3. Dezember 2013

Flimmerkasten: “Inside Llewyn Davis”

Ein Film der Coen-Brothers über einen erfolglosen Folkmusiker – seit Wochen freue ich mich schon auf den Kinostart von „Inside Llewyn Davis“. Ungeduldig zählte ich bereits die Tage bis zum 5. Dezember, schaute gefühlte 30-mal den Trailer. Nun wurde meine Wartezeit verkürzt: Der Film flimmerte gestern Abend in der Sneak Preview über die Leinwand. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Es ist ein wunderbarer Film. Die Schauspieler, die Musik, die Bilder, die Dialoge: Es passt einfach alles.

Die Handlung ist schnell erzählt: Im Mittelpunkt steht der Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaac). Es ist das Jahr 1961 und in seinem Leben geht alles schief, was schief gehen kann. Erst stürzte sich sein ehemaliger Duett-Partner voller Todessehnsucht von einer Brücke, nun läuft seine Solo-Karriere nicht richtig an. Fester Wohnsitz? Nicht finanzierbar. Das Geld ist gar so knapp, dass Llewyn bei eisigen Temperaturen und Schneegestöber ohne Mantel herumlaufen muss.

Der Musiker stolpert von einer Katastrophe zur nächsten: 24 Stunden lang auf eine Katze aufpassen: unmöglich. Mit der Sängerin Jean (Carey Mulligan) hatte er eine Affäre, nun ist sie schwanger. Das Problem: Jean hat einen Freund: Jim (Justin Timberlake). Auch er ist Musiker, tritt mit Jean zusammen auf und vermittelt Llewyn gelegentlich Aufträge.

Jean weiß nun nicht, von wem das Kind ist und will es abtreiben lassen.  Auf Llewyn ist sie ganz schön sauer. Mangelhafte Verhütungsmethoden wirft sie ihm vor, ein doppeltes Kondom sei bei ihm angebracht, schimpft sie vor sich hin. Herrlich ist die Szene im Park, als sie ihn minutenlang als Arschloch bezeichnet. „Alles was du anfasst, wird zu Scheiße.“ Llewyn widerspricht nicht.

Besonders sympathisch wird einem Llewyn (übrigens: ein walisischer Name, wie er erzählt) während des gesamten Films nicht. Vor allem bei einer Chicago-Reise mit einem drogenabhängigen Jazzmusiker und einem wortkargen Fahrer zeigt er sich von keiner vorteilhaften Seite. Am Anfang und am Ende des Films wird er wegen seiner unverschämten Art vor einem Club verschlagen – es trifft nicht den Falschen.

Dass einem der Film trotzdem sehr schnell ans Herz wächst und er sehr leicht daher kommt, liegt an dem pechschwarzen Humor und den herrlich komischen Dialogen. Besonders Oscar Isaacs schauspielerische Leistung ist famos. Zudem bietet das Werk der Coen-Brothers einen Einblick in die Folkszene Anfang der 1960er-Jahre.

Randnotiz:
Grandios ist die Szene im Studio, als Llewyn mit Jim und dem ebenfalls erfolglosen Sänger Al Cody (Adam Driver) „Dear, Mr. Kennedy“ singt. Für mich ist das die beste Kinoszene des Jahres.

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20. Juni 2013

Flimmerkasten: “Gambit – der Masterplan”

Die Coen-Brothers als Drehbuchautoren, Colin Firth und Cameron Diaz in den Hauptrollen – es gibt wahrlich schlechtere Voraussetzungen für eine Krimikomödie. Bei “Gambit – der Masterplan” funktioniert das trotzdem nicht. Herausgekommen ist ein eher mittelmäßiger Film, der sich höchstens auf DVD lohnt. Mehrere Euros an der Kinokasse dafür zu bezahlen: Verschwendung.

Grundlage des Werks von Regisseur Michael Hoffmann ist der Klassiker “Das Mädchen aus der Cherry-Bar” aus den 1960er-Jahren. Die Handlung: Der englische Kunstkurator Harry Deane (Colin Firth) hat einen Plan. Seinem Chef Lionel Shabbandar (Alan Rickmann) möchte er ein gefäschtes Bild unterjubeln. Und so 500 000 Pfund verdienen.

Sein charmanter älterer Freund, der Maler Major Wingate (Tom Courtenay), malt deshalb den “Heuberschober bei Sonnenuntergang” von Monet. Ein Cowgirl aus Amerika (Camerin Diaz) soll den Deal einfädeln. In Harrys Vorstellung funktoniert dieser Plan hervorragend. In der Realität gibt es jedoch einige Abweichungen – Chaos und Turbulenzen inklusive.

In den ersten 20 Minuten des Films war ich noch überzeugt, dass es sich bei “Gambit” um eine total nette Komödie handelt. Perfekt, um einfach mal den Kopf auszuschalten und mit bunten Bildern unterhalten zu werden. Der Schnitt ist gut, Dynamik entsteht, die Geschichte klingt interessant. Doch irgendwann kippt das. Viele Dialoge sind einfach nur albern. Nicht lustig. Und dass Colin Firth ziemlich lange in Unterhosen herumlaufen muss, naja, wer mag, darf sich gerne darüber freuen. Gegen Ende kämpft er dann aber auch noch mit einem Löwen. Hilfe. Dachte ich nur. Jetzt ist alles zu spät.

Schade. Der Film tut zwar nicht weh, aber banale Filme gibt es doch schon so viele – und wenn die Coen-Brothers ihre Finger im Spiel haben, erwarte ich eigentlich mehr.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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