8. Januar 2014

Heimat: “Liedermachernacht”

Sie schreibt ihre eigenen Texte, spielt verschiedene Instrumente und möchte mit ihrer Musik bewegen: Die Karlsruher Sängerin „Petite Rouge“ tritt am Freitag, 10. Januar, gemeinsam mit Sophie Steinchen bei der Liedermachernacht im Kulturraum Vanguarde auf. Beginn des Konzerts ist um 21 Uhr. Im Anschluss gibt es eine offizielle Aftershowparty mit dem DJ-Duo Les Artistes.

Liedermachernacht reloaded: Bereits im vergangenen Jahr fand in regelmäßigen Abständen ein Konzertabend mit zwei verschiedenen Künstlern im Kulturraum statt – ein Moderator führte durch das Programm, es gab Interviews, Kameras hielten das Geschehen auf mehreren Ebenen fest. „Wir haben den Ablauf nun ein wenig verändert“, sagt Nora Braun, die die Organisation von Constantin Sanders übernahm. „Es wird nur noch Musik geben.“ Kein Schnickschnack mehr um die Künstler herum.

Ziel der Liedermachernacht sei es nach wie vor, lokalen und regionalen Künstlern eine Plattform zu bieten, betont Nora Braun: „,Petite Rouge‘ und Sophie Steinchen kommen beide aus der Fächerstadt und sind Gesangsschülerinnen von Liv Solveig Wagner.“ Sie präsentieren am Freitagabend etwa zwei Stunde lang ihre eigenen Songs.

Sophie Steinchen singt auf Englisch und verarbeitet in ihren Liedern ihre Gefühle sowie Dinge, die sie um sich herum im Alltag beobachtet. Bei ihrem Konzert im Vanguarde wird sie außerdem ihre erste und gerade frisch gepresste EP mit vier Titeln vorstellen, die sie anschließend auch verkauft.

Die Liedermachernacht soll es 2014 wieder in regelmäßigen Abständen geben, sagt Veranstalterin Nora Braun. „Dazu suchen wir noch Künstler, die Lust haben, im Vanguarde aufzutreten.“

Kontakt: https://www.facebook.com/LiedermacherNachtKarlsruhe?fref=ts

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5. November 2013

Melodien: “Ein Abend mit Nicolas Sturm und Yasmine Tourist”

 

Ein Singer/Songwriter mit deutschen Texten voller Poesie und eine Band, die sich auf ihrer Debütplatte beschwingtem amerikanischem Folkrock widmet – eigentlich eine schöne Kombination für ein Doppelkonzert in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel. Leider waren die rund zweieinhalb Stunden mit Nicolas Sturm und der Band „Yasmine Tourist“ gespickt von technischen Pannen und einigen schrägen Tönen.

Ganz alleine macht Sturm den Auftakt. Es fehlt sein Multiinstrumentalist Jeremy Dhôme – alias „Klingen Ensemble“ – mit dem er noch im Februar im Kulturraum Kohi das Publikum begeisterte. In der Scenario Halle bestreitet er mit seiner Gitarre (mal akustisch, mal elektrisch), einer Loop-Maschine und seiner markanten Stimme das Konzert. Das könnte bestens funktionieren, sind seine mit dem Udo-Lindenberg-Preis prämierten Texte doch einfallsreich und fantasievoll. Auch die Melodien sind ausgefeilt, weder trivial noch sperrig. Doch Sturm wirkt von Beginn an wenig motiviert.

Vielmehr spult er sein Programm ab. Kontakt zum Publikum sucht er kaum, zwischen den Liedern wurstelt er sich durch seine Songliste, wechselt die Gitarren, ein Schluck Bier, dann geht es weiter – schade und wenig nachvollziehbar, ist das Konzert doch ein Heimspiel und der Auftakt seiner „Manhattan“-Tour. Einen Tag zuvor erschien die gleichnamige EP. Fünf starke Songs sind darauf, alle Titel bestehen, ganz im Sturm-Stil, aus nur einem Substantiv, heißen „Sohn“, „Handschellen“ oder „Festung“. An diesem Abend spielt er aber nur zwei davon. Immerhin: Die Zugabe „Schiffbruch“ ist ein ruhiges Lied, das bewegt und sich als Akustik-Variante gut eignet.

