7. Februar 2019

Schmöker: “Schilf” von Juli Zeh

“Schilf” von Juli Zeh: Lebt Kennedy noch in einem Paralleluniversum?

„Alles was möglich sei, könne auch gesehen.“ Bis ich den Krimiroman „Schilf“ von Juli Zeh in den Händen hielt, hatte ich mir noch nie Gedanken über die Vielewelten-Theorie gemacht. Ich hatte ehrlicherweise nicht einmal davon gehört. Als ich dann aber durch die beiden “Schilf”-Protagonisten Oskar und Sebastian, zwei Physiker, damit konfrontiert wurde, kam Neugier auf. Was verbirgt sich hinter der Annahme, dass es eine unendliche Anzahl an Universen gibt, in denen unter anderem unsere Doppelgänger leben – und beispielsweise Kennedy nicht erschossen wurde?

Verrückte Fantasie oder reale Theorie aus der Physik? Ich war verwirrt – und begann im Netz zu stöbern. Dabei stieß ich auf einen Artikel aus der „Welt“, der das ganze theoretische Gerüst zu Juli Zehs Werk erklärt.  Weiterlesen »

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8. Januar 2019

Schmöker: “The Girls” von Emma Cline

“The Girls”: Mehr als ein Psychothriller

Suzanne trägt ein schmutziges und äußert kurzes Kittelkleid, als Evi sie zum ersten Mal im Park sieht. Die Faszination ist sofort da. Als sich ihre Blicke treffen, die schwarzhaarige Suzanne lächelt, beginnt Evis Herz zu hüpfen, die Luft schichtet sich um. Es ist der Beginn einer Verbindung, die Evis eintöniges Leben in einen Strudel reißt – voller Sex, Drogen und Gewalt.

„The Girls“ spielt in Kalifornien im Jahr 1969. Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Evi, die durch die wilde Suzanne schließlich in eine Hippie-Kommune gerät, deren Anführer Russell an Charles Manson erinnert. Er setzt minderjährige Mädchen unter Drogen, verleitet sie dazu, Morde zu begehen.

Allein diese Beschreibung hätte mich nicht dazu bewegt, „The Girls“ von Emma Cline zu lesen. Aber der Debütroman der Amerikanerin ist keineswegs ein stupider Psychothriller. Er ist vielmehr ein Psychogramm, das zeigt, was einen scheinbar gewöhnlichen Teenager dazu bringt, freiwillig die Nähe zu solch einer Sekte zu suchen – und dort auch bleibt. Außerdem ist „The Girls“ sprachlich eindrucksvoll. Weiterlesen »

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27. Dezember 2018

Schmöker: “Meine geniale Freundin” von Elena Ferrante

“Meine geniale Freundin”: Zurecht so hochgelobt?

„So etwas haben Sie noch nie gelesen.“ Wenn der Guardian solche Sätze über ein Buch verliert, werde ich neugierig. Was steckt hinter soviel Lob? Auch zahlreiche andere Medien überschlugen sich mit positiven Kommentaren. „Die Zeit“ war sich sicher, dass der Romanzyklus über zwei Freundinnen in die Literaturgeschichte eingehen wird. Ich wollte es genauer wissen und lief sofort zur Buchhandlung, als im Herbst nun auch in Deutschland „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante herauskam.

Nun bin ich ein wenig hin und hergerissen. Der erste Teil des insgesamt vierbändigen Romanzyklus ist äußerst interessant und macht Freude zu lesen, aber an die Superlativen mag ich mich trotzdem (noch) nicht anschließen. Weiterlesen »

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9. Dezember 2018

Schmöker: “Das Café am Rande der Welt” von John Strelecky

Nicht besonders erhellend: “Das Café am Rande der Welt”

Es war ein riesiges Glück, dass ich meinen Zweck der Existenz bereits mit 22 Jahren fand. Ich saß eines Abends in einer Straßenbahn. Es war bereits dunkel draußen, schemenhaft rauschten Bäume am Fenster vorbei. Mein Blick wanderte durch den hell erleuchtenden Innenraum des Wagons, blieb an dem Mann hängen, der mir gegenüber saß, Zeitung las. In diesem Moment blitzte plötzlich eine Idee in meinem Kopf auf: Schreiben, das ist das, was ich machen möchte. Ich war mir sicher.

Es war eine absurde Situation, die aber mein komplettes Leben veränderte.

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26. November 2018

Schmöker: “Die Stunden” von Michael Cunningham

Wunderbar: „Die Stunden“ von Michael Cunningham

Es war ausgerechnet ein Abend mit Netflix, der mich zum Roman „Die Stunden“ von Michael Cunningham brachte. Wahllos hatte ich nach einer unkomplizierten Unterhaltung gesucht und war so auf den Film „The Hours“ gestoßen. 97 Prozent Übereinstimmung mit meinen Interessen, hatte der Streaming-Dienst errechnet. Okay. Der Algorithmus muss es ja wissen. Ich klickte auf Play – ohne eine Ahnung zu haben, was auf mich zukommen wird.

