13. Juli 2019

Schmöker: “Zeitoun” von Dave Eggers

Zeitoun

“Zeitoun”: Eine brillante literarische Reportage

An manchen Stellen schauderte es mich, an anderen litt ich und am Ende war ich einfach nur erleichtert. „Zeitoun“ ist packend und spannend wie ein Thriller. Aber auch äußerst klug und gibt einen guten Einblick, was nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans los war. Die literarische Reportage rund um einen syrischen Familienvater erzählt von Anarchie gepaart mit Verzweiflung und Mut. Ab der zweiten Hälfte wird es gar so dramatisch, dass ich oft fluchte, dass dies eine wahre Geschichte ist, die Dave Eggers da erzählt. Und keine Fiktion. Weiterlesen »

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12. Juli 2019

Heimat: “Ein Nachmittag mit den Werken von Sean Scully in der Kunsthalle Karlsruhe”

© Liliane Tomasko

Sean Scully in der Kunsthalle Karlsruhe: Streifen, vertikal und horizontal, in leuchtenden Farben!

Minen treiben im Wasser, das Schiff kommt vom Kurs ab. Als Sean Scully im Alter von vier Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit seiner Familie von Irland nach England übersiedelt, drohte große Gefahr. Tief haben sich diese stürmischen Erinnerungen in seinem Kopf festgesetzt – in seiner Reihe „Passenger“ hat er sie verarbeitet.

Das Besondere: Jedes einzelne Gemälde der „Passenger“-Reihe hat ein Inset. Das heißt, ein kleines Bild ist in ein größeres integriert, ja, noch mehr: geborgen. Es ist eine Anlehnung, wie ihn seine Mutter damals als „precious“, als kostbare Fracht, auf dem Schiff beschützte.

Passenger Night

Ein Bild aus der Serie, „Passenger Night“, ist noch bis zum 5. August anlässlich der Ausstellung „Vita Duplex“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen – sowie weitere etwa 130 Arbeiten des Künstlers. Darunter Öl- und Acrylgemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzenbücher und Fotografien.

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1. Juli 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Lisa Bergmann und Judith Milz”

Kirche St. Franziskus Dammerstock

“Der gefaltete Raum”: eine Ausstellungsreihe im Stadtkloster St. Franziskus

Ein knallgelber Sonnenschirm ragt aus dem Fenster hoch oben am Turm der St. Franziskus Kirche in Dammerstock. Nur wenige Meter von ihm entfernt flattern Kleidungsstücke im Wind – an einer Wäscheleine, die Künstlerin Judith Milz für ihre Ausstellung „esercizi di allentamento“ aufgehängt hat. Um sie zu befestigen, bohrte sie extra Löcher in den Turm. So hängen ihre profanen Kleidungsstücke nun neben der Leine, an der die Putzfrau die heilige Wäsche aufhängt.

Der Sonnenschirm und die neue Wäscheleine: Es sind nur zwei von mehreren Irritationspunkten, die von der Straße beziehungsweise vom gegenüberliegenden Spielplatz in Dammerstock schnell ins Auge fallen. Im Klostergarten stehen außerdem an den verschiedensten Orten Stühle, nebeneinander, aufeinander. Rund um die Kirche hängen weitere farbige Stoffteile aus den Fenstern, ziehen Blicke auf sich, strahlen bis hin zur vielbefahrenen Autobahnbrücke. „Immer wieder kommen Menschen vorbei und fragen mich, was es damit auf sich hat“, erzählt mir Judith. Das Interesse freue sie sehr.

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26. Juni 2019

Schmöker: “Was ich liebte” von Siri Hustvedt

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“Was ich liebte”: Vom netten Roman zum spannenden Thriller

Es beginnt so harmlos. Als ich die ersten Seiten von „Was ich liebte“ zu lesen begann, dachte ich: „Ach, das liest sich aber schön.“ Bei den ersten rund 200 Seiten handelt es sich um einen netten Roman um zwei Künstler-Ehepaare, die in Brooklyn leben. Es geht um Leo und Erica sowie Bill und Violet. Um die gewöhnlichen Irrungen und Wirrungen der Liebe – mit interessanten Exkursen zur Literatur, Kunst und Psychologie.

Doch Seite für Seite steigert sich in „Was ich liebte“ die Spannung – auf so subtile Weise, dass ich zunächst kaum bemerkte, wie sehr mich dieser Roman verschlang und Platz in meinem Denken einnahm. Schließlich konnte ich das Buch nicht mehr weglegen. Erzählte Freunden ständig davon. Schönheit, Spannung, Schwieriges: „Was ich liebte“ vereint alles. Siri Hustvedt hat mit diesem Roman ein kleines literarisches Meisterwerk geschaffen. Weiterlesen »

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25. Juni 2019

Heimat: “Ein Besuch bei Goldzünglein Karlsruhe”

Das sind Marcel und Daniel (von links)

Goldzünglein Karlsruhe: Zack, Boom, überrannt.

Es klackert, klirrt und kracht ganz leise: Knapp drei Minuten dauert es, bis Daniel und Marcel in ihrem Eiscafé „Goldzünglein“ ein gerolltes Eis in den Becher zaubern. Mit einer silbernen Spachtel verteilen sie dazu eine cremige Masse auf einer kalten Platte, werfen Oreo-Kekse oder Früchte dazu, hacken sie klein, verteilen die Masse erneut – solange, bis am Ende alles gefroren ist.