 

 

Yasmine Tourist aus Stuttgart spielen zum ersten Mal live in der Fächerstadt. „Wir wollten schon im Frühjahr ein Konzert hier geben“, erzählt Sänger Dominik Gerwald dem Publikum. „Leider wollte uns da wohl kaum einer sehen.“ Der Auftritt wurde gecancelt, nun der nächste Versuch.

Sechs Männer stehen auf der Bühne, Schlagzeug, Bass, Klavier, Gitarre, alles vorhanden. Mit der Abstimmung der Instrumente klappt es aber nur verhalten. Vor allem im ersten Teil des Konzertes quietscht es ständig, Sänger Gerwald ist kaum zu hören. Der Auftritt zieht sich in die Länge. Gerwald bemüht sich redlich, erzählt immer wieder Anekdoten. Die Songs sind beschwingt, lassen Südstaatenflair aufkommen. Nett: die Instrumentalpassagen und das Glockenspiel. Aber letztlich berühren die Songs nur wenig. Die Leichtigkeit, die auf dem Album zu hören ist, schwappt nicht über. Auch hier bleibt der Eindruck: Da ist live noch viel Luft nach oben.

Der Artikel ist heute in den BNN nachzulesen:
Sturm

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30. Oktober 2013

Melodien: Laing

Für die BNN war ich am Wochenende beim Konzert von Laing, der Artikel ist heute in der Zeitung nachzulesen.

Männer sollten es sich besser nicht mit den Damen von Laing verscherzen, das macht Sängerin Nicola Rost gleich zu Beginn des Konzertes im Substage klar. Ihre Konsequenz aus einem gebrochenen Herzen: „Ich mache dich kalt.“ Diese Drohung haucht sie beim Opener „Ding Dong“ mit gefährlich unterkühlter Stimme ins Mikrofon. Das minimalistische Bühnenbild unterstützt die düstere Stimmung: Völlige Dunkelheit herrscht. Die drei großen Stehlampen sind alle aus – noch.

Schlagartig änderte sich die Stimmung, als danach die ersten Takte zu „Paradies naiv“ erklingen, der Groll bei den Sängerinnen ist wie weggeblasen. „Vielleicht geht er fremd. Ich will es nicht wissen”, ist statt Rachegelüsten nun zu hören. So zeigt sich schnell: Die äußerst adretten Damen von Laing sind keineswegs gefährlich, wollen nur spielen – und das auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Wortspielereien, Stimmakrobatik und Lautmalereien: Es ist ein ausgefeiltes Programm, das die Frauenformation an diesem Abend in Karlsruhe zeigt. Laing, das sind die Sängerinnen Nicola Rost, Johanna Marshall und Atina Tabé sowie Choreografin Marisa Areny. Untermalt sind ihre meist durchdachten und oft auch humorvollen Texte von minimalistischen Beats. Funk- und Soul-Elemente tauchen darüber hinaus immer mal wieder auf. Interessant: ihre ganz eigene Coverversion von „Alles nur geklaut“ von den Prinzen.

Selbst wenn der Besucherandrang an diesem Abend im Substage ein wenig verhalten ist, schafft es die Damen-Band aus Berlin innerhalb kürzester Zeit, den Funken überspringen zu lassen. Das liegt nicht nur an den akustischen Reizen, sondern auch an der visuellen Gestaltung. Die Choreografie ist der Musik bis ins Detail angepasst. Bei „Maschinell“ zeigt die durchtrainierte Tänzerin Marisa Arney, wie sie sich auf den Punkt genau zu Melodie und Text bewegen kann, roboterhaft, abgehackt. Ergänzt wird die Einheit von Text, Melodie und Tanz durch das Bühnenoutfit der Künstlerinnen; minimalistisch, schwarz und weiß dominieren.

Außer Männerproblemen sind es vor allem Alltagserlebnisse, die die Songs von Laing prägen: Sei es der Wunsch nach Zigaretten, („Sehnsucht“) oder eine Autofahrt („Durch die Nacht“). Immer wieder tauchen in den Liedern Lautmalereien auf, werden kombiniert mit der Choreografie, machen das Konzert von Laing besonders. Das Zuschlagen einer Tür wird imitiert, die Ansage eines Navigationssystems ist zu hören. Und ein Insekt wird akribisch gesucht.

