11. April 2014

Fernweh: “Hongkong”

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Hongkong. Bis vor wenigen Monaten war es für mich völlig ausgeschlossen, dass ich jemals in ein Flugzeug steige, welches mich so viele Kilometer weit weg von zu Hause bringt. Länger als vier Stunden in der Luft? Nein. Viel zu groß ist meine Angst vor dem Fliegen.

Viele Jahre verweigerte ich kategorisch jegliches Urlaubsziel, das nicht mit Zug und Auto zu erreichen ist. Dresden, Prag, Hamburg. Brüssel. Das sind schließlich auch schöne Städte.

Doch meine Sehnsucht nach Stockholm ließ mich nicht los, half 2009, meine Angst zumindest für Kurzstrecken zu überwinden. Reisen nach Istanbul, London, Krakau und Mailand folgten. Routine stellte sich jedoch nie ein. Neben mir im Flugzeug zu sitzen, das ist kein Vergnügen. Weiterlesen »

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6. April 2014

Heimat: “Lesung mit Jügen Teipel”

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Plattenläden waren lange Zeit ein reines Jungs-Ding. Wenn es ums Auflegen ging, hatten es Frauen ganz schön schwer. Das erzählte der Autor und ehemalige DJ Jürgen Teipel am Donnerstagabend bei seiner Lesung im Kulturraum Vanguarde.

Lampenfieber, Drogen, Beziehungen: „Mehr als laut“ lautet der Titel von Teipels Buchs, das im Doku-Stil von den Erlebnissen verschiedener DJs erzählt und an diesem Abend im Mittelpunkt der rund zweistündigen Lesung steht. Eine Collage aus O-Tönen. Zu Wort kommen unter anderem DJ Koze, Inga Humpe und Kristian Beyer (Âme). Die Geschichten spielen in Mannheim, Ibiza, Kolumbien.

„Die Szene war Anfang der 1990er-Jahre von Männern dominiert, quasi ein geschlossener Kreis.“ Frauen mussten sich an alten Rollenmustern abarbeiten, sollten lieber auf Boxen tanzen, als für die Musikauswahl sorgen. „Die richtig interessanten Sachen wurden ihnen in den Plattenläden oft gar nicht gezeigt“, erzählt Teipel. Die Konsequenz: Gerade mal fünf Prozent der DJs waren damals weiblich, die DJane „Acid Maria“ eine kleine Sensation.

„Das Geschlechter-Ungleichgewicht ging in den vergangenen Jahren zwar ein wenig zurück“, fügt der Schriftsteller hinzu. Inzwischen betrage der Anteil der Frauen unter den DJs mehr als 20 Prozent. Gleichwohl: Ein Ungleichgewicht sei nach wie vor da.

Dass Drogen in der Szene keine Seltenheit sind, das thematisiert Teipel ganz offen. Er lässt seine Protangonisten erzählen – unter anderem von Ecstasy in astreiner Kapselqualität. „Das saugt dich aus.“ Oder von MDMA-Erfahrungen: „Zuerst schien alles gut, dann kamen aber die Blackouts.“ Es sei dann kaum mehr möglich gewesen, einem Gespräch mit anderen ernsthaft zu folgen.

Neben dem Freiburger Autor hat an diesem Abend im Vanguarde Christian Nainggolan (LEGO) Platz genommen. Er war Mitbegründer der „Plattentasche“, einem Laden in der Luisenstraße in der Karlsruher Südstadt. „Das war dort streckenweise wie in einer Kneipe“, erinnert er sich. Die Leute kamen, um sich auszutauschen, das Kaufen stand oft gar nicht im Vordergrund. Eine schöne Zeit, die er auf keinen Fall missen wollte.

Die Lesung mit Jürgen Teipel folgt an diesem Abend einem offenen Konzept, Fragen dürfen vom Publikum durchweg gestellt werden. Was in der ersten Hälfte gut funktioniert, wird gegen Ende ein wenig zäh. Die Geschichten rund um die DJ-Erlebniswelt sind dennoch höchst unterhaltsam und interessant.