Innerhalb nur weniger Minuten wusste ich bereits: Perfekt, das ist genau meins. Drei Geschichten von drei Frauen, die in unterschiedlichen Jahrzehnten und an unterschiedlichen Orten leben, aber alle über eine Gemeinsamkeit miteinander verbunden sind – über “Mrs Dalloway” von Virgina Woolf. Weiterlesen »

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6. Oktober 2018

Schmöker: “Unterwegs” von Jack Kerouac

Unterwegs mit Sex, Drugs ’n’ Jazz – ein literarischer Roadtrip

Jack Kerouac hat mich fertig gemacht. In einem berauschenden Tempo sauste ich in “Unterwegs” mit seinem Protagonisten Sal Paradise durch die USA – von Denver nach San Francisco, nach New Orleans oder nach Mexico. Meist per Anhalter, manchmal auch auf Güterzügen oder mit geklauten Autos. Kritzelte immer wieder mit Bleistift die Namen der Personen und Routen ins Buch, um den Überblick zu behalten, machte Knicke in die Seiten mit besonders schönen Sätzen.

Nun halte ich ein Buch in der Hand, das durch diesen Prozess selbst seine Form verändert hat. „Unterwegs“ oder „On the road“ wie es im Original heißt, ist so unendlich voll gepackt mit Poesie und wunderbaren Worten. Es gibt deshalb kaum noch eine Seite in meinem Buch, die in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten blieb.

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3. Oktober 2018

Schmöker: “Unterwerfung” von Michel Houellebecq

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“Unterwerfung”: Spannend, radikal, bereichernd

Eine autoritäre muslimische Partei regiert im Jahr 2022 Frankreich. Der Trubel war groß, als „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq im Januar 2015 erschien. Besonders da die Veröffentlichung mit dem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zusammenfiel. Auch ich stand dem Werk lange sehr skeptisch gegenüber – zahlreiche Medien und Personen des öffentlichen Lebens warfen dem derzeit bedeutendsten französischen Autor islamfeindliche Tendenzen vor.

Mich nervte es zunächst auch sehr, dass er in der eh schon aufgehitzten Lage ein für mich völlig utopisches Szenarium konzipiert: Eine muslimische Partei krempelt ein westliches Land um. Houellebecq schürt Ängste, das waren meine ersten Gedanken, als ich die Rezensionen über „Unterwerfung“ las.

Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich gestehen: Ich habe mich geirrt. Michel Houellebecqs Gedankenspiel ist keineswegs absurd, sondern sehr klug konstruiert. Seine Herleitungen klingen so logisch, dass es sehr spannend ist, ihnen zu folgen. Mit unglaublicher Genauigkeit beschreibt er die französische Gesellschaft, zieht immer wieder sehr interessante geschichtliche Vergleiche und zeigt auf, wie sich die Nation durch ihren Hedonismus, Kapitalismus und den ständigen Drang zur Individualisierung selbst zerstört. Weiterlesen »

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12. September 2018

Schmöker: “Angerichtet” von Herman Koch

Spannend bis zur letzten Seite: “Angerichtet” von Herman Koch

Selten hat mich ein Buch so nachhaltig beschäftigt wie „Angerichtet“, die Tragikomödie des Niederländers Herman Koch. Zu was sind Eltern in der Lage, um ihre Kinder zu schützen? Das ist die zentrale Frage. Herman Kochs Antwort ist erschütternd. Weiterlesen »

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26. August 2018

Schmöker: “Zweier ohne” von Dirk Kurbjuweit


Eine spezielle Schullektüre: “Zweier ohne”

Es ist eine Schullektüre, die für ziemlich viel Wirbel sorgte: Die wenigen, aber doch detaillierten Sexszenen in „Zweier ohne“ von Dirk Kurbjuweit überforderten in diesem Jahr Neuntklässler, brachten Eltern auf. Interessiert verfolgte ich die Diskussion. Berechtigt oder nicht? Ich war neugierig und kaufte mir deshalb die Novelle. Weiterlesen »

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19. August 2018

Schmöker: “Der Schwimmer” von Zsuzsa Bánk

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“Der Schwimmer”: eine tief bewegende Geschichte

Es ist das Ende von „Der Schwimmer“, das mich regelrecht erschütterte und nachhaltig mitnahm. Selten saß ich nach der letzten Seite eines Buches einfach nur da und dachte: „Oh nein.“ Die Geschichte um die beiden Geschwister Kata und Isti hat mich tief berührt. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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