Bundesweit bekannt wurde die Band durch einen Auftritt beim Bundesvision Songcontest im Jahr 2012. Mit „Morgens immer müde“ landete Laing damals auf Platz zwei – ein Überraschungserfolg. Basis des Songs ist der Klassiker von Trude Herr aus den 1960er-Jahren. Die Berliner Damen machten ihn sich mit modifiziertem Text, Synthesizern und eingängigen Beats zu Eigen. Ein Ohrwurm entstand. Das Publikum im Substage wartet sehnsüchtig darauf. Als ihn die Musikerinnen ganz am Ende samt Intro anstimmen, ist die Stimmung am Siedepunkt. Zugaben werden gefordert. Zu Recht. Ein Konzert von Laing ist ein musikalisches und optisches Vergnügen.

Laing

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8. Oktober 2013

Melodien: “Fatones”

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Eine außer Rand und Band geratene WG-Party in Karlsruhe steht ganz am Anfang der Fatones. „Wir waren alle dort zum Feiern und griffen gegen 1 Uhr betrunken zu den Instrumenten“, erinnert sich Bassist Adrian. Das Ergebnis: leicht experimentell. Verzerrte Bass-Klänge, dazu Keyboardtöne und ein Schlagzeug. „Es war durchgeknallt, aber die Leute tanzten stundenlang dazu“, erzählt Gitarrist Markus. „Lasst uns eine ernsthafte Band gründen“, das beschlossen die vier Jungs danach. Die Fatones waren geboren.

Zwei Jahre sind seither vergangen, ihre erste EP „Until The Morning Light“ kam 2012 heraus, derzeit laufen die Arbeiten für die zweite Platte. „Sie soll noch vor Weihnachten erscheinen“, sagt Adrian. Sowohl neue als auch alte Songs präsentiert die Band am Donnerstag, 10. Oktober, im Kulturfenster in Heidelberg um 19.30 Uhr und am Freitag, 11. Oktober, im Vanguarde in Karlsruhe. Dort ist der Auftritt gegen 2 Uhr geplant. https://www.facebook.com/events/636000329784792/?fref=ts

Mando Diao, Kings Of Leon, Men in Black: „Wir lassen uns von verschiedenen Bands inspirieren, machen aber unser eigenes Ding“, sagt Markus. Als Indie-Rock mit poppigen und bluesigen Elementen beschreiben die Jungs ihren Stil. Die Texte schreibt Sänger Paddy alleine, an den Melodien feilen sie dann gemeinsam. „Jeder bringt sich ein“, sagt Adrian. Außer ihm wohnen alle anderen Bandmitglieder inzwischen zusammen in einer WG in der Nähe des Europaplatzes. „Die Wege, um sich über neue Ideen auszutauschen, sind dadurch kurz“, sagt Gitarrist Markus, der an der Hochschule für Musik studiert. Adrian und er kennen sich bereits aus der Schulzeit in Donaueschingen, Sänger Paddy und Drummer Jo kommen beide aus Backnang.

Wie sie in Karlsruhe dann zusammenfanden? „Paddy und ich studieren beide Architektur – dadurch lernten wir uns kennen“, erklärt Adrian. Während sie in ihren Heimatorten schon zahlreiche Konzerte spielten, waren Auftritte in der Fächerstadt bislang eher selten. Gitarrist Markus überlegt kurz und zählt dann auf: „Bei einem Science Slam im Jubez waren wir dabei.“ Außerdem bei einer Triple-Night im Jubez oder bei einem Open-Stage-Abend im Radio Oriente. „Der größte Auftritt war nun vor wenigen Monaten beim Parkplatzfest“, sagt Adrian. „Dort waren wir Headliner.“ Bis zu 2000 Zuschauer standen vor der Bühne, schauten und hörten den Fatones zu.