Aufmerksamkeit erregte Teipel bereits 2001 mit seinem Werk „Verschwende deine Jugend“, einem Doku-Roman über deutschen Punk und New Wave. Er schreibt unter anderem für die Wochenzeitung „Die Zeit“ sowie das Musikmagazin „Spex“.

 

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31. März 2014

Flimmerkasten: “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand”

Egal, wie ausweglos die Situation ist, im Leben geht es immer weiter. Irgendwie. Diese Erfahrung macht Allan Karlsson gleich mehrmals. Er verliert früh seine Eltern, landet in der Psychiatrie, trifft im Laufe von zehn Jahrzehnten eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten und hat das Glück, 100 Jahre alt zu werden. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber Allan hat an seinem runden Geburtstag keine Lust auf die Marzipantorte im Seniorendomizil, er steigt mit seinen Pantoffeln aus dem Fenster und macht sich auf – zu einer Vielzahl irrwitziger Abenteuer.

Das Buch von Jonas Jonasson wurde mir vor zwei Jahren empfohlen, als ich unglücklich in meinem damaligen Job war. „Miriam, lies dieses Buch, danach wirst du eine andere Einstellung zu vielen Dingen haben.“ Und in der Tat, viel Freude hatte ich mit dem skurrilen Allan und seinen absurden Erlebnissen. Groß war meine Neugierde deshalb, als ich hörte, dass der Schelmenroman verfilmt wird.

Ich bin von dem Ergebnis nicht wirklich überzeugt. Der Film hält sich zwar sehr an die gelungene Buch-Vorlage – aber eben in komprimierter Form. Das wirkt sich unter anderem auf die Ausarbeitung der schrägen Protagonisten aus, deren schrullige Eigenschaften nur noch begrenzt dargestellt sind. Und auch die einzelnen Handlungsstränge sind zusammengerafft. So ist die Verfolgungsjagd mit der Polizei nur sehr rudimentär vorhanden. Spannung kommt so keine auf. Schade.

Mal mit, mal ohne Falten: Der schwedische Komiker Robert Gustafsson spielt in dem Film sowohl den jungen als auch alten Allan. Versierte Maskenbildner machen es möglich. Als seniler Alter wirkt er dabei jedoch oft sehr hölzern. Sein tattriges Verhalten kommt wenig authentisch rüber, eher angestrengt.

Eine komplette Katastrophe ist der Film aber keineswegs. Der pech-schwarze Humor ist gut herausgearbeitet, die Musik ist unterhaltsam. Hätte ich das Buch nicht gelesen, würde ich das Werk von Regisseur Felix Herngren als kurzweilig bezeichnen. Ein Kino-Besuch muss nicht sein, aber auf DVD lohnt sich der Film auf jeden Fall.

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29. März 2014

Heimat: “Vivant”

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Das sind Kan, Flo, Valentin und Vincent (von links)

Es ist ein zweiminütiger Trickfilm, der ganz am Ende des Gangs über einen Monitor flimmert. Sechs Meter müssen vom Eingang bis zu diesem Bildschirm zurückgelegt werden – kriechend. Die Installation „Vivant“, die ab heute, 20 Uhr, bis 19. April in Durlach beim Kunstverein Letschebach (Blumentor 12) zu bestaunen ist, ist eine physische Herausforderung für die Besucher. Sie ohne Anstrengung zu konsumieren – nicht möglich. Der Fokus von „Vivant“ liegt auf Perspektivwechsel. „Wir wollen, dass unsere Kunst bewusst wahrgenommen wird, nicht selbstverständlich erscheint“, erläutert Valentin Hennig. Er steht mit Vincent Wikström, Florian Fischer und Tao Kan Xu hinter dem facettenreichen Erlebnis. Kuratiert wird die Ausstellung von Mareen Wrobel und Andrea Bianchin.

