29. Mai 2014

Flimmerkasten: “Der Tintenfisch und der Wal”

Sie tanzt sich durch die Straßen, durchs Leben und macht das Beste aus noch so verqueren Situationen – “Frances Ha” ist einer meiner liebsten Filme aus dem vergangenen Jahr. Regisseur Noah Baumbach steckt dahinter. Mein Interesse an seiner Arbeit war durch den sommerlichen Tanzfilm geweckt. Mehr davon. So setzte ich mir „Der Tintenfisch und der Wal“ auf meine DVD-Abo-Liste. Ein Film aus dem Jahr 2005 rund um eine dysfunktionale Familie. Wes Anderson wirkte als Produzent mit. Eine wunderbare Zusammenarbeit. Eine Oscar-Nominierung gab es dafür.

Es ist eine Geschichte ganz nah am Leben. New York 1986. Die Ehe von Bernard und Joan ist am Ende. Beide sind sie Schriftsteller. Während sie gerade neue Projekte an Land zieht, Erfolg sich einstellt, flattert bei dem einst gefeierten Bernard eine Absage nach der anderen in den Briefkasten. Die Rollenverteilung in der Beziehung verändert sich. Harmonie: unmöglich. Die Scheidung: unausweichlich.

Zwei Söhne haben die Beiden. Walt, einen Teenager, und Frank, der gerade in die Pubertät kommt. Vor allem Frank trifft die Trennung seiner Eltern hart. Er weint, flucht, trinkt Bier, masturbiert und verbreitet sein Sperma in der Schule.

Auch Walt ist unsicher, orientierungslos. Er wirft mit scheinbar intellektuellen Phrasen um sich, schummelt bei einem Talentwettbewerb und ist mit Mädchen völlig überfordert – sucht sich mit seinem völlig frustrierten Vater dann auch noch einen denkbar ungeeigneten Ratgeber aus.

Während Frank zu seiner Mutter hält, alles bei seinem Vater in Frage stellt, steht Walt komplett hinter Bernard. Regisseur Noah Baumbach gelingt es nun, auf eine ruhige und aufgeregte Art, diese komplizierte und schwierige Familiensituation einfühlsam zu vermitteln.

Ehrlich und authentisch ist „Der Tintenfisch und der Wal“. Dazu kommen tolle Schauspieler. Jeff Daniels (Bernard), Laura Linney (Joan), Anna Pacquin (Studentin Lili) und Jesse Eisenberg (Walt). Am meisten hat mich aber Owen Kline (Frank) berührt. Wie er mit Tränen in den Augen auf dem Sofa sitzt, als seine Eltern die Trennung verkünden: Herzergreifend. Geschichte, Bilder, Schauspieler, Musik – bei dem Film stimmt alles.

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24. Mai 2014

Melodien: “Vereinsheim Baldu, die siebte.”

Und dann steht Max Prosa auf. All seine Wut über das Unrecht in dieser Welt spiegelt sich in seiner Haltung wider. Seine Arme finden keine Ruhe. Seine Mimik: verzerrt. Max Prosa lebt die Musik, wird nahezu eins mit dem Mikrofon. Den Song „Chaossohn“ singt er an diesem Abend im Kulturzentrum „Tempel“ für Menschen, die in Thailand unter den politischen Unruhen leiden. Voller Kraft, Leidenschaft. Überwältigend. Weiterlesen »

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22. Mai 2014

Schmöker: Mit Blick aufs Meer” von Elizabeth Strout

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Sie ist launisch, streng und ganz schön oft mürrisch – ein Leben an der Seite von Olive ist nicht gerade einfach. Vor allem ihr Ehemann Henry muss mit ihrem ständigen Gezeter leben. Zusammen wohnt das Ehepaar in Crosby, einer kleinen Stadt an der Küste von Maine. Henry ist Apotheker, Olive Lehrerin. Über Jahrzehnte erfahren sie immer wieder, dass das Leben wunderbar, aber auch sehr hart sein kann.

„Mit Blick aufs Meer“ empfahl mir eine Freundin, als ich dringend ein schönes, aber keinesfalls kitschiges Buch zum Lesen suchte. Der Roman von Elisabeth Strout passt perfekt zu diesem Bedürfnis, zurecht wurde die Autorin mit dem Pulitzerpreis dafür ausgezeichnet.

Die einzelnen Kapitel sind wie eigene Kurzgeschichten konzipiert, sie bauen nicht aufeinander auf, die Protagonisten wechseln, jedoch ist alles chronologisch geordnet. Und immer mit dabei: Olive. Manchmal wird sie nur am Rande erwähnt, an anderer Stelle steht sie mit all ihren Gefühlen und Problemen im Mittelpunkt. Und oft ist Henry an ihrer Seite.

Magersucht, eine Geiselnahme oder Liebeskummer – ganz unterschiedliche Themen greift Elizabeth Strout auf, um zu zeigen, wie schwer das Leben sein kann. Jede Familie in Crosby kämpft mit ihren eigenen Problemen. Schwarz-Weiß-Malerei gibt es nicht. Kaum jemand ist per se gut oder schlecht. Es ist die Summe an Erfahrungen, die einen Menschen ausmachen. Das wird in jeder einzelnen Geschichte deutlich. Was prägte die Kindheit, wie verlief die erste Liebe? Wie groß sind die Demütigungen und Enttäuschungen?

An manchen Stellen machte mich „Mit Blick aufs Meer“ sentimental, vor allem wenn es ums Sterben ging. Aber das Werk von Elizabeth Strout ist sehr weise und wunderbar geschrieben. Unbedingt lesen!

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17. Mai 2014

Fernweh: “Berlin – Kaffee, Kuchen, Kleider II”

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Kreuzberg, Friedrichshain. Prenzlauer Berg. Auch am zweiten Berlin-Vergnügungstag waren wir vorrangig mit Einkaufen und kulinarischen Köstlichkeiten beschäftigt. Weiterlesen »

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12. Mai 2014

Fernweh: “Berlin – Kaffee, Kuchen, Kleider I”

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Drei Tage re:publica, drei Tage Vergnügen mit Fabi. So lautete die Aufteilung für die Berlin-Woche. Der Übergang war fließend, dank des letzten Vortrags mit dem Titel: “Über das Entlieben in Zeiten des Internets”. Eva Horn berichtete, dass der “gelesen”-Status bei Facebook und whatsapp bereits für einige Beziehungskrisen sorgte und dass Trennungen oft auch virtuell Auswirkungen haben. Bleiben wir Facebook-Freunde? Stalk ich dir auf Twitter hinterher? Und folge ich dir weiter auf Instagram? Fragen über Fragen, die das Ende einer Beziehung inzwischen mit sich bringen. Weiterlesen »

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7. Mai 2014

Fernweh: “Berlin – re:publica”

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„Und du gehst nach Berlin, zur re:publica.“ Groß war meine Freude, als mir das mein Chef vor wenigen Wochen verkündete. Ein Kongress mit Vorträgen rund um Blogs, soziale Medien, Journalismus und gesellschaftliche Entwicklungen. Perfekt. So war mein Koffer nach Hongkong kaum ausgepackt, als ich ihn am Sonntag mit meinem Krempel wieder füllte.

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5. Mai 2014

“Melodien: Ein Nachmittag mit Mine”

Was bleibt ist ein wohliges Glücksgefühl. 70 Minuten mit Mine und ihrer Musik verzaubern an diesem sonnigen Nachmittag im “Peer 23“ in Mannheim. Begeistert applaudiert das zahlreich erschiene Publikum am Ende, fordert Zugaben. Mine gibt sie gerne. Covert unter anderem „B-Seite“ von Jan Delay. Als die Sängerin und ihre Band kurz danach die Bühne verlassen, ist einzig der Gedanke übrig: Schade, dass es vorbei ist. Weiterlesen »

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3. Mai 2014

Heimat: “Kunst im Leerstand”

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Es sind ganz schöne viele Bauklötze, aus denen das riesige Skelett in der Ecke besteht. Lange Angelschnüre halten die einzelnen Elemente zusammen. Wer an dem mehr als zwei Meter großen Kunstwerk zieht, sorgt dafür, dass es sich bewegt, zappelt, tanzt. „Dance Macabre“ lautet der Name des imposanten Werkes, Karolina Jarmolinska schuf es. „Meine Fantasie wird vom Tod, dem Gedächtnis und Lebenserinnerungen angeregt“, erläutert sie.

Karolina Jarmolinska ist eine von insgesamt 13 Künstlern, die ab Donnerstag, 8. Mai, ihre Werke in dem ehemaligen Laden “Chez Bariatou” in der Blücherstraße 16 in der Karlsruher Weststadt ausstellen. Anlass ist die Aktion “Kunst im Leerstand”. Dort, wo in diesen Tagen die unterschiedlichen kreativen Arbeiten ihren Platz finden, wurden bis vor geraumer Zeit Haare nach afrikanischer Art geflochten, früher Brötchen verkauft. Eine Thekenbeleuchtung im ehemaligen Verkaufsraum erinnert daran. Und die Leuchtreklame an der Hauswand.

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Hinter der Aktion „Kunst im Leerstand“ steht der Kunst- und Kulturverein “Aktion Analog”. „Es ist unser erstes Projekt“, erzählen Nora Benterbusch und Constanze Heidt vom Vorstand. Im Frühjahr des vergangenen Jahres schlossen sich unterschiedliche Kunstinteressierte aus Karlsruhe zu diesem Verein zusammen. Darunter Studenten von der Kunstakademie, des KITs, Angestellte des Badischen Staatstheaters und des ZKMs. „Unser Ziel ist es, neue Kunstprojekte in Karlsruhe zu initiieren“, sagen Nora und Constanze.

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Nun die Premiere: Einige Monate dauerte es, bis eine Immobilie für „Kunst im Leerstand“ gefunden war. „Wir schrieben insgesamt 25 Eigentümer an – ohne Erfolg“, sagt Nora. Erst im März bekamen sie für die Räume in der Blücherstraße 16 die Zusage von dem Eigentümer und Architekten Bernd Zaruba von BWK-Besser-Wohnen-in-Karlsruhe. „Er stand dem Projekt von Anfang an mit Begeisterung gegenüber“, fügt Constanze hinzu.

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Das ist Constanze. An der schwarzen Wand finden Werke von Alexander Minor ihren Platz.

Malereien, Fotografien, Installationen – auf einer Fläche von knapp 100 Quadratmetern werden von Donnerstag bis Sonntag die unterschiedlichen Werke zu sehen sein. Unterteilt in drei Haupträume, einem Bad und zwei Fluren. Zusätzlich wird es eine Performance und Liveauftritte geben. Unter anderem am Samstag tritt der Sänger Arthur Gepting auf.

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Das ist Wataru Murakami. Er zeigt seine großen Fotografien.

„Die Wohnung wird direkt danach kernsaniert“, sagt Nora. Sie und Constanze hoffen, dass die Veranstaltung auf Resonanz stößt und zu einer Reihe ausgebaut werden kann. „Leerstände temporär zu nutzen, bietet neue Chancen für Künstler und Eigentümer“, sagen sie. Die Künstler haben Ausstellungsfläche, die Eigentümer erhalten dadurch eine indirekte Standortaufwertung. „Eine klassische Win-Win-Situation sozusagen.“

Vernissage ist am Donnerstag, 8. Mai, um 19 Uhr (bis ca. 23 Uhr)
Öffnungszeiten der Ausstellung: Freitag, 9. Mai: 17 – 23 Uhr
Samstag, 10 Mai: 11 – 23 Uhr
Sonntag, 11. Mai: 11 – 16 Uhr

Vertretene Künstler und Musiker: Alexander Minor, Arthur Gepting, Daniela Prochaska, Denis Krieg, Janna Banning, Karolina Jarmolinska, Kilian Kretschmer, Mimi Kunz, Simon Pfeffel, Stephanie Franziska Koesling, Wenzel Seibert, Wataru Murakami und andere…

Weitere Infos: www.aktion-analog.de

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26. April 2014

Fernweh: “HK – Ein Tag am Meer”

IMG_7964Raus aus der stressigen Stadt, ab zu einem der schönsten Strände Südostasiens in Sai Kung. Das war nach knapp einer Woche Hongkong ganz dringend nötig. Die schmutzige Luft, das hektische Treiben auf der Straße und der ständige Lärm, der von den unzähligen Baustellen ständig auf uns einprasselte, wirkten wenig entspannend. Natur und Ruhe, bitte schnell. Das war mein einziger Gedanke.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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