Drei sehr stressige Wochen haben die vier Studenten gerade hinter sich. „Wir haben angefangen, unsere Songs für die neue Platte aufzunehmen“, erzählen Adrian und Markus. Das Instrumental-Grundgerüst steht, nur Gesang und Gitarrensoli fehlen noch. Die Aufnahmen waren nicht immer ein Vergnügen: „Drei Wochen zusammen in einem Raum zu verbringen, das kann ganz schön anstrengend sein“, sagen die Jungs. Der Umgang miteinander sei oft sehr rau – Diskussionen normal. „Spätestens wenn wir dann aber die Instrumente in die Hand nehmen und anfangen Musik zu machen, ist wieder alles gut.“

Weitere Infos: https://www.facebook.com/fatonesband?fref=ts

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6. Oktober 2013

Melodien: “Kakkmaddafakka”

Oohh, Karten für das Kakkmaddafakka-Konzert in Karlsruhe. Ich freute mich sehr, als zwei meiner liebsten Schulzeit-Freundinnen mir die Tickets zum Geburtstag überreichten. In Köln und Mainz wohnen sie inzwischen, Dinge zu dritt unternehmen, das ist nicht mehr so selbstverständlich – leider.

Umso größer war die Freude auf diesen Abend. Eigentlich hätten Miriam und ich Kakkmaddafakka schon beim Dockville gesehen, dort wurde das Konzert aber kurzfristig abgesagt. Keyboarder Jonas litt an Herzproblemen. Nun hatten wir aber Glück, kurz vor 22 Uhr stand die norwegische Band zu acht auf der Bühne.

Beschwingte Musik, nackte Oberkörper und kreative Tanzeinlagen: Die rund 90 Minuten waren eine große Party. Allein die beiden Herren mit weißen Hemden und schwarzen Fliegen im hinteren Teil der Bühne waren das Eintrittsgeld wert. Ihre Funktion: eine Mischung aus Backgroundtänzern- und sängern. Ihre Moves: völlig drüber, aber herrlich anzuschauen.

„Six Months Is a Long Time“, so lautet der Titel des neuesten Albums. “It’s brilliant”, verkündete Sänger Axel gleich mehrmals. An ironischem Selbstbewusstsein mangelt es den Norwegern nicht. Sie dürfen es sich erlauben. Die Songs sind wieder eine bunte Mischung aus Sixties-Pop, Ska und ein bisschen Reggae.

In „Gangsta No More“ nehmen sie Bezug auf ihren früheren Song „Gangsta“, einen meiner Lieblingssongs. Erwachsener sind sie geworden, verkünden sie nun. Ähm ja, im Substage ist davon an diesem Abend nicht allzuviel zu merken. Denn als sie etwa in der Mitte des Konzerts dann den Klassiker „Gangsta“ anstimmen, tobt nicht nur das Publikum. Auch auf der Bühne herrscht Anarchie, die Jungs hüpfen von links nach rechts, von vorne nach hinten, eine Struktur ist nur noch schwerlich zu erkennen. T-Shirts werden ausgezogen, wirbeln durch die Luft. Die einzige Konstante des Abends: der Standort des Schlagzeugs. Die Musik leidet unter dieser Dynamik keineswegs, die Qualität ist top.

Wir drei kannten nicht jedes Lied, das Kakkmaddafakka an diesem Abend anstimmten, im Gegenteil: Melle kannte keins. Das machte gar nichts, die Show der Norweger ist so kunterbunt und abwechslungsreich, dass es einfach nur eine Freude ist, dabei zu sein, zuzuschauen und zuzuhören.

Zugabe um Zugabe forderte das Publikum. Zum Abschluss ertönte dann Tina Turners „Simply The Best“, Kakkmaddafakka verneigten sich vor völlig verschwitzten und überglücklichen Fans. Es war ein Fest, danke Miriam und Melle für diesen wunderbaren Abend.

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29. September 2013

Melodien: “Ein Abend mit Paddy Bohr im Indicative Studio”

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Alle Fotos: Run Ten

Aufnahmen für neue EP

Es sind Tage mit wenig Schlaf für Paddy Bohr – Le Grand uff Zaque haben sich für eine Woche im „Indicative Studio“ in Bruchsal angemeldet, wuseln dort umher. Der Anlass: Die Aufnahmen für die neue EP „This is Shanghai“ stehen an. Es ist Ende Juni, ein heißer Sommertag. Pianist Max und Drummer Jonathan sitzen mit Paddy Bohr an diesem Abend in der Regie, dem Herzen des Studios. Gemeinsam gehen sie die bereits aufgenommenen Songs durch, feilen an den Details. An welchen Stellen ist der Gesang zu laut, zu leise, passt das Saxofon-Solo? Die Konzentration ist hoch. Die Nacht wird lang.

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19. September 2013

Melodien: “Fräuleinjazz”

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Extrovertiert, manisch und oberflächlich – wenn Sängerin Sarah Lipfert als „Claudette“ auf der Bühne steht, verwandelt sie sich in eine Show-Diva. Ihre Absätze sind hoch, die Kleider elegant, der Lippenstift ist dick aufgetragen. „Claudette“ ist eine, die genau weiß, wie sie Männer um den Finger wickelt. Neben ihr kann „Ilse“ (Judith Goldbach) nur schwer bestehen. Sie hat den Part der grauen Maus, die sich gerne hinter ihrem Kontrabass versteckt – schüchtern und zurückhaltend. Auf ihrem Instrument aber, da zaubert sie mitreißende Klänge hervor.

„Fräuleinjazz“ nennt sich das Projekt von Sarah Lipfert und Judith Goldbach. Zusammen interpretieren die beiden Musikerinnen auf ihre ganz eigene Art Lieder unter anderem von Hildegard Knef, Zarah Leander und Helge Schneider. Karlsruhe-Premiere des „komischen Musikjazztheaters“ ist am Samstag, 21. September, 20 Uhr, in der Hemingway Lounge (Uhlandstraße 26).

Die beiden Jazzmusikerinnen kennen sich seit ihrer Studienzeit in Mannheim. Vor vier Jahren beschlossen sie, gemeinsam ein Projekt zu machen. Deutschen Schlager anders arrangieren, lautete der Grundgedanke, erzählt Sarah Lipfert, die inzwischen in der Fächerstadt lebt und unter anderem an der Musikhochschule in Freiburg sowie am Badischen Konservatorium in Karlsruhe Gesang unterrichtet. Mithilfe der Regisseurin Caroline Richards arbeiteten sie nach und nach eine Geschichte aus – und riefen „Claudette“ und „Ilse“ ins Leben.

Was beide Figuren vereint? „Eine Therapie“, erläutert Sarah Lipfert mit einem Schmunzeln. „Die Musikwelt ist speziell und bietet viel Frustpotenzial.“ Angst keine Auftritte zu bekommen, der Konkurrenzdruck untereinander – „es ist oft nicht einfach“, sagt die Sängerin. All diese Erfahrungen und Erfahrungen verarbeiteten sie in ihrem Programm. „Wir haben einen Therapeutenbrief für unsere Charaktere erstellt“, erläutert die Jazzmusikerin. „Ilse“ ist dem Alkohol nicht abgeneigt, zeigt neurotische Züge. „Claudette“ ist narzisstisch und nymphomanisch.

Premiere feierte „Fräuleinjazz“ im Dezember in Mannheim. „Die Resonanz war toll“, sagt Sarah Lipfert. Ihr Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir mit unserem Programm den Menschen Jazz ein wenig näher bringen könnten.“

Internet: wwww.fraeuleinjazz.de

Der Artikel ist heute auch in den BNN nachzulesen:
FräuleinJazz

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23. Juli 2013

Heimat: Lieblingsmelodien bei “Das Fest'”

Es war der verplante Abgang von Leslie Clio, der mich bei „Das Fest“ am meisten verzückte. „Wo geht ihr denn alle hin?“, fragte sie ihre Bandmitglieder, als diese nach „Told you so“ nacheinander die Bühne verließen. Völlig verdutzt stand sie da, schaute irritiert umher. Ihr Schlagzeuger Max Schröder half ihr grinsend auf die Sprünge: „Leslie, das Konzert ist zu Ende.“

„Oh, achso”, meinte sie dann. „Ok, dann Tschüss.”

Drei Tage lang herrschte in Karlsruhe am Wochenende Ausnahmezustand, mehr als 200 000 Leute waren da und mit Leslie Clio, Bosse und Friska Viljor musizierten einige meiner Lieblingsinterpreten.

Am meisten Freude hatte ich definitv mit Leslie. Die 26-Jährige amüsierte mit ihrer schrägen Show. Ihre Tanzeinlagen: experimentell („die sind ganz neu“), ihr Versuch, bei „I couldn’t care less“ dem Publikum ein Spiel zu erklären: verwirrt. Oder wie sie kurz beim Singen ihr Mikrofon vergisst: upps.

Macht aber alles nix. Im Gegenteil: Nicht nur auf Platte, sondern auch live klingen ihre Retro-Pop-Soul-Songs fabelhaft. Ihre markante Stimme in Kombination mit der Band – das funktioniert hervorragend. Beim Dockville in Hamburg sehe ich sie bald wieder. Toll.

Völlig verquer, aber auch sehr unterhaltsam, das sind die Jungs der schwedischen Band Friska Viljor. Mit ihren weißen Outfits und verzottelten Haaren sahen sie in Karlsruhe aus wie eine Matrosen-Boyband. Sie hatten das Vergnügen am Samstagnachmittag bei hochsommerlichen Temperaturen zu spielen. Trotz der Hitze: Stillstehen kaum möglich. Aber nicht nur Zuhören, sondern auch Zuschauen macht eine Menge Spaß – dank der lustigen Mimik der Bandmitglieder. Immer wieder ziehen sie Grimassen, der Keyboarder grinst quasi das gesamte Konzert durch. Ein Konzert mit den Jungs ist nur zu empfehlen.

Groß war die Freude auch Bosse am Samstagabend auf der Hauptbühne erleben zu dürfen. Ein wenig angespannt wirkte der 33-Jährige. Zig tausend Menschen dürfen aber auch nervös machen. Und Bosse gab alles, erzählte Anekdoten, lustige, politische, tanzte sich in das Publikum, ließ die Fans singen und holte eine Dame auf die Bühne. Am Ende hatte er – auch dank seiner großartigen Band – das „Fest“-Publikum auf seiner Seite.

Neu entdeckt und in mein Musik-Herz geschlossen, habe ich zur späten Stunde am Samstagabend Newton Faulkner. Der Sänger mit den roten Dreadlocks war mir bislang nur durch „Dream catch me“ im Ohr. Eher zufällig bin ich bei dem Konzert gelandet. Ich war begeistert. Was Newton Faulkner mit seiner Gitarre anstellt, das ist großartig.

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21. Juli 2013

Heimat: “Herrenclub”

Vogelgezwitscher, immer wieder der Ausruf „Boah“ und kuriose Tanzeinlagen: Ein wenig irritiert war ich, als ich mir das Herrenclub-Video zu „Raus aus der City“ zum ersten Mal anschaute. „Was steckt denn dahinter?“ Ich wollte mehr wissen und traf mich deshalb vor wenigen Tagen mit Nico Sauer und Vincent Wikström, dem „Herrenclub“.

Essen ist wichtig. Deshalb darf der Ort zum Unterhalten gerne auch ein türkischer Imbiss sein. Das Angebot ist eingeschränkt. „Döner und Pizza stehen heute nicht auf der Karte“, sagt der Mann hinter der Theke. „Macht nix“, sagt Nico. Dann zwei Mal das Tagesgericht – was das genau ist, egal. Der „Herrenclub“ ist offen für Neues.

Das sind Nico (links) und Vincent.

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Was sich schnell zeigt: Die beiden Musiker sind gut vorbereitet. Fragen zu stellen: überflüssig. Nico und Vincent haben welche vorbereitet, die Antworten gleich mit.

Also die Herren, dann mal los, rollen wir das Feld von hinten auf, die letzte Frage, bitte.

Man hat bei euch immer das Gefühl, dass die Aktionen mit einem gewissen Augenzwinkern versehen sind, aber was mich eigentlich interessiert: Wieviele Frauen kann ein Mann in seinem Leben lieben?

“Herrenclub”: 74 und mehr.

Ah ja. Ok. 74.

Artet das nicht in Stress aus?

„Herrenclub“: Nee, nee. Liebe kann variabel lang sein. Sekunden, Minuten, Tage – alles ist möglich.

Ok. Dann vielleicht doch mal noch kurz zum Grundsätzlichen.
Nico, Vincent: die erste Frage, bitte.

Was und wer verbirgt sich hinter dem „Herrenclub“?

„Herrenclub“: Der Herrenclub ging ursprünglich aus dem Wikström-Sauer-Komplex hervor…

Stopp.

Wikström-Sauer-Komplex? Nähere Erläuterungen, bitte.

„Herrenclub“: Nico ist 26, studiert an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, sein Schwerpunkt: Komposition. Vincent ebenfalls.

Ok. Weiter.

Was steckt hinter dem Projekt?

“Herrenclub”: … Der Wikström-Sauer-Komplex wurde erweitert zu einem Kollektiv von Künstlern aus den Bereichen Neue Musik, Geile Beats, Dokumentarfilme, Sensorenfernsteuertechnik. Die Aufnahmebedingungen sind allerdings so unmöglich, dass bisher nur die Gründer Mitglieder sind.

Stopp.

Also ein sehr exklusiver Club?

„Herrenclub“: Nee, wir haben neulich die Aktion “Meet&Greet” gegründet, um Menschen, deren Leben weniger aufregend und krativ sind als die unseren, den Kontakt mit uns zu ermöglichen. Jeder kann sich dafür bewerben. Einfach über Facebook eine Nachricht schreiben.
https://www.facebook.com/herrenclub?ref=ts&fref=ts

Sehr sozial.

Wie sieht so ein Treffen dann aus?

„Herrenclub“: Mit Benedikt Woerner sind wir vor kurzem auf unserem Motorboot über den sonnengefluteten Tegernsee gefahren. Mensch, war das schön!

Toll.

Ihr verwendet oft Parolen und Floskeln wie „Boah“ oder „OK“. Wie kommt ihr darauf?

“Herrenclub”: Die Parolen in unserer Musik sind Fremdkörper, die uns aus unserer Umwelt ins Auge springen oder von selbst auf uns eindringen und dann nach Verarbeitung verlangen. Nichtssagende Floskeln werden solange unvariiert wiederholt – bis sie wieder neu gehört und bewusst verwendet werden können.

Ok.

Bisher kennt man von euch nur “Raus aus der City, boah!” Wann wird mehr zu hören sein?

„Herrenclub“: Wir sind gerade dabei, “Wo ist eigentlich Mom und Dad? hhhhh” fertigzustellen. Im Frühjahr sind wir dann zu Dreharbeiten an der Elfenbeinküste und in Burkina Faso, wo wir “Jetzt wirds aber philosophisch, OK…?!” produzieren. Anschließend steht eine 13000 Kilometer lange Busfahrt nach Japan an, die musikalisch nicht folgenlos bleiben wird.

Spannend.

Vor kurzem hattet ihr im Vanguarde in Karlsruhe einen interessanten Auftritt…

„Herrenclub“: Genau. Mönchgesang eröffnete unser Spontanspektakel. Auf einem kleinen Tisch rührte Nico dazu eine Art Magiertrank – während Vincent unter anderem ruckartige Bewegungen zum Beat und Stöhn-Geräusche hervorzauberte. Die Menge wurde mit Süßigkeiten irritiert, die Nico ihnen zuwarf. Zum Schluss war bei „Wo ist eigentlich Mom und Dad? hhhhh!” Vincents Körper ganz zu Musik geworden. Der Beat gehorchte ihm. Wie eine Boje auf rauher See ließ Sauer dazu seinen Körper kreisen. Eine synthetische Stimme vokalisierte dazu aus dem Off. Als Vincent plötzlich zu Boden fiel und seine Beine anhob, wie ein Käfer auf dem Rücken oder eine Schwangere zur Geburt, war vom geilen Beat nur noch ein fernes Knattern und erstickte Explosionen zu hören.

Ahja.
Ok.

Nico, Vincent, danke für das Gespräch. Es war mir ein Vergnügen.

Hier noch ein “Making of” zu “Raus aus der City”. Viel Spaß damit.

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22. Mai 2013

Melodien: Le Grand uff Zaque

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Die Band “Le Grand uff Zaque” möchte sich ihre neue EP über eine Crowdfunding-Aktion finanzieren, davon handelt mein Artikel, der heute in den BNN zu lesen ist:

bnn0000001233844Infos: www.startnext.de/legranduffzaque-ep

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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