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Auf knapp 40 Quadratmetern Fläche haben die vier Künstler ihr interaktives, multimediales Werk aufgebaut. Unterteilt ist die große Holzkonstruktion in verschiedene Bereiche, in denen der Besucher unterschiedliche Dinge erleben kann. In einem ganz kleinen Raum, links von dem Bildschirm, auf dem der Trickfilm flimmert, steht ein Sessel samt Tischchen. Ein roter Buzzer wartet auf Drückfreudige. Wer darauf haut, kann einer Diskussion zwischen Mann und Frau lauschen. Themenschwerpunkt: Schuhe.
„Die erste Idee zu ,Vivant‘ kam uns vor neun Monaten“, sagt Valentin, der an der Kunstakademie Karlsruhe sein Diplom machte. Gemeinsam mit seinen beiden Kommilitonen Flo und Kan sowie Vincent, der an der Hochschule für Musik studiert, feilte er neun Monate lang an einem Konzept – bis feststand: Das Werk soll Elemente der Videokunst, Architektur, Sensorik und Klanggestaltung kombinieren

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Viel Holz musste für die Konstruktion in den vergangenen Wochen nach Durlach gekarrt werden. Die vorbereitenden Arbeiten waren intensiv. „Deshalb haben wir uns für das Atelier vom Kunstverein Letschebach entschieden“, erläutert Valentin. Dort können die vier Künstler auf dem Gelände einer alten Brauerei 24 Stunden ohne Unterbrechung werkeln. „Unsere Schwerpunkte sind dabei klar unterteilt“, erläutern sie. Kan ist der Koordinator, Flo baute hauptsächlich die Installation, Vincent ist für Sensorik und die Tonarbeiten zuständig und Valentin für die filmischen Aspekte. „Wir ergänzen uns perfekt.“

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Das ist Vincent.

Sophie vom Kunstverein Letschebach leistete den vier Jungs beim Aufbau Gesellschaft, unterstützt sie. Seit 2011 besteht der Letschebach-Zusammenschluss, neun Personen gehören ihm derzeit an. Sie bieten in dem charismatischen Hinterhof Künstlern Ausstellungsfläche. Aber auch Lesungen oder kleinere Konzerte veranstalten sie. „Wir wollten Kreativen so eine Plattform bieten, um sich austauschen und Kontakte knüpfen zu können“, sagt Sophie. Anlässlich der Ausstellung findet am 16. April, 19 Uhr, ein öffentliches Künstlergespräch mit Dr. Laurence Rickels statt, Finissage ist am 19. April, 19 Uhr mit einem Konzert.

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Das sind Sophie und Valentin.

Weitere Infos unter www.vivantvivant.de und https://www.facebook.com/events/496755380436406/?fref=ts

Mehr zu Vincent: http://wp.me/p3915e-tw
Mehr zu Valentin: http://wp.me/p3915e-lq

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25. März 2014

Flimmerkasten: “Die Bücherdiebin”

Es ist der Tod, mit dem alles beginnt – und endet. Als düsterer Sprecher fungiert er in „Die Bücherdiebin“ und erzählt die Geschichte von Liesel Memminger. Einem neunjährigen Mädchen, das kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs Romane stiehlt und mit den Schrecken der Naziherrschaft konfrontiert wird.

Unbedingt wollte ich diesen Film im Kino sehen. Die literarische Vorlage von Markus Zusak las ich vor etwa drei Jahren. Sie bewegte mich sehr. Ein wenig suspekt fand ich zwar zu Beginn, dass der Roman aus der Perspektive des Todes geschrieben ist, als ich mich aber nach wenigen Seiten daran gewöhnt hatte, konnte ich nicht mehr davon lassen. Vor allem das Ende haute mich um.

Nun also der Film. Groß war meine Freude, als ich feststellte, dass es ein Wiedersehen mit Sophie Nélisse gibt. Sie fand ich bereits in „Monsieur Lazhar“ unglaublich bezaubernd. Und auch dieses Mal überzeugte sie mich sehr. http://wp.me/p3915e-5V

Sophie Nélisse haucht Protagonistin Liesel Leben auf der Leinwand ein. Der Tod sucht sie zum ersten Mal in einem Zug auf. Ihr kleiner Bruder Werner stirbt dort neben ihr und wird schnell neben den Schienen beerdigt. Es ist bitterkalt, Schneeflocken purzeln vom Himmel, ein Buch fällt dem Totengräber aus der Tasche. Liesel reagiert schnell, hebt es auf, packt es unter ihre Jacke, nimmt es mit zu ihren Pflegeeltern, zu Rosa und Hans Hubermann in die Himmelstraße.

Liesel hat in dem kleinen Dorf keinen guten Start. Sie kann weder lesen noch schreiben, ist so dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt. „Dummkopf“ sagen sie zu ihr. Auch Pflegemama Rosa wirkt eher gefühlskalt und verbittert. „Saumensch“ nennt sie ihre Pflegetochter. Mit viel Herz begegnet ihr dagegen Hans Hubermann. Er bringt Liesel die Welt der Buchstaben näher. Und da ist noch Rudi, der Junge mit den zitronengelben Haaren, er wird ihr bester Freund. Viel Schabernack treiben sie zusammen.

Als eines Tages der Jude Max auftaucht, gerät das Leben der Familie Hubermann aber durcheinander. Sie verstecken den völlig entkräfteten jungen Mann.

„Die Bücherdiebin“ ist ein visuell sehr ansprechender Film geworden. Die Bilder sind in einem dezenten Braunton gehalten, schwächen das Grauen im Nazi-Deutschland ab. Generell unterhielt mich der Film bis zum Ende sehr gut, aber löste bis auf die letzten fünf Minuten kaum Gefühlsregungen in mir aus. Auch wimmelt es in dem Werk nur so von Logikfehlern. Im Keller der Hubermanns sind die einzelnen Worte, die Liesel lernt, in englischer Sprache geschrieben, die Buchtitel oder Plakate an den Hauswänden sind aber deutsch. Dieses Sprachenwirrwarr taucht so oft auf, dass ich irgendwann ob dieser Ungenauigkeit wirklich sehr irritiert war.

Auch einige Dialoge zwischen dem Juden Max und Liesel sowie mit ihrem Freund Rudi wirken sehr hölzern. Laut Spiegel online verriss die New York Times den Film als “Oscar-heischenden Holocaust-Kitsch” – dem möchte ich nicht widersprechen.

Gleichwohl: Allein wegen der sehr unterhaltsamen Geschichte und der tollen Schauspieler (außer Sophie Nélisse sind noch Geoffrey Rush und Emily Watson dabei), verflogen die 132 Minuten sehr schnell. Diesen Kinobesuch bereue ich deshalb keineswegs!

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18. März 2014

Schmöker: “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” von John Green

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„Miriam, das ist kein typisches Krebs-Buch.“ Mit diesen Worten überreichte mir Martha an meinem Geburtstag das Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Einfach nur wunderschön sei der Roman von John Green, meinte sie.

Normalerweise mache ich um Bücher und Filme rund ums Sterben von Kindern und Jugendlichen einen großen Bogen. Distanz halten ist nicht meine Stärke, viel zu sehr belastet mich das Geschehen. Seit ich den Film „Oskar und die Dame in Rosa“ im Kino sah, quasi die ganze Zeit durchheulte, habe ich genug von solch tragischer Unterhaltung.

Nun aber die Ausnahme, schließlich sollte es ja kein typisches Krebs-Buch sein. An einem Sonntag nahm ich den Roman in die Hand und begann zu lesen. Den ganzen Tag hatte ich Zeit, freute mich über ein unbeschwertes Vergnügen. Aber schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass es das nicht sein wird.

