai 2015

Flimmerkasten: “A most wanted Man”

Spannender Thriller mit Philip Seymour Hofmann

In der tiefschwarzen Nacht schwimmt er durch die Elbe. Issa Karpov sucht Asyl. Er betritt die Hansestadt Hamburg mit Narben am Rücken und mächtigem Bart. Der Tschetschene mit muslimischem Glauben wurde in russischen und türkischen Gefängnissen gefoltert. Doch auch in Hamburg ist er keineswegs sicher. Sowohl Verfassungsschutz, CIA als auch eine autonom operierende Anti-Terroreinheit haben ihn im Visier – und verfolgen dabei ihre ganz eigenen Strategien. „A most wanted Man“ mit Philip Seymour Hofmann ist ein äußerst spannender Thriller. Weiterlesen »

keine Kommentare
18. April 2015

Flimmerkasten: “Finding Vivian Maier”

Es ist ein großer Zufall, der die Werke von Vivian Maier ans Licht bringt. Auf einer Auktion in Chicago ersteigert John Maloof 2007 eine Kiste voll mit Negativen, eigentlich für die Arbeit an einem Stadtteilbuch. Schnell stellt er fest, dass er damit nichts anfangen kann. Er verräumt sie zunächst achtlos. Zwei Jahre später inspiziert er seinen Kauf dann doch nochmals genauer. Und ist fasziniert. Die Fotografien von Vivian Maier zeigen Aufnahmen von Menschen hauptsächlich in Chicago und New York – präzise, einfühlsam und voller Neugier. John Maloof Mission steht fest: „Finding Vivian Maier“. Der gleichnamige Dokumentarfilm, der für einen Oscar nominiert war, erzählt von dieser Suche – spannend, aber auch ambivalent. Weiterlesen »

keine Kommentare
7. April 2015

Flimmerkasten: “In meinem Kopf ein Universum”

Bewegend, aber nicht kitschig: “In meinem Kopf ein Universum”

Er kann nicht richtig greifen, laufen und auch das Sprechen bleibt ihm verwehrt: Mateus leidet an einer zerebralen Bewegungsstörung – von Geburt an. Ärzte halten ihn so wenig aufnahmefähig wie „Gemüse“. Doch seine Mutter glaubt fest daran, dass Mateus’ Verstand funktioniert und er bewusst mitbekommt, was um ihn herum geschieht. Der Film „In meinem Kopf ein Universum“ beruht auf einer wahren Geschichte. Der polnische Regisseur Maciej Pieprzyca hat sie nun auf die Leinwand gebracht und 108 Minuten geschaffen, die tief bewegen, aber trotz der Tragik keineswegs schwer sind oder kitschig. Im Gegenteil: Es ist ein Film entstanden, der so wunderschön ist, dass er noch lange nachwirkt.

Weiterlesen »

keine Kommentare
18. März 2015

Flimmerkasten: “Willkommen auf Deutsch”

Äußerst interessante Doku: “Willkommen auf Deutsch”

Nicht einmal einen Bäcker gibt es in dem 450-Seelenkaff Appel (Niedersachsen). Doch nun sollen 53 Flüchtlinge im ehemaligen Alten- und Pflegeheim untergebracht werden. Eine mittlere Katastrophe – zumindest für die Bürgerinitiative Appel, die ernsthaft um den Dorffrieden besorgt ist. Etwas muss geschehen. Der Anführer der Bürgerinitiative, Horst Prahm, gibt alles. Der Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ zeigt, wie die deutsche Mittelschicht mit dem Flüchtlingsproblem umgeht. Am Montag war der Film in der „Kurbel“ zu sehen, ein interessantes Publikumsgespräch folgte.

Weiterlesen »

keine Kommentare
3. März 2015

Flimmerkasten: “Birdman”

Voller Dynamik und toller Schauspieler: “Birdman”

Plötzlich fliegt er durch die Lüfte, gleitet zwischen den Hochhäusern umher, begleitet von imposanten Melodien. Im oscarprämierten Film „Birdman“ geraten nicht nur einmal physikalische Gesetze außer Kraft. Der ehemals erfolgreiche Schauspieler Riggan Thomson (Michael Keaton) schwebt anfangs im Yoga-Sitz mitten im Raum und verschwindet später aus dem Fenster. Alles ist möglich in „Birdman“. Einem Film ohne spektakulärer Geschichte – aber voller Dynamik, brillianter Schauspieler und beeindruckender Kameraführung. Weiterlesen »

keine Kommentare
10. Februar 2015

Flimmerkasten: Yaloms Anleitung zum Glücklichsein”

Kluge Ansätze zum Leben

Seine Patienten bittet er, eine Linie zu zeichnen. Für die Zeitspanne des Lebens soll diese stehen. Links die Geburt, rechts der Tod. Dann sollen die Patienten einen Punkt machen für die Stelle des Lebens, an der sie vermutlich gerade stehen. Viele Menschen erkennen dadurch, wie wenig Zeit ihnen noch bleibt. Oft ist dieser Moment der Beginn eines Prozesses, in dem sie lernen, anders mit sich umzugehen.

Diese Sätze stammen von Irvin David Yalom. Er ist einer der bekanntesten Psychotherapeuten unserer Zeit. Der Dokumentarfilm „Yaloms Anleitung zum Glücklichsein“ erzählt aus seinem Leben und enthält viele kluge Ansätze über das Leben bereit. Weiterlesen »

keine Kommentare
17. Januar 2015

Flimmerkasten: “St. Vincent”

Grumpy old Man

Zigaretten, Rum und Pferdewetten: Vincent McKenna (Bill Murray) führt alles andere als ein solides Leben. Das Geld ist knapp, in seinem Haus herrscht Chaos. Stets ist er mürrisch, ein grumpy old man. Für kurzzeitiges Vergnügen sorgt lediglich Daka, eine „Dame der Nacht” (Noami Watts), die regelmäßig bei ihm vorbeischaut. Als ihn seine neue Nachbarin Maggie bittet, nachmittags auf ihren Sohn aufzupassen, willigt er zunächst nur widerwillig ein. Doch der kleine, sensible Junge (Jaeden Lieberher) wächst ihm ganz schön schnell ans Herz. Weiterlesen »

keine Kommentare
1 2 3 4 5 6 10

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren
Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach