6. August 2021

Flimmerkasten: “Ginny & Georgia”

Kritik: „Ginny & Georgia“: kaputter, aber interessanter als die “Gilmore Girls”

„Wir sind wie die Gilmore Girls, nur mit größeren Brüsten“, sagt Georgia (Brianne Howey) in der ersten Folge von „Ginny & Georgia“ zu ihrer Tochter Ginny (Antonia Gentry). Für mich ist das nicht der einzige Unterschied: Sie sind rauer, kaputter und dadurch so viel interessanter als Lorelai und Rory.

Während die „Gilmore Girls“ bei ihrer TV-Strahlung Anfang der 2000er-Jahre komplett an mir vorbeirauschten, gab ich ihnen vor zwei Jahren auf Netflix nochmals eine Chance. Die erste Staffel fand ich zwar ganz nett, in der zweiten flog ich aber raus. Der Spannungsbogen um das Kleinstadtleben in Stars Hollow war mir auf Dauer zu schwach.

Ganz anders erging es mir vor wenigen Tagen mit „Ginny & Georgia“ und ihren Geschichten aus Wellsbury. Schon nach fünf Minuten wusste ich: Diese Serie mag ich, diese Charaktere sind facettenreich und spannend.

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4. August 2021

Flimmerkasten: “Fabian oder Der Gang vor die Hunde”

Ein außergewöhnlicher Film: „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Es flirrt, wackelt und die Szenen wechseln brüchig ineinander. Die ersten 30 Minuten von „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ sind anstrengend. Hätte ich das wundervolle Buch von Erich Kästner nicht gelesen, wäre es mir wohl schwer gefallen, einen Zugang zu finden. Mit solch einem experimentellen Einstieg hatte ich nicht gerechnet.

Aber: Die ungewöhnlichen Szenen faszinieren mich auch von der ersten Sekunde an. Die abwechslungsreiche Kameraführung, die schnellen Schnitte: „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ sprüht vor Kreativität und Liebe zum Detail. Regisseur Dominik Graf und Kameramann Hanno Lentz haben einen besonderen Film geschaffen, der lange nachwirkt.

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3. August 2021

Heimat: “Ein Abend mit Mohamed von „Sidi Bou Saïd“

Mohamed I Sidi Bou Said Karlsruhe
Das ist Mohamed.

„Sidi Bou Saïd“: ein tunesisches Bistro mitten in Karlsruhe!

Das azurblaue Meer glitzert in der Sonne, weiße Häuser stehen neben grünen Palmen, die Gassen sind klein und verwinkelt. Der Künstler Auguste Macke besuchte 1914 das Künstlerdorf Sidi Bou Saïd am Golf von Tunis und ließ sich für seine Malereien von der traumhaften Umgebung inspirieren.

Auch Mohamed musste an Sidi Bou Saïd denken, als er im vergangenen Herbst einen Namen für sein tunesisches Bistro in Karlsruhe suchte. „Es ist ein idyllischer Ort, an dem sich die Menschen wohlfühlen, eine gute Zeit verbringen und gerne wiederkommen“, erzählt er mir. Er hatte damit den perfekten Namen für seinen kleinen Laden gefunden. Auch die Optik hat er an Sidi Bou Saïd angepasst – sowohl die Bistro-Farben als auch das Logo und die Karten sind in weiß-blau gehalten.

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31. Juli 2021

Fernweh: “Ein Tag in Jerusalem”

Jerusalem

Jerusalem – ein Tag voller unglaublicher Eindrücke

Punkt 6 Uhr klingelt der Wecker. Puuh. Unser Ausflug nach Jerusalem beginnt früh. Um möglichst viel an einem Tag sehen zu können, haben wir uns für eine geführte Tour mit dem Anbieter „Viator“ entschieden. Eines der teuersten Angebote, aber dafür auch eines der umfangreichsten. Auf uns wartet ein Tag voll gepackt mit Geschichte, Religion und unglaublichen Bildern. Es ist so bewegend, dass der Ausflug selbst Monate später noch unglaublich präsent in meinem Kopf ist. Weiterlesen »

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22. Juli 2021

Schmöker: “Zähne zeigen” von Zadie Smith

"Zähne zeigen" von Zadie Smith

Klassiker der englischen Gegenwartsliteratur: „Zähne zeigen“ von Zadie Smith – eine Krititk

Es ist der 1. Januar 1975, als Archie versucht, sich mit einem Staubsauger das Leben zu nehmen. Seine Frau hat ihn verlassen, alleine lebt er nun mit 47 Jahren in einer Einzimmerwohnung, die über einer Pommesbude liegt.

Um seinem unglücklichen Dasein ein Ende zu bereiten, setzt er sich am Silvesterabend in sein Auto, fährt los, parkt vor einer Halal-Fleischerei im Nordwesten Londons und schließt seinen Staubsauger an den Auspuff.

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16. Juli 2021

Schmöker: “Wir Strebermigranten” von Emilia Smechowski

"Wir Strebermigranten" von Emilia Smechowski

Kritik von “Wir Strebermigranten”: ein spannendes Buch über polnische Einwanderer

Nur nicht auffallen. Das ist die Maxime für Emilia Smechowskis Familie, als sie 1988 aus Polen in Deutschland ankommt. Emilia ist damals fünf Jahre alt. Ihr gesamtes Leben steht auf dem Kopf, alles ist anders in Berlin. Die Menschen, die Sprache und auch ihr Name: aus Emilka wird Emilia.

Für ihre Eltern, zwei Mediziner, ist wichtig: Sie möchten sich so schnell wie möglich integrieren, nicht als Ausländer wahrgenommen werden. Das bedeutet für sie: immer diszipliniert sein, hart arbeiten und in der Öffentlichkeit kein Polnisch sprechen. Die Smechowskis werden in Deutschland quasi unsichtbar.

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14. Juli 2021

Fernweh: “Urlaub in Bayern – Kochelsee & Walchensee”

Walchensee

Kochelsee und Walchensee: Urlaub in der bayrischen Karibik

Eine Reise zu schimmernden Seen, majestätischen Bergen und dichtem Wald. Als eine Freundin und ich im Februar 2020 einen Roadtrip in die Slowakei planten, ahnten wir noch nicht, dass wir wenige Wochen später alles wieder stornieren müssen.

Unser damaliges Ziel: die Hochzeit einer gemeinsamen Freundin. Sie hatte uns am 06.06.2020 in die Nähe von Bratislava eingeladen. Die Vorfreude war riesig. Mit dem Auto wollten wir dorthin – mit mehrtägigen Stopps in Bayern, Südtirol und Slowenien.

Wir hatten traumhafte Unterkünfte am Walchensee, am Pragser Wildsee, in einem Nationalpark in Slowenien und in Bratislava gefunden. Die Trauer war groß, als klar war, dass die Hochzeit nicht stattfindet, wir dadurch weder unsere Freundin sehen, noch unseren Roadtrip starten werden.

Als Ende Mai 2020 aber die Inzidenz-Zahlen wieder deutlich sanken, beschlossen wir spontan, wenigstens zum ersten Stopp zu fahren: zum Kochelsee und Walchensee in Bayern.

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7. Juli 2021

Flimmerkasten: “Nomadland”

“Nomadland”: Es lebe die Freiheit!

Fern (Frances McDormand) fühlt sich nur frei, wenn sie mit ihrem weißen Van quer durch die USA fährt. Durch die karge Wüste und naturgewaltigen Nationalparks, entlang der felsigen Küste mit den tosenden Wellen.

„Vanguard“ hat Fern ihren treuen Gefährten mit den Rostflecken genannt. Mit ihm kommt sie nicht nur von einem Gelegenheitsjob zum nächsten. „Vanguard“ ist auch ihr Zuhause. In ihm schläft sie bei Eiseskälte, erledigt in einem Eimer ihre größeren und kleineren Bedürfnisse und hat in den Schränken ihre wichtigsten Andenken verstaut.

Fern ist eine moderne Nomadin und steht im Mittelpunkt von „Nomadland“, einem wunderschönen und eindrucksvollen Film.

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30. Juni 2021

Fernweh: “Füssen – zwischen Seen, Bergen und dem Schloss Neuschwanstein”

Füssen Lech

Füssen: Hübsche Natur & überteuerte Restaurants

Schon wenige Stunden nach unserer Ankunft in Füssen verstehe ich, warum Ludwig II. sein Märchenschloss Neuschwanstein vor den Toren der malerischen bayerischen Stadt bauen ließ. In der Altstadt reihen sich bunt bemalte Häuschen aneinander. Der Lech glitzert türkisfarben in der Sonne und im Hintergrund erblicke ich die gigantischen Berge. Eine beeindruckende Aussicht.

Etwa 1,5 Millionen Touristen strömen jährlich zu diesem Endpunkt der Romantischen Straße – darunter viele Menschen aus dem Ausland. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, im Spätsommer des Corona-Jahrs 2020 dorthin zu fahren. Reisende aus anderen Ländern gibt es zu diesem Zeitpunkt kaum. Es ist verhältnismäßig ruhig. In den Restaurants und Cafés finden wir immer einen Platz, sogar für die stark verkleinerte Tour durch das Schloss Neuschwanstein ergattern wir noch Karten.

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29. Juni 2021

Schmöker: “Swing Time” von Zadie Smith

 "Swing Time" von Zadie Smith

Kritik “Swing Time”: Toller Roman über eine Mädchen-Freundschaft

Es ist ein Samstag im Jahr 1982, als sich die beiden dunkelhäutigen Mädchen zum ersten Mal auf dem Weg zu einer Ballettstunde in einem Kirchhof begegnen. Sofort sind die Dinge sichtbar, die sie miteinander verbinden:

„Wir hatten beide den identischen Braunton, als hätte man ein Stück hellbraunen Stoff durchgeschnitten, um uns beide daraus zu machen, unsere Sommersprossen sammelten sich an der gleichen Stelle, wir waren gleich groß.”

Das erzählt die namenlose Ich-Erzählerin gleich zu Beginn von „Swing Time“. Sie und Tracey leben in tristen Hochhausanlagen in London. Ihre große Leidenschaft: das Tanzen und Musicals. Die zufällige Begegnung bei den Ballettstunden ist der Beginn einer tiefen Freundschaft, die in den nächsten Jahrzehnten jedoch immer wieder großen Herausforderungen ausgesetzt ist.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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