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25. Juni 2019

Melodien: “3 Tage auf dem Maifeld Derby”

Maifeld Derby: entspannte Stimmung und tolle Acts

Ihre Energie ist übermächtig. Als Tank and the Bangas die Bühne betreten, schwappt von der ersten Sekunde an unendlich viel Kraft durch das große Zirkuszelt. Besonders Sängerin Tarriona „Tank“ Bal ist eine Wucht. Hiphop, Soul, Jazz, Funk und kluge Texte. Die Musik der Gruppe aus New Orleans ist dynamisch, bunt und wild. Für mich ist ihr Auftritt definitiv ein Highlight des dreitägigen Festivals in Mannheim.

Blauer Himmel, Wimpelketten, keine Alkoholleichen und etwa 70 Konzerte verteilt auf vier Bühnen: Das Maifeld Derby ist auch in diesem Jahr wieder eine riesige Freude für mich. Das Besondere an dem mit insgesamt rund 15.000 Besucher relativ kleinen Festival: die große Bannbreite der außergewöhnlichen Acts. Elektro, Black Metal, Hiphop und Pop – von Musikern aus der ganzen Welt. Beim Maifeld Derby treffen 2018 Newcomer wie Tamino auf etablierte Größen wie die Eels. Weiterlesen »

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24. Juni 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Ondine Dietz und Hannes Jung in der Fledermaus”

Ein Kunstfestival in Karlsruhe: “10 Tage – 10 Räume”

Vorbei an der Dorfschänke und dem SPD-Parteibüro, ganz nahe an der Brunnenstraße liegt „Die neue Fledermaus“. Nicht nur die Fassade der alternativen Kleinkunstbühne ist bunt. Auch als ich ihr Innerstes betrete, gelange ich in eine farbenfrohe Welt. Ein Vintage-Sofa steht dort auf Teppichen, die aus einem anderen Jahrhundert stammen, ein Kronleuchter baumelt an der Decke und eine antike Schirmlampe lehnt ein wenig schief an einem Regal.

„Schön, dass du da bist“, empfängt mich Ondine Dietz herzlich. Sie hat mich eingeladen, um mir mehr über das Kunstfestival „10 Tage – 10 Räume“ zu erzählen. Die Veranstaltung findet ab Donnerstag, 27. Juni, in Karlsruhe statt. Nicht zentral an einem Ort, sondern verteilt über das gesamte Stadtgebiet.

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23. Juni 2019

Heimat: “Ein Besuch in der Kombüse Mannheim”

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Lecker und vegan: die Kombüse in Mannheim

Feiner Duft nach frisch gebackenen Schokoladenkeksen weht aus der Küche. Windet sich durch die Fensterritzen nach draußen, umhüllt die Gäste in und vor der Kombüse. „Der Nachtisch ist fertig“, kommentiert Michael. Er ist einer von zwei Inhabern des vegetarischen und veganen Restaurants im Jungbusch in Mannheim. An diesem lauen Samstagabend sitzt er mit seinem Geschäftspartner Jon draußen auf einer Bierbank.

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Das ist Jon.

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Das ist Michael.

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21. Juni 2019

Heimat: “Ein Abend mit Tim und Michi in der ,Bar Luka'”

Das sind Michi und Tim (von links).

Luka Bar: eine Bar für drei Monate in Karlsruhe

Eine feine Schicht aus weißem Babypuder bedeckt den dunklen Boden, als ich die “Bar Luka” zum ersten Mal betrete – eine hauchdünne Erinnerung an die einzige Veranstaltung, die die frühere Espresso- und Zigarren-Bar „Leonardo“ im Dezember 2016 nochmals kurz belebte.

Schon seit vier Jahren knattern in der Zähringerstraße 96 keine Kaffeemaschinen mehr, der feine Duft nach gerösteten Arabica-Bohnen und Tabak ist verschwunden. Stattdessen nutzte das Gartenbauamt den Keller, um dort seine Akten zu lagern. Außerdem fanden Sonnenschirme und Weihnachtsbäume vorübergehend ein Zuhause.

Nun kehrt endlich wieder Leben ein, für drei Monate eröffnen Tim Strüver und Michael Kröck die temporär existierende „Bar Luka“ – mit einem innovativen Konzept, außergewöhnlichen Drinks und DJs.

„Wir möchten die Karlsruher Ausgehkultur mit unserem Angebot bereichern“, sagt Tim. Ihre Maxime: Nicht nur lamentieren, dass etwas in der Fächerstadt fehlt und Langeweile herrscht, sondern aktiv den Ist-Zustand verändern. Ende Januar 2018 begannen die Gespräche mit der Fächer GmbH, im April stand der Vertrag. Die offizielle Eröffnung der “Bar Luka” ist nun am Freitag, 29. und Samstag, 30. Juni. Weiterlesen »

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19. Juni 2019

Melodien: “Ein Nachmittag mit Nicolas Sturm”

Credit: Max Zerrahn

Nicolas Sturm: Konzert im Kohi Karlsruhe

Als sich die politische Situation in Deutschland vor drei Jahren zuspitzte, Pegida-Anhänger voller Wut und Hass durch die Straßen Leipzigs und Dresdens stapften, setzte sich Nicolas Sturm an seinen Schreibtisch und begann, Songtexte zu schreiben. Über eine verängstigte Gesellschaft, die sich trotz ihres Luxus’ fürchtet, nicht aus Fehlern lernt, in ihrer Doppelmoral gefangen ist und sich ständig um sich selbst kreiselt.

„Ich konnte nicht mehr schweigend zusehen“, erzählt er mir, als wir uns an einem sonnigen Nachmittag auf dem Werderplatz treffen. Zehn Songs landeten auf „Angst Angst Overkill“, einem Album geprägt von poppigem 80er-Jahre-Gitarrensound gepaart mit sprachlich ausgefeilten Texten. Zu hören sind sie am kommenden Freitag bei seinem Konzert im Kohi Kulturraum.




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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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