Hazel ist 16 Jahre alt und hat Krebs. Unheilbar. An Freundschaften ist sie weniger interessiert, nur ihrer Mutter zuliebe geht sie in eine Selbsthilfegruppe. Dort lernt sie den lebenslustigen Augustus, kurz Gus, kennen. Schnell entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden, sie verlieben sich. Gus hat seine Krankheit scheinbar gut überstanden, eines seiner Beine musste zwar amputiert werden, damit arrangiert er sich aber gut und hat die Kraft, Hazel wieder Lebensfreude zu schenken. Zusammen hören sie Musik, lesen die gleichen Bücher und unternehmen schöne Dinge.

Dabei schwingt aber auf jeder Buchseite der Krebs-Alltag von Hazel mit. Der Leser erfährt all ihre Gedanken, Sorgen und was eine unheilbare Krankheit für die Familie bedeutet. Das ist so nah an der Realität, dass ich das Buch immer wieder weglegen musste. Ständig fasste ich an diesem Sonntag den Entschluss, komplett aufzuhören, konnte es aber dann doch nicht lassen. Las weiter, weiter und weiter. Es war wie eine Sucht.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist tatsächlich wunderbar geschrieben. Voller Herz, keineswegs kitschig. Viele kluge Weisheiten stecken darin. Und es ist eine Handlung, die nicht vorsehbar ist. Vielmehr nimmt die Geschichte irgendwann eine drastische Wendung, die mich aber noch mehr erschütterte. Ich musste frühzeitig den Schluss lesen, um mich darauf vorzubereiten, was im letzten Drittel noch alles auf mich zukommt.

Letztlich las ich den Roman von John Green innerhalb von zwei Tagen komplett durch – und war tief bewegt. Auch wenn ich das Geschenk mehrmals verfluchte, bin ich sehr froh, das Buch gelesen zu haben. Den Film, der im Sommer anläuft, werde ich mir aber nicht anschauen. Auf gar keinen Fall.

Lieblingszitat: „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist.“

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11. März 2014

Melodien: “Sonic Avalanche”

Raus aus dem Studio, rauf auf die Bühne: „Sonic Avalanche“ sind zurück. Am kommenden Freitag, 14. März, präsentieren die vier Jungs im Jubez die Songs von ihrer gerade erschienenen EP „Emily, It’s Future“. Mit dabei sind an diesem Abend außerdem “The Ikarus Effect” und Mareike Berg.

„Es steckt viel Arbeit in der neuen CD“, erzählt “Sonic Avalanche”-Sänger und Gitarrist Daniel Thomas. Insgesamt drei Monate nahmen sich die Musiker Zeit, um in Weingarten die vier Lieder einzuspielen. Jedes Detail sollte passen. „Wir haben den Schaffensprozess im Studio mit einem Musikvideo dokumentiert“, sagt der 26-Jährige. “Science for Fiction” heißt es. Die Mühen haben sich gelohnt. Bei einem Auftritt im Substage vor wenigen Wochen war die Resonanz toll.

Ihren Stil beschreiben? „Schwierig“, meinen die Jungs. Rock, Progressive und Indie: Verschiedene Richtungen beeinflussen die Musik von „Sonic Avalanche“, einfache Genreschubladen funktionieren nicht. Jedoch: Wie ein roter Faden ziehen sich die kreativen und klugen Texte, kombiniert mit äußerst angenehmen Melodien, durch die Alben. „Incubus“ lässt grüßen.

2008 erschien die erste “Sonic Avalanche”-EP mit dem Titel “How to define Destiny”. Viel ist seither passiert. Die Band spielte unter anderem in Köln, Hamburg und Frankreich. „Höhepunkt war 2010 der Auftritt am Freitagabend bei ,Das Fest’, wo wir auf der gleichen Bühne wie später Jan Delay standen“, sagt Sänger Daniel. Außerdem wurde die Band mit dem Preis „Musik ist Kunst“ ausgezeichnet.

„Gerade sind wir dabei, neue Gigs zu organisieren“, verrät der Frontmann. Fix sind bereits die Auftritte am 27. März in der Bruchsaler PZ Lounge, am 8. Mai in der Heidelberger Halle 01 und am 8. August beim Kraichtaler Anti Fruschd. Nun steht aber erstmal der Auftritt im Jubez am Freitag an. Beginn ist um 20 Uhr.

“Sonic Avalanche” sind Daniel Thomas (Gesang und Gitarre), Daniel Mayer (Gitarre), Fabian Altermann (Bass) und David Büchner (Drums). Weitere Informationen unter www.sonicavalanche.de und https://www.facebook.com/sonicavalanche?fref=ts

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10. März 2014

Flimmerkasten: “Grand Budapest Hotel”

An Wes Anderson-Filmen kann ich mich kaum sattsehen. Ich liebe die farbenfrohen Bilder sowie die unkonventionellen Charaktere, die trotz ihrer Schwere so viel Komik und Liebenswürdigkeit ausstahlen. Und ich bin begeistert von den verqueren Geschichten rund um dysfunktionale Familien, die spannend, lustig, aber auch tiefgründig sind. Selten wird Gesellschaftskritik so federleicht verpackt.

Groß war deshalb meine Vorfreude auf „Grand Budapest Hotel“. Vor allem als ich auf Spiegel online las, dass es der beste Wes Anderson-Film sein soll. Und in der Tat: Ich bin sehr angetan von der Räuberpistole um Concierge Gustave H. und  Lobbyboy Zéro. Aber der beste Film von Herrn Anderson? Nein. An „Moonrise Kingdom“ kommt er für mich nicht ran.

Gleichwohl: Es ist eine sehr unterhaltsame Reise in ein kunterbuntes Wunderland. Zubrowka heißt die fiktive Republik, in der sich das Geschehen abspielt. Sie liegt irgendwo in Mitteleuropa, Berge und Schnee gibt es dort zu genüge. Die Optik ist bezaubernd. Das Grand Budapest Hotel ähnelt einem Märchenschloss, in dem schräge Geschichten um eigenwillige, aber sehr liebenswerte Menschen vor sich gehen.  

Im Mittelpunkt steht Concierge Gustave H. Er arbeitet seit vielen Jahren dort. Sein Laster: eine ausgeprägte Leidenschaft für ältere Frauen. Diese Neigung wird ihm nun zum Verhängnis. Denn eine seiner Liebschaften, Madame Desgoffe-und-Taxis, stirbt und hinterlässt ihm, zum Entsetzen ihrer Familie, ein wertvolles Gemälde. Die habgierigen Hinterbliebenen sind außer sich und werfen Gustave H. vor, die alte Dame ermordet zu haben. Gustave H. flieht. Es folgt eine wahnsinnig skurrile und schräge Verfolgungsjagd, bei der ihm Lobbyboy Zero zur Seite steht.

„Grand Budapest Hotel“ ist eine Wohltat für die Augen, aber auch die Ohren. Die Dialoge sind eine Mischung aus intelligenter Komik, pechschwarzem Humor sowie kritischen Zwischentönen an politischen Missständen. Zuhören macht großen Spaß. Außerdem sind wieder zahlreiche bekannte Schauspieler dabei. Dazu gehören Bill Murray, Jude Law, Tilda Swinton, Adrien Brody, Owen Wilson und Lea Seydoux. Auch wenn mich die Geschichte nicht so mitnahm, wie es bei “Moonrise Kingdom” der Fall war, ist ein Abend mit „Grand Budapest Hotel“ absolut zu empfehlen.  

 

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8. März 2014

Melodien: “Ein Abend mit Arthur Gepting”

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Arthur Gepting sah ich im vergangenen Herbst zum ersten Mal beim Songslam im Kulturraum „Kohi“. Ganz in Schwarz gekleidet stand er mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne, stimmte im Halbfinale sein Lied „Beaugency“ an. Vom ersten Takt an hatte er meine gesamte Aufmerksamkeit. Melancholisch, voller Gefühl. Sehnsucht. Arthur Gepting berührte mich mit diesem Lied. Er schaffte es ins Finale. Und blieb in meinem Kopf. Als ich vor wenigen Wochen eine Email von ihm in meinem Postfach entdeckte, beschloss ich, mich mit ihm zu treffen.

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Seine neue EP hat der 24-Jährige an diesem verregneten Abend dabei, schiebt sie mir über den Tisch. Fünf Songs sind darauf, inklusive Intro und Outro. „Friend, Foe And Lover“ lautet der Titel. „Produziert hat sie Dr. Robin von Both“, erzählt Arthur. Jedes Lied erzählt eine Geschichte, aufgeteilt in verschiedene Akte, quasi eine Tragödie. „Die CD ist eine Herausforderung, als Hintergrundmusik eignet sie sich nicht“, sagt er. Dem Text lauschen: unabdingbar. Es sind sehr intime Aufnahmen geworden.

Außer der Musik macht Arthur gerade sein Diplom an der Kunstakademie. Bis zum Sommer möchte er damit fertig sein. „An der Akademie hatte ich 2009 auch meinen ersten Auftritt in Karlsruhe“,  erinnert er sich. Es war auf einer Semesterparty und die Resonanz war toll. „Das motivierte mich, weiterzumachen.“

Arthurs Ursprünge liegen im Punk. „Mit 15 Jahren hatte ich meine erste Band.“ Damals lebte er noch in einem kleinen Dorf im Odenwald, eckte in dem scheinbar friedlichen Idyll mit seinem dunklen Aussehen und der lauten Musik an. „Es war schwierig für uns, dort Auftritte zu bekommen“, sagt er mit Blick zurück.

Als er nach dem Abitur nach Karlsruhe zum Studieren kam, machte er alleine weiter. Folk, Country und ganz viel Drama: Arthurs Musik wurde facettenreicher. „Gefühlsdusseligkeit versuche ich zu vermeiden“, betont er. Nicht weinerlich, sondern direkt soll es sein. „Was bewegt mich?“ Das spiegle sich in seinen Songs wider, sagt der 24-Jährige. Das Resultat: Lieder über Liebe, Freundschaft, Hass. Im Mai 2013 erschien seine erste EP mit vier Liedern. „Money For The Saints“ heißt sie.

Ein musikalischer Landstreicher auf Tour: Bereits 2010 trat Arthur im Kohi bei einem Songslam auf, gewann. Seither hatte er zahlreiche Auftritte, durfte im Herbst vergangenen Jahres in Karlsruhe den Support für die Band „Candellila“ machen. „Das lief so gut, dass ich mit ihnen auch in Passau spielte“, sagt Arthur. Ansonsten sei es in Karlsruhe ein wenig schwierig, an Auftritte zu kommen. „Bei der Liedermachernacht im Vanguarde wäre ich gerne dabei.“ Oder “Das Fest” reize ihn sehr.

Fest eingeplant ist dagegen schon die Tour mit Joe Astray. „Wir wollen im Herbst durch Deutschland reisen, eine gemeinsame EP soll es vorher noch geben“, verrät Arthur. Gerade seien sie dabei, Locations zu buchen sowie Flyer und Plakate zu entwerfen. „Ich freue mich auf die nächste Zeit, es bleibt spannend“, ist sich der 24-Jährige sicher.

Weitere Infos:
https://arthurgepting.bandpage.com/
https://www.facebook.com/arthurgepting

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2. März 2014

Schmöker: “Katzentisch” von Michael Ondaatje

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Es ist eine Reise voller Abenteuer: Der elfjährige Michael fährt mit dem Dampfer „Oronsay“ von Sri Lanka nach England – ganz alleine. Nur seine entfernte Cousine Emily ist zufällig mit an Bord. In London soll ihn am Hafen seine Mutter empfangen. Seit vielen Jahren hat der Junge sie nicht mehr gesehen. 21 Tage auf dem Ozean gilt es bis dahin zu überwinden. Drei Wochen voller interessanter Begegnungen und kuriosen Erlebnissen, die Michael für immer im Gedächtnis bleiben.

„Katzentisch“ von Michael Ondaatje wurde mir von einer ehemaligen Arbeitskollegin ans Herz gelegt. Wunderbar soll der Roman sein, meinte sie. Und in der Tat, auf den rund 300 Seiten sind so unglaubliche viele schöne Wörter und Sätze, dass ich aus dem Staunen ob der Fantasie und Hingabe von Ondaatje nicht mehr herauskam. Es ist eine Wohltat, jede einzelne Seite zu lesen und in die bunte Welt auf dem Dampfer einzutauchen.

Ein globales Dorf auf dem Wasser: Auf der „Oronsay“ sind 600 Reisende aus den verschiedensten Ländern und den unterschiedlichsten Schichten. Ein krimineller Baron ist darunter, ein an Ketten gefesselter Gefangener sowie ein todkranker Millionär. Michael sitzt ein wenig abseits von der Luxusklasse am sogenannten Katzentisch, beobachtet das Treiben auf dem Dampfer ganz genau. Gesellschaft leisten ihm die beiden Jungs Cassius und Ramadhin. Mit ihnen freundet er sich schnell an und schließt den Pakt, jeden Tag eine verbotene Tat zu begehen. Das führt zu spannenden und gefährlichen Erlebnissen.

Mit am Tisch sitzt Perinetta Lasqueti, die den „Zauberberg“ von Thomas Mann immer bei sich trägt, daraus aber nie liest, schlechte Kriminalromane über Bord wirft und Tauben in den Taschen ihres Jacketts spazieren führt. Sie ist verliebt in den Pianisten Mr. Mazappa. Er beeindruckt mit seinen Liedern und Geschichten nicht nur die Dame, sondern auch die drei Jungs nachhaltig. Und außerdem gibt es noch Larry Daniels, einen Botaniker, der in Michaels Cousine Emily verliebt ist und den Heranwachsenden exotische Alkoholika an der Bar des Schwimmbeckens kauft.

Der Roman ist wie ein kleines Puzzle. Michael Ondaatje stellt in kurzen Kapiteln einzelne Personen und Schiffsräume vor – stets aus der Sicht des elfjährigen Protagonisten. Es gibt außerdem Zeitsprünge in die Zukunft. Diese handeln davon, was sich viele Jahre nach der Schiffsreise in den Leben der einzelnen Personen ereignete. Nach und nach entwickelt sich dadurch ein Gesamtbild, das verdeutlicht, dass das Schicksal es nicht immer gut meint mit den Menschen meint.

„Katzentisch“ ist ein unglaublich beeindruckendes Buch und wird am Ende sogar spannend. Gleichwohl: Ich brauchte verhältnismäßig lange für die rund 300 Seiten. Woran es genau lag, das weiß ich selbst nicht genau. Das Gefühl, vorankommen zu wollen, stellte sich trotz der schönen Sprache und des ausgefeilten Plots nie ein. Selbst in meinem Urlaub kam es vor, dass ich statt des Buchs lieber mehrere Tage hintereinander nur Zeitungen und Magazine las. So musste ich aber immer wieder nachschlagen, wer denn nun wieder welche Person ist und was genau auf den vorangegangenen Seiten passierte – das nervte irgendwann sehr und nahm mir den Spaß an dem Roman. Das letzte Drittel las ich vergangene Woche dann konsequent an einem Abend durch, tauchte so wieder total in die Geschichte ein und war am Ende versöhnt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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